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Unerwünsche Werbung Briefkasten Werbeblättchen vielleicht bald ohne Folie

Seit fast 20 Jahren steckt am Wochenende die Postwurfsendung "Einkauf aktuell" in vielen deutschen Briefkästen. Manchmal auch, wenn der Aufkleber "Bitte keine Werbung" den Einwurf eigentlich untersagt. Nicht nur die Schutzfolie ist Umweltschützern ein Dorn im Auge.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 13.04.2021 | Archiv

Werbung im Briefkasten | Bild: mauritius-images

Wer sich tatsächlich darüber freut, dass samstags mehrere Werbeprospekte mit einer beigelegten TV-Programmübersicht im Briefkasten stecken, ist nicht eindeutig belegt. Kritiker gehen davon aus, dass vier von fünf Verbrauchern die Blättchen ungelesen in den Papiermüll werfen (und vorher hoffentlich die Plastikfolien entfernt haben). Darauf deuten auch diverse Umfragen hin. Die Deutsche Post hingegen verweist auf zahlreiche Kunden, die gerne die Werbung durchblättern. 

Warum die Deutsche Post gut an "Einkauf aktuell" verdient

Gut 20 Millionen unadressierte, regionale und überregionale Werbesendungen von "Einkauf aktuell" werden Woche für Woche verteilt. Allerdings nur in bestimmten Zustellgebieten, meist in größeren Städten und Ballungsräumen. Für die Deutsche Post ein durchaus lukratives Geschäft, das jährlich mehrere hundert Millionen Euro einbringt. Insgesamt machen diese und andere Werbesendungen, im Bereich Briefe, ein Fünftel des Umsatzes aus, also mehr als zwei Milliarden Euro. Verständlich, dass man darauf nur ungern verzichten möchte.  

"Einkauf aktuell" - und immer Ärger mit der Folie

Schon seit Jahren sorgt vor allem die Plastikverpackung von "Einkauf aktuell" immer wieder für Kritik. Dass seit 2008 auf der TV-Programmzeitschrift das Umweltzeichen Blauer Engel prangt, weil das Trägermedium zu 100 Prozent aus Altpapier besteht, hat daran nur wenig geändert. Aus Sicht der Deutschen Post ist die Folie mittlerweile so dünn, dass sie sozusagen kaum noch ins Gewicht fällt. Nach Angaben des Unternehmens ist die Folie fast drei Mal dünner als ein menschliches Haar:

"So haben wir auch für das Werbemedium 'Einkauf Aktuell' kontinuierlich nach einer umweltverträglichen Umhüllung gesucht und in den letzten Jahren verschiedene Folien getestet."

Sonja Radojicic, Deutsche Post DHL Group

Für Kritiker der unadressierten Werbesendung, wie der Deutschen Umwelthilfe oder der Bürgerinitiative "Letzte Werbung", zählt allerdings eher das Gesamtpaket - und so kommt man schnell auf eine Milliarde Kilo Werbemüll aus Papier und Plastik, der da über das Jahr an den Wochenenden verteilt wird.

Warum müssen die Werbeblättchen in Folie eingewickelt sein?

Eine Umhüllung der Prospektbündel ist für die Deutsche Post vor allem deshalb notwendig, damit die Zustellerinnen und Zusteller sie gut transportieren und einfach in die Briefkästen einwerfen können. Bislang wird dafür eine sogenannte PE-Folie verwendet. Tatsächlich dürfte die in der Ökobilanz, auch unter Berücksichtigung des Rohstoffeinsatzes und des Wasserverbrauchs, noch die umweltfreundlichste Lösung darstellen. Die dünne Plastikfolie soll sich zwar mittlerweile auch im Pulper der Papierfabriken gut vom Prospekteinhalt lösen lassen, aber trotzdem ist es natürlich nicht ideal. Nach der Trennung müssen die Papierfabriken dann die Entsorgung der Folien übernehmen.

Testlauf für die Alternative zur Plastikfolie

Deshalb ist man jetzt bei der Deutschen Post auch noch einen Schritt weitergegangen und hat erstmals eine Banderole im Test gehabt. Sonja Radojicic von Deutsche Post DHL Group:

"Einen ersten Test dieser umweltfreundlichen Papierbanderole bei der Auslieferung gab es in Flensburg und Köln. Dieser ist sehr vielversprechend verlaufen."

Sonja Radojicic, Deutsche Post DHL Group

Ob und wann sich eine Papierbanderole durchsetzen kann, ist aber noch offen.

Widerspruch am Briefkasten - genügt leider oft nicht

Wer auf die Werbung verzichten möchte, dem rät die Deutsche Post, doch bitte einen Aufkleber wie etwa "BITTE KEINE WERBUNG" anzubringen. Die Zustellerinnen und Zusteller würden dann die Werbeprospekte nicht mehr einwerfen. Ein schriftlicher Widerspruch sei nicht nötig. Ein frommer Wunsch, dem aber natürlich nicht überall nachgegangen wird. Immer wieder finden sich entsprechende Werbeprospekte - nicht nur von der Deutschen Post - auch in Briefkästen mit einem gut sicht- und lesbaren Aufkleber.

Schon 2011 hat das Landgericht Lüneburg solche Aufkleber als rechtlich bindend anerkannt (LG Lüneburg, 04.11.2011 - 4 S 44/11[12]).[13][14]). Werbesendungen gegen den Willen des Empfängers sind demnach eine unzumutbare Belästigung. Um ganz sicher zu gehen, empfiehlt der Bundesverband der Verbraucherzentralen zudem Formulierungen wie "Keine Werbung" noch durch den Zusatz "keine Handzettel, keine Wurfsendungen, keine kostenlosen Zeitungen und Wochenblätter" anzufügen. Wohl dem, der einen großen Briefkasten hat. In einem anderen Urteil von 2012 sind nämlich kostenlose Anzeigenblätter mit einem so genannten "redaktionellen Anteil" (und dazu zählt beispielsweise ein TV-Programmheft) ausgenommen worden. Im Paket gilt "Einkauf aktuell" mit den beigefügten Prospekten allerdings schon als Werbesendung.

Amsterdam: Nur wer Werbung will, bekommt sie

Vor allem die Initiative "Letzte Werbung e.V." versucht seit einiger Zeit, die gesetzlichen Stellschrauben zu verändern. Demnach soll es grundsätzlich verboten werden, ungefragt Werbung in Briefkästen zu stecken. Also damit nicht mehr die, die KEINE Werbung wollen, das auf ihren Briefkasten schreiben müssen; sondern nur noch die, die das ausdrücklich möchten. Eine Umkehrung der Verhältnisse also.

Im niederländischen Amsterdam ist das auf Betreiben der Umwelt- und Tierschutzpartei Partij voor de Dieren bereits umgesetzt worden. Nur wer "JA. Bitte Werbung!" auf dem Briefkasten kleben hat, bekommt seit 2018 noch unadressierte Werbepost. Werden trotzdem Prospekte eingeworfen, muss der Werbetreibende Strafe zahlen. Amsterdam gibt an, damit pro Haushalt über 30 Kilo Papier- und Plastikmüll einzusparen.

Quellen und weiterführende Links:

Podcast "Besser leben. Nachhaltig im Alltag mit dem Umweltkommissar"

Alle Episoden zum Nachhören oder auch den Podcast im Abo gibt's jederzeit und kostenlos im BR-Podcast Center, bei iTunes, Spotify und der ARD Audiothek.
Alle Folgen zum Nachlesen finden Sie auf der Übersichtsseite "Besser leben. Nachhaltig im Alltag mit dem Umweltkommissar".

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