Bayern 2


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Kulturwanderung und Exzess Bierwanderwege in Franken

Für die einen sind sie die einmalige Möglichkeit, in die fränkische Kultur einzutauchen, für die anderen einfach nur eine feuchtfröhliche Gaudi: Bierwanderwege von Gasthof zu Gasthof in Franken. Eine "Tragödie in vier Akten".

Von: Tobias Föhrenbach

Stand: 26.04.2019 | Archiv

Die fränkischen Gemeinden versprechen den Wanderern auf verschiedenen Rundwegen und Etappen neue Perspektiven dank der vielen traditionsreichen Brauereigasthöfe. Doch immer mehr Bier-Touren werden erschlossen und an manchen Wochenenden sind die Wanderrouten heillos überlaufen. Für Franken, die Heimat der Biere, ist das Fluch und Segen zugleich.

Prolog

"Bier ist ein gesundes Getränk und von daher spricht nichts dagegen, dass man das mit einer körperlichen Betätigung wie dem Wandern verbindet. Und man kommt raus in die Natur, in Franken haben wir eine sehr schöne Natur. Das lädt dazu ein."

Peter, Brauer

"Wir waren mit einem Sportverein unterwegs, waren auf dem Rückweg von Aufseß nach Waischenfeld. Genauer in Nankendorf, da waren wir so gegen vier, fünf Uhr. Da war es dann so warm, dass sie sich ausgezogen haben und dann splitternackt in den Fluss reingesprungen sind. Die Müllerin stand daneben und hat zugeschaut."

Alfons, Brauereiführer

Der Ehrenbiertrinker – eine Tragödie in vier Akten

Vorhang auf. Im Gemeindehaus Aufseß im oberfränkischen Landkreis Bayreuth. Auftritt Bürgermeister Ludwig Bäuerlein. Seit 1994 ehrenamtlicher Vorsitzender der Gemeinde. Erinnerungen an das Jahr 2000. Ein Wegweiser aus Holz in der Hand. Mit stolzer Brust.

"Da sage ich: Mensch, vier Brauereien, knappe 1.500 Einwohner – das ist Weltrekord verdächtig. Da habe ich mich dann hingesetzt und habe das an den Guinness-Verlag nach Hamburg geschickt mit allem Pipapo und dann hat es lange gedauert. Ich habe dann nichts mehr gehört und dachte mir: ok. Und eines Tages, nach sorgfältiger Prüfung, haben die uns mittgeteilt, dass wir tatsächlich Weltrekordhalter sind, da gibt es dann ein Schreiben vom August 2000."

Ludwig Bäuerlein, Bürgermeister von Aufseß

In dem Schreiben steht: "Sehr geehrte Rekordhalterin, sehr geehrter Rekordhalter,
herzlichen Glückwunsch, wir haben Ihren Rekord anerkannt und schicken Ihnen hier die Urkunde, die Ihren Rekord für das Guinness Buch der Rekorde bezeugt."

Der erste Brauereienwanderweg der Fränkischen Schweiz

Weiter unten im Tal. Aufseß. Die größte Brauereiendichte der Welt. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Ludwig Bäuerlein hält Rat mit den vier Brauereibesitzern der Gemeinde und dem Tourismusverband Oberfranken. So entsteht der erste Brauereienwanderweg der Fränkischen Schweiz. 14 Kilometer lang, ein Rundwanderweg, aufgeteilt in vier Etappen, fünf bis sechs Stunden Gehzeit. Das Konzept passt zur sogenannten "Genussregion Oberfranken". Eine Marke, die mittlerweile den Titel immaterielles Weltkulturerbe genießt.  

"Wir haben gesagt, wir haben wunderbare Brauereien, wir haben gutes Bier, die Essensangebote sind hervorragend, es soll nicht eine Sauftour werden, sondern einfach Kultur. Man kann das Gemeindegebiet wunderbar umwandern und kann kulinarisch und die Landschaft und alles andere genießen."

