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Exoten in Bayern Street Art als moderne Lüftlmalerei

Genau genommen ist die bayerische Lüftlmalerei nichts anderes als Street Art. Die Künstler unterscheiden sich zwar in der Wahl der Motive und der Werkzeuge, aber beide bemalen Wände. Nur: Graffitis sind illegal.

Stand: 11.09.2020 | Archiv

Wer unerlaubt Fassaden, Wände oder Zugwaggons besprüht, macht sich der Sachbeschädigung nach Paragraph 303 StGB strafbar. Deswegen arbeiten alle Street Art-Künstler unter Pseudonym. Der bekannteste in Bayern nennt sich Loomit. Er war 1985 dabei, als Jugendliche eine S-Bahn in Geltendorf nahe München von vorn bis hinten bemalten. Das war die Geburtsstunde der Graffitiszene in Deutschland und für Loomit der Beginn seiner Karriere. Eines seiner Kunstwerke ziert das private Badezimmer des Münchner Alt-OB Christian Ude.

Das neue Image

Die Sprayer haben sich von ihrem Untergrundimage längst befreit. Street Art gilt als gesellschaftsfähig. Viele Städte haben erkannt, welches Potential in der Graffitiszene steckt und stellen den Künstlern nackte Tunnelmauern und graue Betonfassaden zur Verfügung. München hatte eine Vorreiterrolle.

Mitten in der Stadt steht das MUCA, das erste deutsche Museum für legale Graffitikunst. Und so genannte Street Art-Touren führen zu den aufwändigsten Freiluftgalerien. So zählt die bunt bemalte Unterführung am Münchner Friedensengel zu den städtischen Sehenswürdigkeiten ähnlich dem Hofbräuhaus oder der Dallmayr-Fassade.  

Nicht für die Ewigkeit

Wie die Lüftlmalerei ist auch die Street Art eine Kunst für draußen. Sie zeigt sich unter freiem Himmel und manchmal auch in luftiger Höhe. Ein charakteristisches Merkmal ist ihre Vergänglichkeit. Sie ist nur für kurze Zeit gemacht, bis wieder andere kommen und sie übermalen. Und diese Kurzlebigkeit unterscheidet typische Graffitis doch von der ehrwürdigen Lüftlmalerei: Die bleibt, wenn die Farben und die Wände halten, für Jahrhunderte an der Fassade.


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