Bayern 2

radioWissen am Nachmittag Öffentlichkeit und Zünfte in der Stadt

Darstellung: Zünfte | Bild: picture-alliance/dpa

Montag, 03.08.2020
15:05 bis 16:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Städte im Mittelalter
Öffentlichkeit als Chance und Risiko

Die Zünfte
Von der Ächtung zur Achtung der Arbeit

Das Kalenderblatt
3.8.1893
München führt den Fahrradführerschein ein
Von Simon Demmelhuber
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Städte im Mittelalter - Öffentlichkeit als Chance und Risiko
Autoren: Volker Eklkofer und Simon Demmelhuber / Regie: Axel Wostry
Kaum sind die Wittelsbacher 1180 mit dem Herzogtum Bayern belehnt, starten sie ein gezieltes Urbanisierungsprogramm. Die Gründungsoffensive ist nicht nur ein wichtiger Pfeiler des herzoglichen Machtausbaus. Sie schafft Chancen, aber auch Risiken des Zusammenlebens unterschiedlicher sozialer Gruppierungen und Rechtsstände auf engstem Raum. Dabei entstehen Strukturen, die sich mit aller Vorsicht als vormoderne urbane Öffentlichkeit bezeichnen lassen. Diese Frühform von Öffentlichkeit ist jedoch kein stabiler Dauerzustand und höchst ambivalent. Sie wird zu bestimmten Gelegenheiten bewusst hergestellt, um zentrale städtische Funktionen wie Legitimität, Rechtsverbindlichkeit, Handel, Gewerbe, Ernährung, Verteidigung und Katastrophenschutz zu gewährleisten. Zugleich birgt die unkontrollierte Entfaltung von Öffentlichkeit ein erhebliches Risiko für das bestehende Machtgefüge und bedarf der Einhegung durch vielfältige Ordnungs- und Disziplinierungsmaßnahmen. Mit den Zünften sowie weiteren unterprivilegierten Schichten entstehen im Lauf der Zeit rebellische Teilöffentlichkeiten, die selbstbewusst auf Finanzkontrolle und politische Mitsprache drängen. Das führt häufig zu schweren Erschütterungen, Unruhen und gewaltsamen Aufständen.

Die Zünfte - von der Ächtung zur Achtung der Arbeit
Autorin: Leo Hoffmann / Regie: Frank Halbach
Die Römer nannten sie "negotium": Arbeit war die Verneinung von "otium" - Muße. Bei den Germanen stand "arabi" für Mühsal und Plage! Bis ins Mittelalter bedeutet Arbeit Hörigkeit bzw. unfreie Dienstbarkeit bei einem Grundherrn - ein hartes Los! Doch ab dem 11. Jahrhundert geht’s mit der Arbeit bergauf. In den jungen Städten schließen sich die Handwerker zu Bruderschaften zusammen: Die Zünfte erfinden die Ausbildung, Lehre genannt. Sie entwickeln ein zukunftsträchtiges Weiterbildungsmodell: die mit der Wanderschaft gekoppelte Gesellenzeit. Das Ganze krönen sie mit dem Meistertitel. Zusätzlich übernehmen sie die Rohstoffversorgung, erfinden die Qualitätskontrolle, legen Preise fest und begrenzen die Konkurrenz. Ausbildung, Sicherung des Verdiensts und Aussicht auf Gewinn machen die Arbeit plötzlich zu einem Wert - einfach zünftig! Zünftig ist auch das gemeinschaftliche Leben der Zechen oder Bruderschaften: Gemeinsame Essen, gemeinsame Andachten, gemeinsames Auftreten bei kirchlichen Festen, gemeinsame Jenseitsvorsorge - in der Zunft ist man geborgen bis übers Grab hinaus. 800 Jahre lang funktioniert dieses Erfolgsmodell, das bis heute Spuren in Sprache, Gesellschaft und Wirtschaft hinterlassen hat.

Moderation:
Redaktion: Thomas Morawetz

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