Ludwig Bäuerlein, Bürgermeister von Aufseß

Bürgermeister geht ab. Touristen aus der ganzen Welt reisen an, um auf den Spuren des Weltrekords zu wandeln. Das Aufseßer Original wird vielerorts kopiert. Konkurrenz belebt das Geschäft. Auftritt Sandra Schneider – Leiterin der Tourismuszentrale der Fränkischen Schweiz. Blätternd in einem Stapel Prospekte.

"Direkt beschilderte Wege gibt es sieben Stück. Die bekanntesten sind der Brauereiwanderweg in Aufseß mit den vier Brauereien, aber auch der 5-Seidla-Steig, der liegt etwas weiter im Süden. Also 5 Seidla, fünf Bier könnte man theoretisch unterwegs trinken, meistens sind es ein paar mehr. Und dann gibt es den Bierquellenwanderweg, den 13 Brauereienwanderweg. Das ist dann schon eine andere Herausforderung in der fränkischen Toskana, die liegt Richtung Bamberg, die gehen über 32 Kilometer, da sollte man schon übernachten oder sich eine Runde aussuchen. Und dann gibt es auch noch etwas Tolles, das ist eine geführte Brauereiwanderung, ab Waischenfeld bei der Touristeninformation. Die organisieren das zusammen mit sechs Brauereien."

Sandra Schneider, Leiterin der Tourismuszentrale der Fränkischen Schweiz

Auftritt: Braumeister Christian Rothenbach.

"Man muss schon sagen, dass dieser Brauereienwanderweg einen wahnsinnigen Boom bei uns ausgelöst hat. Es kommen viele Leute aus der nahen Umgebung, aus den Städten – Bayreuth, Bamberg, Nürnberg, Erlangen –, weil die Natur so viel hergibt, zum Wandern, zum Klettern, zum Motorradfahren, zum Mountainbikefahren, aber es kommen auch tatsächlich Leute aus der ganzen Welt, egal ob es Amerika, China oder sonst woher ist, die einfach diesen Guinnessbuch-Eintrag mal selber miterleben wollen. Natürlich kommen immer mehr Leute. Ich sage immer wo viel Licht, da viel Schatten."

Christian Rothenbach, Braumeister

Der Ehrenbiertrinker. Erster Aufzug. Von Aufseß hinauf nach Heckenhof.

Ein Sonniger-Samstag-Morgen. Im Brauereigasthof Rothenbach. Jan und Tobias, zwei Wandergesellen betreten die Bühne.

"Sie haben hier den Brauereinweg-Wanderpass, da tragen sie dann bitte vorne Ihre Namen ein, einmal eine Komplettadresse. Das möchte die Gemeinde wissen, dass wir wissen, wo die Leute herkommen. Dann holen Sie sich bei jeder Brauerei einen Stempel, in der letzten Brauerei – das heißt bei uns – bekommen sie dann ihre Urkunde.  – Ehrenbiertrinker? – Ja, genau – Da freue ich mich sehr drauf, oder? Ehrenbiertrinker, das ist ja unser höchstes Ziel würde ich sagen. – Dann viel Spaß! – Bis nachher – Tschüss."

Szene mit Wandergesellen Jan und Tobias im Brauereigasthof Rothenbach

"So, es kann losgehen. Uhrzeit: 10.22 Uhr. Ich habe überhaupt noch gar keine Lust auf ein Bier. Du? – Ich auch nicht. Auf zum Frühschoppen. – Ne, ich würde sagen, wir laufen erst einmal eine Runde und danach gibt’s den ersten Frühshoppen. – Okay!"

Szene mit Wandergesellen Jan und Tobias

Nur wenige Meter später. Am Waldrand den Berg hinauf. Auftritt: Wegelagerer Anton. Ein offener Kofferraum, davor ein kleiner Holztisch.

