Bayern 2

     

Zeit für Bayern Gsundheit

Das sogenannte "Lorscher Arzneibuch" liegt in der Handschriftensammlung der Staatsbibliothek Bamberg auf einem Stehpult. Die frühmittelalterliche Handschrift zur Klostermedizin entstand Ende des 8. Jahrhunderts und wurde am 18. Juni 2013 als Weltdokumentenerbe von der UNESCO in das Register "Memory of the World" aufgenommen. | Bild: Timm Schamberger/picture-alliance/dpa

Samstag, 26-3-2022
12:05 nachm. to 1:00 nachm.

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BAYERN 2

Nagelschuh und Stethoskop
Pius Roth, Bauerndoktor im Isartal
Von Andreas Pehl

Mit Knoblauch gegen Warzen
Forschungsgruppe Klostermedizin der Uni Würzburg entdeckt Kräuter der Mönche für moderne Medizin neu
Von Wolfram Hanke

Wiederholung um 21.05 Uhr
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Nagelschuh und Stethoskop
Pius Roth, Bauerndoktor im Isartal
Von Andreas Pehl

Max Pius Roth kam 1875 als Bauerndoktor nach Lenggries und arbeitete später als Amtsarzt in Berchtesgaden. 1910 schrieb er seine "Erinnerungen eines oberbayerischen Bauerndoktors". Diese Memoiren sind weit mehr als eine Sammlung medizinischer Anekdoten. Sie erinnern an eine der wichtigsten volkskundlichen Quellen des 19. Jahrhunderts, an die Physikatsberichte, die um 1860 von den bayerischen Landärzten abzuliefern waren. Wie Roth berichteten Ärzte über Klima, Bodenbeschaffenheit und Heilpflanzen, aber auch über die physische und intellektuelle Konstitution der Menschen und über ihre Lebensverhältnisse. Und so manch ein bayerisches Klischee ist auch hier zu entdecken.
Zusammen mit dem Enkel von Max Pius Roth, Lutz, dem Bezirksheimatpfleger Peter Fassl, dem ehemaligen Lenggrieser Hausarzt Rudi Forstner und der Medizinhistorikerin Marion Ruisinger beschäftigt sich Andreas Pehl mit den Arbeitsbedingungen eines Bauerndoktors und dem Alltagsleben auf dem bayerischen Land vor mehr als hundert Jahren, das praktisch in allen Bereichen dem mittelalterlichen Leben weit ähnlicher war als der heutigen Zeit.

Mit Knoblauch gegen Warzen
Forschungsgruppe Klostermedizin der Uni Würzburg entdeckt Kräuter der Mönche für moderne Medizin neu
Von Wolfram Hanke

Klosterbewohnern hat man im Mittelalter den Mönchspfeffer als "Anti-Aphrodisiakum" empfohlen - zur Zügelung von unangebrachten Lustgefühlen. Auch bei Menstruationsbeschwerden wurde das Kraut verordnet. Über Jahrhunderte hinweg half die Arznei der Mönche Kranke zu heilen und in den Klöstern wurde das Wissen über Heilpflanzen sorgfältig dokumentiert.
Die Forschergruppe "Klostermedizin" an der Würzburger Universität beschäftigt sich intensiv mit diesen alten Rezepturen und auch die Pharmaindustrie hat die Medizin des Mittelalters für sich entdeckt. Die Forscher haben verschiedene Klöster, unter anderem das Benediktinerkloster in Salzburg, nach Informationen durchforstet, eine Datenbank mit hunderten teils vergessenen Pflanzen erstellt und deren Anwendung mit der modernen Phytotherapie verglichen. Die Wirkung von Fenchel gegen Husten und Verdauungsprobleme oder die umfangreichen Anwendungsgebiete der Melisse haben über Jahrhunderte hinweg nichts an Popularität eingebüßt. In den lateinischen Klosterhandschriften schlummern aber auch Pflanzen, die seit Jahrhunderten ein Schattendasein fristen. Wie beispielsweise der Mönchskopf oder das Johanniskraut, das früher als Hexenkraut beschrieben wurde. "Der Arzneischatz der Klostermedizin ist viel größer, als was bisher von der Schulmedizin an Heilpflanzen untersucht wurde", meint Johannes Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin.
Erstsendung 12. Januar 2019

Akustische Reisen durch Bayerns Regionen

Zeit für Bayern zeigt das Land im Herzen Europas in seiner ganzen Vielfalt. Eine unterhaltsame Heimatkunde für alle, ob alteingesessen oder neuzugezogen, ob aus Kempten oder Köln, Nürnberg oder Neapel, Berlin, Bagdad oder Berchtesgaden. Denn Heimat ist da, wo man sich kennt und auskennt. Zeit für Bayern bietet die Gelegenheit, die Landstriche und die Menschen Altbayerns, Frankens und Schwabens näher kennen zu lernen und neu zu erfahren - bayerisches Leben und bayerisches Lebensgefühl abseits aller Klischees.

"Zeit für Bayern" ... sollte jeder haben!