Bayern 2


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Mit scharfer Klinge Auf Messers Schneide

Das Messer gehört zu den ältesten Werkzeugen der Menschheit. Schon in Homers "Ilias" taucht das Bild von des "Messers Schneide" auf - es steht für die Gratwanderung zwischen Schärfe und Stumpfheit, Leben und Tod. Wolf Gaudlitz lädt ein, zur Gratwanderung mit scharfer Klinge.

Von: Wolf Gaudlitz

Stand: 08.01.2019 | Archiv

Ein kunstvoll geschmiedetes Messer ist ein Kultgegenstand. Und mit Messern gilt es, gekonnt, bewußt und vorausschauend umzugehen. Sonst verletzt man sich schnell. Ein Messer zu schärfen ist auch eine Kunst - den Hohlschliff einer Haarschere gekonnt auszuführen, erfordert eine mehrjährige Lehrzeit - und eine gute Haarschere kann auch 800, 900 Euro kosten. Aber auch das einfache Haushaltsmesser will gekonnt bearbeitet werden, damit es nicht nur kurzfristig schneidet, sondern seine Schärfe auch behält...

"Die Schneidfähigkeit, die kam a immer erreichen, we‘ ma a bisschen schleifen kann. Aber die Schneidhaltigkeit ist die hohe Kunst des Schleifens und des Scharfmachens. Nicht nur, dass das Messer schneidfähig is und wieder nach a paar Tagen oder paar Stunden stumpf wird, sondern dass es richtig auch lange hält. Und da ist die Kunst des Schleifers oder des Messermachers."

Michael Herzinger, Scheren- und Messermacher aus München-Obersendling

Messer sind universale Werkzeuge

Sie werden fürs Kochen genauso benötigt, wie in der Pathologie. Der Falkner braucht sie, um die Arbeit des Raubvogels mit einem Herzstich zu beenden, und der Mäher schwingt seine Sense, um das Gras zu schneiden und die Ernte einzubringen. Zumindest war das früher in der Landwirtschaft die Regel. Es ist natürlich ein großer Vorteil, wenn die Sense "a guade Schneid" hat - sonst wirds mühsam. Aber die gute Schneide kommt nicht von selbst, das Sensenblatt muss bearbeitet, "gedengelt" werden...

"Das war früher so selbstverständlich, dass es dafür eigentlich au kaum Lehrbücher gegeben hat. Das war Allgemeinwissen. Aber heut is des in Vergessenheit gerate. Und dann kaufen die Leute gutwillig a Sense im Gschäft, da steht dann drauf 'mähfertig gedengelt'. Und des is der absolute Schmarrn! I hab no koi mähfertig gedengelte Sense g'funde, die wirkli gscheit gedengelt gewesen ist."

Woldemar Mammel, schwäbischer Biobauer und Sensenmäher

Der gebürtige Wolga-Schwabe Woldemar Mammel (der längst zum Donau-Schwaben geworden ist) erinnert sich etwas wehmütig an seine Kindheit, als in seinem Heimatort aus jedem Hof das Dengelgeräusch erklungen ist... Die Sensenblätter haben da richtig gesungen...

"Des gab dann über das ganze Dorf hinweg, so'n fast so'n Trommel-, so'n Percussions- Sound. Des war unglaublich. Und wenn jetzt mal zufällig irgendwo mal einen dengeln hör, dann, ja dann kommt diese Erinnerung wieder hoch: 'Peng-peng-peng-pengpeng!' Des war a richtige Musik, a richtiges Orchester, was dann so in der Luft glege is."

Woldemar Mammel, gebürtiger Wolgaschwabe und heute noch begeisterter Dengler

Wolf Gaudlitz hat so eine Dengel-Symphonie eingefangen, in seinem Feature Mit scharfer Klinge - Auf Messers Schneide in "Zeit für Bayern".


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