"Grüße sie Gott – Grüß Gott. Was brauchen wir Jungs? - Was gibt’s denn bei Ihnen hier? – Bei mir gibt’s Likör, Honig, gebrannte Walnüsse. Was haben Sie denn da? – das ist Zwetschgenlikör, Birnenlikör, Beerenfang – Die haben sie selbst hergestellt? – Alles selber gebrannt – Das ist Erdbeere, das ist Williams-Schnaps. – Na so viel schaffen wir jetzt nicht, aber geben Sie uns doch zwei mit – Der ist natürlich etwas stärker, das ist Beerenfang, das ist was Feines, wenn ich dir das sage. Will der Kollege einen anderen? – Ach ganz bestimmt, damit wir uns durchprobieren können – Schlehe klingt gut. – Walnüsse wollen sie nicht? Probieren sie doch mal. (Probiert und schmatzt). Das ist eine gute Grundlage. So, das packen wir jetzt mal ein. Das geht ja gut los, wir haben nach 80 Metern soeben zwei Schnäpse eingekauft. Das geht gar nicht klar."

Szene Likörverkauf entlang der Strecke

Weitere 1,5 Kilometer später. Laufzeit: 15 Minuten. Ankunft beim "Kathi Bräu". Viele Wanderer und noch mehr Motorradfahrer sitzen an Biertischen und unterhalten sich. Die beiden Wandergesellen bestellen ein kleines Dunkles. Eine gut gelaunte Wandergruppe nähert sich mit größeren Krügen in der Hand.

"Hallo, ihr seid auch auf der Brauereiwanderung? – Ja, er ist hier der Führer. Das bin ich. Und den Wanderpass dabei? – Ja, wir sind alle eingetragen, natürlich. Wir wandern ja stramm, wie man sieht. – Wo seid Ihr denn her? – Wir sind gemischt, ursprünglich aus Sachsen und jetzt in Deutschland verteilt. Einmal im Jahr treffen wir uns in einer schönen Location und da haben wir gesagt, dieses Jahr machen wir diese Wanderung. Wir kommen aus Stuttgart, aus München, aus Berlin, Mannheim, also deutschlandweit. Wir fragen jetzt mal die nette Wirtin, was sie uns bringt hier. (Lachen)"

Szene Kathi Bräu mit Touristengruppe

Motorradfahrer Norbert aus Kulmbach im Hintergrund. Bei Kaffee und Kuchen.

"Ich bin gestern nur ganz kurz gefahren und jetzt habe ich gedacht, ich fahre mal raus hier nach Heckenhof. Man muss nur mal im Hochsommer hierher, da stehen teilweise tausend Motorräder vorne auf dem Parkplatz. – Warum fahren sie gerne her? – Erst einmal wegen dem guten Kuchen, dem guten Essen und zum Zweiten, man trifft immer wieder Leute, man kann sich unterhalten. Ich komme schon 40 Jahre hierher und das behält man dann so bei."

Norbert, Motorradfahrer

Ein Schild prangt über dem Biergarten. Darauf steht: "Junggesellenabschiede unerwünscht!" Auftritt, der Wirt. Er nimmt die Wandergesellen zur Seite. Das Mikrophon soll ausbleiben. Hinter vorgehaltener Hand erzählt er von Unstimmigkeiten zwischen Wirten, Bauern und Anwohnern in der Region.

Fluch und Segen

"So, das war die erste Station beim Kathi Bräu. Wir haben gerade gehört: Fluch und Segen dieser Brauereienweg. Also die Wirte profitieren natürlich davon, aber sie leiden auch unter der Situation, dass es hier manchmal so überlaufen ist am Wochenende. – Wie hat Ihnen ihr Bier geschmeckt? – Ich muss sagen, so auf nüchternen Magen kann ich das gar nicht richtig einschätzen, ich hätte gerne etwas vorher gegessen gehabt. So war es jetzt halt 'das muss jetzt halt runter', ich fand recht süffig. So, was haben wir hier? Hier liegen die ersten Flaschen im Gras, hier nebendran. Das ist genau das, was der Wirt hier gesagt hat. Hier liegen die Bierflaschen, das heißt viele Leute packen sich ein Wegbier mit in den Rucksack und dann liegt halt hier der Müll am Rand. Und dass sich darüber dann die Bauern ärgern, dass hier auf ihren Feldern die Flaschen rumliegen, das kann man natürlich verstehen, klar."

