Bayern 2

radioWissen Kafka und das Schloß

Der junge Franz Kafka | Bild: picture-alliance/dpa

Dienstag, 05.12.2017
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Das Schloss
Kafkas rätselhafte Seelenlandschaft

Franz Kafka
Die Präzision der Vergeblichkeit

Das Kalenderblatt
5.12.1889
Otto Lilienthal veröffentlicht "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst"
Von Hellmuth Nordwig

Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Das Schloß - Kafkas rätselhafte Seelenlandschaft
Autorin: Julia Devlin / Regie: Irene Schuck
Es beginnt wie ein Schauerroman. Ein Fremder - sein Name zusammengestrichen auf seinen Anfangsbuchstaben K. - kommt spätabends in ein Dorf, das im Schnee versinkt. Drohend und unerreichbar über dem Dorf thront das Schloss. Hier residiert Graf Westwest, den niemand je zu Gesicht bekommen hat. K., dessen Vergangenheit im Dunkeln bleibt, sucht ein Auskommen, eine Anstellung als Landvermesser beim Schlossherrn. Doch diese Suche gestaltet sich als ein rastloses Stolpern durch eine verschlossene und feindselige Welt, deren Gesetze K. zu enträtseln, gegen die er zu rebellieren versucht. Franz Kafka begann „Das Schloß“ im Januar 1922, gequält von Nervenzusammenbrüchen und gezeichnet von der Tuberkulose, an der er anderthalb Jahre später sterben würde. Der Roman blieb Fragment. Komplex, verwirrend, dämonisch und dabei überwältigend schön und überraschend humorvoll, lässt er seine Leser gleichermaßen ratlos und ergriffen zurück.

Franz Kafka - Die Präzision der Vergeblichkeit
Autor: Thomas Morawetz / Regie: Irene Schuck
Kafkaesk! Der Name eines Autors wird zum Wort. Offenbar hat es im Gefühlshaushalt von Sprachen wie Deutsch und Englisch bislang gefehlt. Für Situationen und Erlebnisse, die "typisch Kafka" sind, gibt es keinen anderen Ausdruck, aber das Gefühl, sie benennen zu müssen. Franz Kafka wird im Juli 1883 in Prag in eine jüdische Kaufmannsfamilie geboren. Seine Muttersprache ist Deutsch. Als Anwalt findet er in einer Versicherungsanstalt einen ungeliebten Brotberuf. Aber seine wichtigste Prägung erfährt Kafka in der Kindheit. Der Vater ist übermächtig, körperlich und ein Despot. Sobald Kafka zu schreiben beginnt, geraten seine Figuren in unausweichliche und vergebliche Kämpfe. Kafkaesk ist aber nicht die Willkür von Tyrannen, denn die hätten Namen und Gestalt. Kafkas Helden gehen in anonymen und undurchdringbaren Situationen zugrunde, die vor allem ein verstörendes Merkmal haben: Bis ins kleinste Detail erscheinen sie den Opfern selbst als folgerichtig und deshalb auch als unangreifbar. Früh - mit gut 40 Jahren - stirbt Kafka an Tuberkulose. Ein Freund veröffentlicht postum den Großteil seines Werks. Er macht die Welt bekannt mit einem Gefühl, das sie unbewusst schon kennt, und das noch keinen Namen hat: mit dem Kafkaesken.

Moderation: Christian Schuler
Redaktion: Petra Herrmann

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