Bayern 2

radioWissen Was den Mensch zum Menschen macht

Martin Buber | Bild: picture-alliance/dpa

Mittwoch, 13.05.2020
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Martin Buber
Was ist der Mensch?

Entfremdung
Philosophie der Zerrissenheit

Das Kalenderblatt
13.5.1971
Dalli Dalli erstmals ausgestrahlt
Von Susi Weichselbaumer
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Martin Buber - Was ist der Mensch?
Autor: Stefan Daltrop / Regie: Axel Wostry
„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ - das ist ein berühmtes Wort von Martin Buber. Wir lernen uns selbst zu verstehen, indem wir in Beziehung stehen: zur Natur, zu unseren Mitmenschen, zur Wirklichkeit. Seine dialogische Philosophie ist im Chassidismus begründet, einer Bewegung des osteuropäischen Judentums des 19. Jahrhunderts. Der Chassidismus geht davon aus, dass in jedem Leben, ja sogar in jedem Atom, ein Lebensfunke innewohnt. Diesen Funken zur Flamme werden zu lassen und sich beständig, unter allen erdenklichen Umständen für das Leben zu begeistern: das ist ein Kerngedanke von Bubers Religionsphilosophie. Ein Funke, der sich aus einem verantwortlich geführten Leben speist. Wir sind also in Beziehungen eingebettet und indem wir sie verantwortlich führen und leben, begeistern wir uns für das Leben und werden unserer Bestimmung als Menschen gerecht - so sieht es Buber. Seine dialogische Philosophie ist nach wie vor aktuell, gerade in ihrem Ansinnen, auch den Dialog der Religionen zu fördern, der immer auch ein Dialog im Bewusstsein der Unterschiede ist.

Entfremdung - Philosophie der Zerrissenheit
Autorin: Karin Lamsfuß / Regie: Christiane Klenz
Wir quälen und schon morgens früh im Dunkeln in endlosen Autoschlangen über die Autobahn. Um dann den ganzen Tag in künstlich belüfteten Bürotürmen bei Neonlicht eine Arbeit zu machen, deren Sinn wir schon längst nicht mehr verstehen. Mittags essen wir pestizidbelastetes Junkfood und retten uns mit viel Kaffee durch den Nachmittag. Wir kommen abends erschöpft zuhause an, ohne dass ein Sonnenstrahl unsere Haut berührt hat. Als vermeintliche Entspannung konsumieren viele von uns Mord und Totschlag im Fernsehen oder Internet. So vergeht Tag für Tag, Jahr für Jahr - bis zur schmalen Rente. Wir haben schon längst das Gefühl für Rhythmen wie Tag und Nacht und die Jahreszeiten verloren, den Wechsel aus Anspannung und Entspannung, von kraftvoller Bewegung und Erschöpfung. Mit der menschlichen Natur, die aus Pulsation besteht, hat das nichts mehr zu tun. Warum tun wir uns das freiwillig an? Ist es die Angst vor Versagen? Oder die seelenlose, rein profitorientierte Wirtschaft, die den Takt vorgibt? Viele Menschen leben jedenfalls nicht ihr eigenes Leben, sondern das, was andere von ihnen fordern. Und zahlen den Preis, dass ihre Sinne verkümmern, sie vereinsamen, krank werden und ausbrennen.

Moderation: Gabriele Gerlach
Redaktion: Bernhard Kastner

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