Szene Zwischenfazit der Wandergesellen Jan und Tobias

Der Ehrenbiertrinker. Zweiter Aufzug. Von Heckenhof über Felder nach Hochstahl.

"Was wir verfolgt haben ist: In den Wintermonaten und auch bei schlechtem Wetter wird der Brauereienwanderweg an Wochenenden sehr gut begangen. Man hat an Wochenenden durchaus so von der Schätzung her mehrere Tausend Besucher. Wenn das dann passt, das ist dann vom Wetter her nicht so abhängig, sondern eher von verlängerten Wochenenden, oder unter der Woche, je nachdem." Ludwig Bäuerlein, Bürgermeister von Aufseß

"Und da kommt uns schon der erste Junggesellenabschied entgegen, in Blau gekleidet, alle kurzärmelig und gut drauf, man hört sie schon von weitem. Servus zusammen, wer ist der Glückliche? – (Grölen) Unser Kapitän. Na wir haben einen Junggesellenabschied. – Wie bereitet man sich da auf die Wanderung vor? Was war der Plan? – Lustiges Wochenende mit viel Spaß und viel Bier. – Und seid ihr gerade in der Mitte angekommen? – Ne, wir haben erst eine Brauerei hinter uns, gefühlt sind wir schon über der Mitte. Wir geben uns Mühe.  – Auf dem Weg gibt es aus Umweltschutzgründen nichts, damit keiner etwa Flaschen oder so wegwirft, genau. Wir haben kein Wegbier mit, sondern wir trinken in der Brauerei, haben dann einen guten Pegel für die Wanderung und gehen dann zur Nächsten. (Gelächter) Ciao, servus."

Szene Junggesellenabschied

Zwei Kilometzer später. Laufzeit: 20 Minuten. Ankunft bei der Brauerei und Pension Reichhold, seit 1906 in Familienbesitz. Hauseigene Schlachtung, Hauseigenes Bier. Eine Bedienung.

"Wollen wir ein Zwickel, Lager, Radler, oder Dunkel oder Weizen. Alle vom Fass. – Zwickel – Zwei Kleine – und ich glaube wir essen was – Also, Krenfleisch ist Rindfleisch mit Meerrettichsoße. Briebraten ist gefüllter Schweinekamm, der ist gefüllt mit Käse und mit Schinken. Sauerbraten ist auch vom Rind, das ist eine süß-saure Soße, Schäufele ist vom Schwein, weil Knochen so aussieht wie eine Schaufel. Also gut Schnitzel mit Pommes und einmal die Currywurst und zwei kleine Zwickel – War viel los heute? – Es wird erst, 13 Uhr, 13.30 Uhr geht’s dann erst richtig los."

Szene in der Brauerei und Pension Reichhold

Auftritt, der Wirt. Er setzt sich zu den Wandergesellen. Ein Gespräch im Vertrauen, ohne Mikrophon. Es geht um den Wunsch, den Brauereiwanderweg nicht noch stärker zu bewerben. Derweil hinter der Bühne Bürgermeister Ludwig Bäuerlein.

"Das hat sich natürlich nicht so ganz entwickelt, wie man das eigentlich wollte. Das Ganze ist dann vielleicht von manchen Gastronomen nicht so gehalten worden, wie man es sich vorstellt. Da hat es dann, fünf Jahre danach, die reinsten Ballermann-Ereignisse gegeben. Das Ganze ist dann ein bisschen verfälscht worden. Wir haben dann auch große Probleme gehabt. Man hat das dann aber wieder in den Griff bekommen."

