Bayern 2

     

radioWissen Ludwig Wittgenstein und die Wahrheit

Ein Mann kreuzt seine Finger hinter seinem Rücken | Bild: colourbox.com

Mittwoch, 17-6-2020
9:05 vorm. to 10:00 vorm.

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Ludwig Wittgenstein
Sprache und Welt

Verpflichtung zur Wahrheit
Eine altmodische Forderung?

Das Kalenderblatt
17.6.1923
Bundesdenkmal des Bundes Deutscher Radfahrer eingeweiht
Von Thomas Grasberger
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Ludwig Wittgenstein - Sprache und Welt
Autor: Fabian Mader / Regie: Frank Halbach
Philosophiert hat Ludwig Wittgenstein nach eigenen Angaben nur für sich selbst. Nach seinem ersten Werk, dem tractatus logico-philosophicus, hatte er seinen Beitrag aus seiner Sicht geliefert und zog sich zurück, arbeitete als Volksschullehrer und Gärtner. Erst als sich ihm fast zehn Jahre später wieder logische Fragen aufdrängten, schrieb er an einem zweiten Buch und ließ sich in Cambridge promovieren. Hinterlassen hat er Sammlungen von Aphorismen wie: "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt", schwer zugänglich und mit wenig Bezügen zu Werken anderer Philosophen. Dennoch hat kaum ein anderer deutschsprachiger Denker die Geschichte der Philosophie stärker geprägt als er. Noch heute streiten Lehrstühle über die Interpretation seines Versuchs, die Welt durch die Sprache zu erkennen und Missverständnisse durch falsche Begriffe und Sätze auszuräumen.

Verpflichtung zur Wahrheit - eine altmodische Forderung?
Autorin: Karin Lamsfuß / Regie: Frank Halbach
In Zeiten von 'Fake-News' scheint die Wahrheit nicht sonderlich hoch im Kurs zu stehen. Angeblich hat das 'Postfaktische' den wahren Tatsachen längst den Rang abgelaufen. Stimmt das wirklich? Bei näherer Betrachtung eher nicht. Denn erst auf der Basis eines wahrhaftigen Miteinanders kann überhaupt Vertrauen entstehen. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit stehen nach wie vor hoch im Kurs. Trotzdem ist die Wahrheit nicht immer nur gut. Sie kann schmerzen, verletzen, ausstoßen. Manche Menschen wollen die Wahrheit auch einfach nicht hören. Es gibt sicherlich gute Gründe, die Wahrheit zu verschweigen: aus Liebe und Rücksichtnahme zum Beispiel. Das Gebot 'Du sollst nicht lügen' ist also moralphilosophisch gesehen sicherlich zu kurz gegriffen. Die Frage muss immer sein: Was tue ich dem anderen mit einer Wahrheit an? Verletze ich ihn? Beraube ich ihn gar seiner Freiheit? Oder hat er ein Recht auf die Wahrheit? Diese Abwägung ist aus ethischer Sicht eine hoch komplexe Herausforderung.

Moderation: Gabriele Gerlach
Redaktion: Bernhard Kastner

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