Bayern 2

radioWissen Bevölkerung und Privatsphäre

Auge blickt durch Schlüsselloch | Bild: colourbox.com

Montag, 23.11.2020
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Geschichte der Privatsphäre
Grundbedürfnis oder Konstrukt?

Anfänge der Soziologie
Der Mensch als soziales Wesen

Das Kalenderblatt
23.11.1973
Nach einem halben Jahr beenden die Fluglotsen in Deutschland ihren Streik
Von Frank Halbach
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Geschichte der Privatsphäre - Grundbedürfnis oder Konstrukt?
Autorin: Sabine Straßer / Regie: Martin Trauner
Digitalisierung und moderne Kommunikationstechnologien bedrohen die Privatsphäre des Bürgers immer mehr. Aber: wie lange gibt es diese Idee eigentlich? Zwar finden wir schon in der Antike die Unterscheidung in einen öffentlichen und privaten Bereich des Lebens, aber unser Konzept einer individuellen Privatsphäre ist erst mit Beginn der Neuzeit entstanden. Der Aufstieg des Bürgertums, Vorstellungen von Humanismus, Liberalismus und Menschenrechten und der Niedergang des Absolutismus waren dafür die Voraussetzungen. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriegen begann das Bürgertum im Biedermeier Privat- und Familienleben in ganz neuem Ausmaß zu kultivieren. Zuvor hatten jahrhundertelang selbst die Reichen oft zusammen mit ihren Dienern in einem Raum geschlafen. In so manchem asiatischen oder afrikanischen Dorf wird die Vorstellung der Privatsphäre bis heute als unsozial abgelehnt und als westliches Konzept betrachtet. Ist Privatsphäre also ein menschliches Grundbedürfnis oder ein kulturelles Konstrukt? Oder wird Privatsphäre vielleicht erst dann wichtig, wenn der Mensch sich gegen eine höhere politische Gewalt wie den Staat abgrenzen will? Oder - müssen wir uns darauf einstellen, dass die Privatsphäre durch technische Entwicklungen wieder aus der Menschheitsgeschichte verschwindet?

Anfänge der Soziologie - der Mensch als soziales Wesen
Autorin: Lena Himmler / Regie: Anja Scheifinger
In welchem Verhältnis stehen der Einzelne und die Gesellschaft - mit ihren Institutionen wie Familie, Religion und das Bildungssystem? Wie funktioniert sozialer Wandel? Und wie kann man soziale Ungleichheit erklären? Mit diesen Fragen setzt sich die Soziologie auseinander. Ihre Anfänge sind umstritten. Als eigenständige Wissenschaft etabliert sich die Soziologie erst Ende des 19. Jahrhunderts. Ihre Entstehungsgeschichte ist eng verwoben mit den gesellschaftlichen Entwicklungen im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts. Mit zunehmender Säkularisierung wird das Ancien régime abgeschafft, es entsteht eine bürgerliche Gesellschaft, eng verbunden mit der fortschreitenden Industrialisierung. Forschende fragen: Man kann Gesellschaften verändern - doch wie und inwiefern? Mitte des 19. Jahrhunderts erstrebt der Franzose Auguste Comte eine Art Physik des Sozialen, die auf wenigen Universalgesetzen aufbauen soll - er nennt sie "Soziologie". Prominent wird die Soziologie erst später mit dem Marxismus: "Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen", so Karl Marx und Friedrich Engels. Marx‘ Analysen der kapitalistischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts werden sehr einflussreich werden. Weitere, bis heute wichtige Begründer der akademischen Soziologie sind zum Übergang ins 20. Jahrhundert der Franzose Émile Durkheim, der das Soziale als eigenständige Realität mit "sozialen Tatbeständen" fasst und der Deutsche Max Weber, der das "soziale Handeln" in den Mittelpunkt rückt.

Moderation: Michael Zametzer
Redaktion: Thomas Morawetz

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