Ludwig Bäuerlein, Bürgermeister von Aufseß

"Das ist ja punktuell dann einfach auch manchmal sehr, sehr viel. Gerade am ersten Mai. Gerade an verlängerten Wochenenden. Aber eigentlich nur auf den zwei Wegen um Aufseß und auf dem 5-Seidla-Steig. Aber ich denke, dass wir da jetzt auch einen Weg gefunden haben, in dem wir die Gäste, die da entlanglaufen informieren und sagen bitte in Maßen, sodass alle ein schönes Erlebnis haben und außerdem sind auch die Gaststättenbetreiber, die Brauer aktiv geworden und haben auch Reglements geschaffen, indem sie sagen, sie nehmen keine Junggesellenabschiede mehr an und solche Dinge. Wenn etwas super läuft, dann kommen einfach viele. Aber es gibt ja noch viele andere Wege. Und generell beim Thema Brauereinwandern sage ich unseren Gästen immer: Sie können ja fast nicht ohne an einer Brauerei vorbei zu kommen bei uns wandern, also man muss keinen offiziellen Brauereienweg unbedingt immer gehen, sondern kann sich einfach schöne Wandertouren raussuchen und dann eben auch in einer Brauereigaststätte  einkehren."

Sandra Schneider, Leiterin der Tourismuszentrale der Fränkischen Schweiz

"So, zweite Station war eben in Hochstahl. Wir haben ein Zwickel getrunken, das hat mir besser geschmeckt, das lag aber auch daran, dass ich irgendwie etwas Festes im Magen hatte. Wie war‘s bei Dir, Jan? – Ja, war nicht schlecht, aber ich habe da jetzt noch nicht so große Unterschiede geschmeckt. – Immer noch kein begeisterter Biertrinker neben mir unterwegs, aber wir haben ja noch zwei Brauereien. Nächste Station Sachsendorf, oh jetzt geht es eine Ecke. Jetzt sind es fünf Kilometer."

Zwischenfazit der Wandergesellen Jan und Tobias

Der Ehrenbiertrinker. Dritter Aufzug. Von Hochstahl über Stock und Stein nach Sachsendorf

"Hallo, wo sind Sie unterwegs?  – Auf dem Brauereienwanderweg, einmal rum, die ganzen 14 Kilometer, volle Kanne. – Wir sind in Aufseß gestartet, da vorne ist die dritte, nein, wir sind etwas über der Hälfte – Wir haben super schönes Wetter bestellt und haben das genossen und wir mögen die Bierpreise, wir kommen aus NRW und zahlen fast das Doppelte, 2,30 Euro war das glaub ich. Hier dieses süffige, dunkle Landbier ist wirklich ein Hit, das ist ganz toll, schmeckt super. Aber wir kennen das auch, weil bei uns im Ort in NRW, da hat einer das Zwickelbier vor ein paar Jahren eingeführt von der Maiselbrauerei in Bayreuth und der hat zuerst gedacht er macht das ein paar Wochen lang als Aktion, aber dann ist das so gut angenommen worden. Heute gehört das zum Standardrepertoire. – Warum fahren sie aus NRW den ganzen Weg hierher? – Wegen Fußball. Als klar war, dass das Spiel am Sonntag stattfindet, war für uns klar, wir machen uns ein schönes Wochenende, wir reisen schon freitags an, weil wir haben 400 Kilometer zu fahren und die Fränkische Schweiz ist einfach auch ein tolles Wandergebiet und mit dieser Brauereiendichte ein Gedicht!"

Szene mit Fußballfans aus Nordrheinwestfalen

50 Minuten später. Ankunft im gemütlichen Sachsendorf mit Brauerei Stadter. Braukunst seit 1542. Der Gasthof betrieben von Pächtern. Auftritt Felix und Vanessa. Ein Paar in Aufbruchsstimmung, sie grüßen die beiden Wandergesellen.

