Bayern 2

"Hundert Schätze aus tausend Jahren" - Bayerische Landesausstellung 2019/2020 radioWissen Kleine Leute und Adelsleben im 18. Jahrhundert

Quecksilber läuft über Fläche | Bild: colourbox.com

Montag, 02.03.2020
09:05 bis 10:00 Uhr

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BAYERN 2

Vergiftet am Arbeitsplatz um 1770
Philipp Anton Hermann

Merkantilismus
Zölle für den Adelsprunk

Das Kalenderblatt
2.3.1949
Erster Nonstop-Flug um die Welt
Von Herbert Becker
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Vergiftet am Arbeitsplatz um 1770 - Philipp Anton Hermann
Autor: Michael Zametzer / Regie: Martin Trauner
Im Jahr 1776 saß der 43-jährige Philipp Anton Herrmann aus Lohr am Main im Spessart einige Tage in Haft - eingesperrt im Lohrer Bürgerturm. Dort wartete er auf das Ende der Untersuchungen gegen ihn und vier weitere Männer. Der Vorwurf: Diebstahl von Quecksilber! Philipp Anton Herrmann war kein Prominenter seiner Zeit. Dass uns sein Fall bekannt ist, verdankt sich der gründlichen Bürokratie, die der Absolutismus gerade hervorbringt. Aber der Fall des Quecksilberdiebstahls gibt uns heute einen so spannenden wie erschreckenden Einblick in die Arbeits- und Lebensverhältnisse von Spiegelmachern um 1770. Spiegel waren ein heiß begehrtes Luxusgut an den absolutistischen Fürstenhöfen. Um sie herzustellen, musste Quecksilber verarbeitet werden. Die dafür dringend benötigten Spezialisten - wie Philipp Anton Herrmann - litten deshalb bald an schweren Vergiftungen. Damit sie sich Medizin zur Linderung ihrer Beschwerden kaufen konnten, veruntreuten sie kleine Mengen des giftigen Quecksilbers, das sie an fahrende Händler verkauften. Dann flog ihr Handel auf.

Merkantilismus - Zölle für den Adelsprunk
Autorin: Renate Währisch / Regie: Irene Schuck
Nach dem Dreißigjährigen Krieg unterhielten rund 300 deutsche Staaten unter dem Dach des Heiligen Römischen Reiches um die 2.000 Zollstationen. Die vielen Grafschaften, Herzog- und Fürstentümer brauchten viel Geld für die höfische Prachtentfaltung während des Absolutismus. Gold und Silber im eigenen Land zu halten, war das grundsätzliche Ziel des Merkantilismus, der Wirtschaftspolitik des 17. und 18. Jahrhunderts. Dazu sollten die Kaufleute viel exportieren und die Gewinne in Heller und Pfennig, Gulden und Batzen nach Hause bringen. Gleichzeitig sollten durch drastische Zölle möglichst wenig Waren aus anderen Ländern in die Heimat gelangen. Das Land sollte somit eine positive Handelsbilanz erwirtschaften und die Edelmetall-Reserven im eigenen Land sich auf Kosten der anderen vermehren. Außerdem sollten die Landesherren Manufakturen unterstützen, um ein attraktives Warenangebot zu schaffen. So jedenfalls die Theorie des Merkantilismus, der seinen Namen erst 100 Jahre nach dem Ende dieser wirtschaftspolitischen Epoche erhielt. Adelige Prunksucht, abgeschottete Märkte? Der Merkantilismus hatte viele Gesichter und dominierte ganz Europa.

Moderation: Florian Kummert
Redaktion: Thomas Morawetz

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