Bayern 2

     

radioWissen Schutz und Rechte für Frauen

Die Frauenrechtlerin Anita Augspurg | Bild: picture-alliance/dpa

Donnerstag, 05.07.2018
09:05 bis 10:00 Uhr

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BAYERN 2

Das Frauenhaus
Geschichte eines Schutzraumes

Anita Augspurg
Eine radikale Feministin und Pazifistin

Das Kalenderblatt
5.7.1841
Thomas Cook, Baptistenprediger, unternimmt die erste Pauschalreise
Von Xaver Frühbeis

Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Das Frauenhaus - Geschichte eines Schutzraumes
Autorin. Ulrike Rückert / Regie: Sabine Kienhöfer
Wenn im eigenen Zuhause Gewalt und Angst herrschen, bieten Frauenhäuser eine sichere Zuflucht. Hier finden Frauen Unterstützung, können in Ruhe entscheiden, wie es weitergehen soll, und die ersten Schritte in ein neues Leben organisieren. Frauenhäuser sind eine Errungenschaft der Frauenbewegung, auch wenn inzwischen die meisten von Wohlfahrtsverbänden geführt werden. Als 1976 die ersten Frauenhäuser Deutschlands in Berlin und Köln gegründet wurden, brauchten verheiratete Frauen noch eine Erlaubnis des Ehemanns, um eine Arbeitsstelle anzunehmen, und Vergewaltigung in der Ehe galt per gesetzlicher Definition nicht als Vergewaltigung. Häusliche Gewalt wurde verschwiegen, die Schuld oft den misshandelten Frauen zugeschoben. Die Frauenbewegung brach das gesellschaftliche Tabu und machte Gewalt gegen Frauen zum öffentlichen Thema. Vier Jahrzehnte später stehen die meisten Frauen beruflich auf eigenen Füßen und häusliche Gewalt ist geächtet. Verschwunden ist sie deshalb nicht; rund 40 000 Frauen und Kinder finden jährlich Schutz in Frauenhäusern, und Tausende werden abgewiesen, weil kein Platz für sie frei ist.

Anita Augspurg - Eine radikale Feministin und Pazifistin
Autorin: Gabriele Knetsch / Regie: Eva Demmelhuber
Sie schockierte schon durch ihr Outfit - ihr burschikoser Kurzhaarschnitt und ihre "Reformkleidung" stießen Ende des 19. Jahrhunderts keineswegs nur Männer vor den Kopf. Anita Augspurg sah sich schon aufgrund ihres provokanten Äußeren Angriffen von Antifeministen und Antifeministinnen ausgesetzt. Dazu kam ihr freizügiger Lebenswandel, ihr Leben an der Seite einer Frau und politische Positionen, die viele als zu fortschrittlich empfanden. Anita Augspurg empfahl etwa, das viel zu patriarchale Eherecht zu umgehen, indem Paare eine "freie Ehe" jenseits der staatlichen Institutionen eingehen sollten. "Eheboykott" entrüsteten sich ihre Kritikerinnen. Gleichzeitig verwirklichte sie sich selbst - und das äußerst erfolgreich. Als junges Mädchen arbeitete sie als Elevin am Theater, ließ sich dann zur Fotografin ausbilden. In München betrieb sie das bekannte Fotostudio "Hofatelier Elvira". Zunehmend engagierte sich Anita Augspurg für die Rechte der Frauen und studierte dafür sogar Jura, in Zürich - denn an deutschen Unis hatten Frauen keinen Zugang. Sie setzte sich aber nicht nur für bessere Chancen von Frauen ein, sondern auch für Pazifismus und für eine radikaldemokratische Politik. 1918 kämpfte sie an der Seite von Kurt Eisner. Hellsichtig beurteilte Anita Augspurg den Aufstieg der Nationalsozialisten: Schon 1923 stellte sie einen Antrag, Adolf Hitler aus Bayern wegen "Volksverhetzung" auszuweisen.

Moderation:
Redaktion: Nicole Ruchlak

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