"Ich arbeite hier in Festenbergsgreuth und Vanessa kommt aus München. Wir haben eine Wochenendbeziehung und wir wechseln uns immer ab zwischen München und hier.  – Ich finde es schön, dass es schnell einsam wird, wenn man hier dann so rumwandern kann, ich finde es hier sehr entspannt. Das ist ein großer Unterschied zum Münchner Umland, wo dann halt ganz München rausfährt. – Ich bin selber gelernter Bierbrauer und finde das natürlich super klasse, deshalb mag ich die Region auch extrem. Also Bamberg ist natürlich ein Mekka, würde ich sagen."

Szene mit Felix und Vanessa

Die Wandergesellen mittlerweile mit Bierglas in der Hand. Einer schon etwas unkonzentriert und lallend. Der andere behält noch den Überblick. Auftritt Pächterin und Pächter. Auch hier kein offizielles Interview. Trotzdem wird viel, sehr viel erzählt. Unter der Woche sei hier tote Hose, es würde sich vor allem an den Wochenenden ballen. Es sei nicht leicht, sich als Pächter über Wasser zu halten.

"So, dritte Station, ganz ehrlich, die Wirtin hat uns geschichtenmäßig so zugetextet, dass ich mich nicht aufs Bier konzentrieren konnte. Ich weiß nicht mehr, was wir getrunken haben. – Ja, ich auch nicht so richtig, aber es hat nicht deutlich anders geschmeckt, als die anderen beiden Biere. Wir haben ein Landbier getrunken, ein Helles. – Ich habe ehrlich gesagt mehr etwas über Land und Leute erfahren, als über das Bier. – Dorftratsch – Dorftratsch hoch 100. Sehr schön."

Zwischenfazit der Wandergesellen Jan und Tobias

Der Ehrenbiertrinker. Vierter und letzter Aufzug. Von Sachsendorf im Tal entlang der Aufseß ins gleichnamige Dorf.

"Ok, wenn wir den Brauereinweg haben, dann muss das ja eine Bedeutung haben und dann haben wir eine Brauereienkönigin ernannt mit entsprechender Krone und Zepter. Das Zepter beinhaltet ein kleines Bierfässchen und da sind dann die Brauereien mit drauf. Die Brauereienkönigin ist bei öffentlichen Veranstaltungen dabei. Die sieben Pflichten der Königin: Ich werde dafür Sorge tragen, dass von den vier Brauereien immer gutes Bier gebraut wird. Dass die vier Brauereien immer genügend Bier vorrätig haben. Dass das Reinheitsgebot immer eingehalten wird. Dass die Brauer und das Personal stets den Gästen Freundlichkeit entgegenbringen. Dass rechtzeitig bekannt gegeben wird, wann und wo es Freibier gibt. Dass möglichst von früh bis spät die Wirtschaften geöffnet sind. Und dass das Bier nicht zu teuer ist."

Ludwig Bäuerlein, Bürgermeister von Aufseß

Direkt am Wanderweg. Ein Einfamilienhaus mit großem Garten. Auftritt eine Anwohnerin. Sie schneidet ihre Hecken nach.

