Bayern 2

radioWissen Die Vorweihnachtszeit

Alter Adventskalender | Bild: BR

Mittwoch, 02.12.2020
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Die Geschichte des Adventskalenders
Jeden Tag ein Türchen mehr

Weihnachtsmann und Co
Was hinter den winterlichen Gabenbringern steckt

Das Kalenderblatt
2.12.1901
Patent auf Nassrasierer
Von Herbert Becker
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Die Geschichte des Adventskalenders - jeden Tag ein Türchen mehr
Autor: Christian Feldmann / Regie: Irene Schuck
Sankt Nikolaus verwandelte sich in Gott Wotan, die Krippe unter dem "Julbaum" in ein "Weihnachtsgärtlein": 1942 veröffentlichte der nationalsozialistische Münchner Franz-Eher-Verlag einen Adventskalender in Buchform. Die braune Alternative setzte sich nicht durch, zeigt aber, dass die Tradition des Adventskalenders wie ein Seismograph kulturgeschichtliche Veränderungsprozesse abbildet. Da marschierten einst Spielzeugsoldaten im Stechschritt durch das "Land des Christkinds", nach dem Zweiten Weltkrieg gab es stark von der katholischen Liturgie geprägte Kalender ("Der Dom" oder "Engelamt") und heute dominieren humorvolle Allerweltsmotive, die auf jeden religiösen Bezug verzichten wie der Alltag einer Bärenfamilie.
Auch der allererste Adventskalender auf dem Buchmarkt ist ein Münchner Produkt: Vor hundert Jahren zeichnete der renommierte Kinderbuchillustrator Richard Ernst Kepler eine Märchenwelt in 24 Miniaturbildern. Die damit beschenkten Kinder bekamen auch gleich eine Bastelarbeit: Sie mussten das jeweilige Motiv aus einem Bilderbogen ausschneiden und mit der gummierten Rückseite auf einen starken Karton kleben.

Weihnachtsmann und Co - was hinter den winterlichen Gabenbringern steckt
Autorin: Bettina Weiz / Regie: Martin Trauner
Er kommt, wenn es draußen knackig kalt wird, hat einen langen Bart, einen Stab, einen dicken Bauch, und er bringt schöne Geschenke für die Kinder. Wer gedacht hat, das wäre der Heilige Nikolaus von Myra und kein anderer, irrt. Die Figur gibt es vielerorts in der kühlen Klimazone, bis hin zu einem der drei dickbäuchigen Glücksgötter Chinas. Sie ist die Personifizierung ähnlicher Lösungen auf ähnliche Bedürfnisse: wo es im Winter kalt und die Versorgung knapp wird, muss man zusammenrücken und Bedürftige mit über die Runden bringen. Zugleich machen Nikolaus, Weihnachtsmann oder Christkind auch Schenken in Freiheit möglich. Denn wie der große Ethnologe Marcel Mauss gezeigt hat, schenken wir normalerweise mitnichten aus so freiem Herzen, wie wir es gerne darstellen. Im Grunde erwarten wir ein Gegengeschenk - und Gabe um Gabe festigt sich das Netz aus familiären und freundschaftlichen Beziehungen, in das wir eingebunden sind. Nur der Nikolaus darf einfach so mit seinen Geschenken ankommen, aus heiterem Himmel beziehungsweise von 'drauß vom Walde'.

Moderation: Gabi Gerlach
Redaktion: Bernhard Kastner

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