"Es sagen immer alle: 'Mensch, ihr wohnt so toll.' Aber im Sommer ist es nimmer schön. Erstens wegen der Motorräder, die sausen hier durch. Und mit dem Brauereiweg: Ich muss sagen am Samstag, wenn ich normalerweise im Garten arbeite, gehe ich nicht nach vorne, weil das nervt. Einfach immer Gegröle, Geschrei. Ich finde am schönsten ist es unter der Woche, oder am Freitag. Da sind Wanderer unterwegs, die die Landschaft genießen, die Natur, das Wetter und das finde ich total angenehm. Familien, ältere Menschen, auch Junge, kein Thema, das sieht man sofort. Welche, die in der Gegend herumlaufen und es einfach angenehm finden. Aber der Samstag – da sind halt diese Gruppen unterwegs, die trinken halt nur. Manchmal schmeißen sie ihre Flaschen irgendwo hin. Und dann läuft man nach Aufseß und da ist ein Brückchen und da ist rechts so eine Höhle. Da sind halt lauter Tempos, und mein Mann musste schon öfters dort die Notdurft manch anderer Menschen wegmachen. Und das finde ich unmöglich, das geht nicht.  Zu meinem Sohn, der wird neun, sage ich am Wochenende: 'Bitte bleib bei uns auf dem Grund.' Weil der gerne dort im Wald spielt. Dann sage ich, nein, bleib bitte hier. Oder an Tagen wie Christi Himmelfahrt oder dem 1. Mai, da schaue ich, dass ich nicht daheim bin. Weil ich mir das nicht mehr anschauen will."

Eine Anwohnerin

"Ich habe extra einen 450 Euro-Mitarbeiter eingestellt, der nur für den Brauereienweg zuständig ist. Also der schaut sich um, am Freitag fährt er rum und schaut, dass die Papierkörbe leer sind, dass der Weg in ordentlichem Zustand ist, schaut sich dann am Montag wieder um, damit wenn Müll oder so etwas da ist, aufgeräumt wird. Das ist ganz, ganz wichtig, denn wenn die Gäste schon Müll vorfinden, dann sagt der eine oder andere, na dann kann ich meinen Müll auch noch dahin tun. Und vor allen Dingen füllen wir die Flächen, die geschottert sind, dann wieder auf, damit der Weg wieder in einem anständigen Zustand ist und man ihn gut begehen kann."

Ludwig Bäuerlein, Bürgermeister von Aufseß

Die beiden Wandergesellen wieder in Aufseß. Später Nachmittag. Die Sonne ist untergegangen. Im Brauereigasthof Rothenbach. Auftritt: Braumeister Christian Rothenbach.

"Wir befinden uns hier im Herzen einer jeden Brauerei. Wir befinden uns im Sudhaus. Wir haben ganz klassisch noch unsere Kupferkessel, wie man es von früher kennt. Wir haben vor einigen Jahren einen großen Schritt gewagt und auf Vollautomatisierung umgestellt und haben somit die Qualität der Biere noch deutlich verbessert. Wir freuen uns jetzt auf ein kleines Bierchen, Zwickel. Der Name Zwickel kommt ja nicht von irgendwoher, man zwickelt das Bier aus dem Tank. Und zwar nennt sich dieser kleine Auslauf am Tank Zwickel und da ist das Bier natürlich noch naturtrüb, weil es noch nicht filtriert worden ist und wir gehen jetzt in den Lagerkeller und trinken mal ein echtes Zwickelbier, direkt aus dem Tank. Also im Lagerkeller läuft das Bier nun aus der Spirale ganz frisch in die Gläser. Zum Wohl. Prost. – Ich wollte Euch mal bewusst dieses Jungbier zeigen und man muss tatsächlich sagen, das Bier schmeckt ganz anders als man es sonst kennt. Der Geschmack wird intensiver und man merkt auch, dass das Bier auch auf der Zunge ein bisschen samtiger ist. – Wir holen uns nun die Urkunde ab. – Gerne."

Brauereiführung der Wandergesellen Jan und Tobias mit Christian Rothenbach, Braumeister

Vorhang. Epilog.

Autor Tobias Föhrenbach mit seiner Ehrenbiertrinker-Urkunde

"Passt alles? – Das ist jetzt die Urkunde? – Das wird uns unser Leben lang begleiten. – Wenn Sie sich im Fränkischen bewerben, dann einfach mal beilegen zur Bewerbung, das kann helfen. – Bei der Bewerbung dazulegen? Das ist eine gute Idee. Das werde ich machen." Szene mit Wandergesellen Jan und Tobias


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