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Solaranlage Kosten Was kostet eine Solaranlage für den Eigenbedarf?

Author: Kathrin Kolb

Published at: 21-4-2022

Solaranlage | Bild: mauritius-images

(28.6.2023: In diesem Artikel sind noch nicht die Ergebnisse der Beratungen der Ampel-Koalition vom 28.6.2023 berücksichtigt; sobald konkrete Vorgaben in Form des verabschiedeten Gebäude-Energie-Gesetzes vorliegen, werden wir dies nachholen)

https://www.ardaudiothek.de/episode/besser-leben-der-bayern-1-nachhaltigkeitspodcast/wann-lohnt-sich-eine-photovoltaikanlage/bayern-1/10447081/

Ob wir in den nächsten 15 bis 20 Jahren doppelt so viel Strom brauchen wie heute, steht noch nicht fest. Gerade angesichts des Ausbaus der Elektrifizierung von Verkehr und Wärme ist aber jetzt schon absehbar, dass wir deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien benötigen. Neben der Windkraft spielt dabei auch die Photovoltaik (PV) eine große Rolle. Insbesondere das Potenzial bei Aufdach-PV-Anlagen ist längst nicht ausgeschöpft.

Würde auf jedes neu errichtete Einfamilien-, Doppel- und Reihenhaus künftig eine Photovoltaik-Dachanlage installiert, könnten nach jüngsten Hochrechnungen des Energieversorgers Eon und des Beratungsunternehmens Energy Brainpool bis 2036 insgesamt 78 Terrawattstunden grüner Strom erzeugt werden. Das wären fast 90 Prozent mehr als jetzt und dürfte für mehr als vier Millionen Privathaushalte reichen.

Derzeit lange Wartezeiten

Die Handwerksbetriebe können sich derzeit vor Anfragen kaum retten und die Telefondrähte der Energieberater laufen heiß. Angesichts hoher Strom- und Energiepreise überlegen viele Verbraucher gerade, ob sich eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach für sie lohnt.

Wann lohnt sich eine Solaranlage?

Je höher der Eigenverbrauch und je stärker der Strompreis steigt, umso mehr rentiert sich eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.

Vor etlichen Jahren konnten sich PV-Anlagenbesitzer vor allem auf die Einspeisevergütung verlassen - also den Betrag, den man 20 Jahre lang für jede Kilowattstunde Solarstrom bekommt, die man ins öffentliche Netz einspeist. In den "goldenen Zeiten" des Photovoltaik-Booms waren das gut 60 Cent. Inzwischen bekommt man für haushaltsübliche PV-Anlagen lediglich noch rund 6,5 Cent je Kilowattstunde (KWh). Allein damit lässt sich eine Solarstromanlage nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Die Politik ist aber gerade dabei, die Rahmenbedingungen für Photovoltaik auf den Prüfstand zu stellen - auch die Einspeisevergütung.

Immer wichtiger wird sowieso eine andere Kennziffer: Der Strompreis. Er ist in den letzten Monaten und Jahren extrem stark gestiegen und liegt weit über 30 Cent. Im Vergleich dazu kostet den Verbraucher jede Kilowattstunde selbsterzeugter Strom auf dem Dach laut Berechnungen der Zeitschrift Finanztest nur 8 bis 12 Cent. Und: Jede eigenständig produzierte Kilowattstunde Solarstrom muss nicht teuer zugekauft werden. Fazit: Je höher der Eigenverbrauch und je stärker der Strompreis steigt, umso mehr rentiert sich eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.

Wie viel kostet Solar?

Was die Kosten angeht, rechnet man für eine Photovoltaik-Anlage je nach Größe mit mindestens knapp 10.000 Euro. Neben den Solarmodulen braucht man unter anderem einen Wechselrichter, der den Gleichstrom aus dem Dach in Wechselstrom umwandelt, Leitungen zum Zähler und unter Umständen eine Unterkonstruktion, um die Module optimal zur Sonne auszurichten. Manche Bundesländer und Kommunen haben regionale Förderprogramme aufgelegt. Hier sollte man sich unbedingt kundig machen.

Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme. Der gesamte Solarmarkt ist gerade in Bewegung. Nachdem der Preis für Solarmodule stark gesunken war, steigt er momentan wieder wegen der steigenden Nachfrage und Lieferschwierigkeiten durch Corona. "Ich kriege jetzt eine Photovoltaik-Anlage auch nicht geschenkt. Aber da kann ich Geld investieren", sagt Andreas Masch, Energieberater für die Verbraucherzentrale Bayern, "und dieses Geld kriege ich gesichert auf jeden Fall wieder zurück - alleine durch die Ersparnis von dem, was ich nicht mehr an die Energieversorger zahlen muss, bin ich da im Prinzip schnell im positiven Bereich. Die Anlagen sind in der Regel je nach Kosten zwischen 8 und 11 Jahren amortisiert."

Solaranlage Kosten Förderung

Die Ampelkoalition hat bereits angekündigt, noch an der ein oder anderen Förderschraube drehen zu wollen. Außerdem hängt vieles davon ab, wie sich der Strompreis künftig entwickelt. Stand jetzt (April 2022) rentieren sich PV-Anlagen aber und man kann sogar Gewinn erwirtschaften.

In einer Modellrechnung kommt die Zeitschrift Finanztest auf eine Rendite von 4,62 Prozent (03/22), bei Anschaffungskosten von 12.600 Euro und 20 Prozent Strom-Eigenverbrauch. Grundlage war ein Strompreis von 40 Cent/kWh, der jedes Jahr um zwei Prozent steigt.

Ganz egal wie die Wirtschaftlichkeitsrechnung ausfällt: Für die Umwelt lohnen sich Photovoltaik-Anlagen auf jeden Fall: Sie produzieren in der Regel 20 bis 30 Jahre Strom, ohne zusätzliche Emissionen. Das Umweltbundesamt (UBA) geht davon aus, dass eine Solarzelle nur ein bis zwei Jahre braucht, um so viel Energie zu produzieren, wie für die Herstellung und Produktion nötig war.

Hat mein Dach genug Sonne für eine Solaranlage?

Wenn es für Ihren Wohnort ein Solarkataster gibt, ist dort gut ersichtlich, ob Ihr Dach grundsätzlich für Photovoltaik geeignet ist. Jedes Hausdach ist erfasst und auch entsprechend eingefärbt. In der Regel finden Sie einen Link zum Solarkataster auf der Homepage Ihres Landkreises. Alternativ gibt es auch einen Ertragsrechner der Europäischen Kommission: Für jeden Ort in der EU kann man hier nachsehen, wie viel Strom man dort pro Monat theoretisch erzeugen könnte.

Wie groß muss meine Solaranlage sein?

Die Energieberater der Verbraucherzentralen können eine wichtige Hilfe in der Entscheidungsphase sein: Dabei geht es unter anderem um den aktuellen Stromverbrauch, aber auch darum, welche Investitionen zukunftssicher sind.

Nehmen wir als Beispiel ein klassisches Einfamilienhaus mit vier Personen und einem jährlichen Strombedarf von 4.000 bis 4.500 Kilowattstunden:

"Da brauche ich eine PV-Anlage ungefähr in der Größenordnung von 5 KW, das entspricht etwa 25 Quadratmeter Dachfläche", erklärt Andreas Masch, Energieberater der VZ Bayern. "Wenn ich jetzt aber sagen könnte, da kommt noch ein Elektroauto dazu oder ich werde meine Heizung modernisieren und beispielsweise eine Wärmepumpe einbauen, dann sind wir schnell dabei, wo man sagen muss 'Ich hab Platz auf dem Dach und baue mein Dach voll, damit ich möglichst viel Energie von meinem eigenen Dach runterbekommen kann, um mein Haus zu versorgen'."

Solaranlage Angebote - das sollte drinstehen

Da derzeit die Handwerksbetriebe voll ausgelastet sind, kann es einige Zeit dauern, bis ein umfassendes Angebot erstellt ist. Neben dem Preis pro KW-Leistung sollten darin auch alle weiteren Kosten ersichtlich sein:

"Wichtig ist, dass im Angebot sämtliche Komponenten der Anlage sehr detailliert beschrieben sind, damit man auch weiß, was man kauft. D.h., es sollten alle voraussichtlichen Kosten, die für die Installation der kompletten Anlage nötig sind, enthalten sein. Beispielsweise auch die Kosten für die Aufstellung eines Gerüstes, falls das notwendig ist - und das wird in vielen Angeboten oft schlicht vergessen."

Jörg Sahr, Zeitschrift Finanztest

Wer möglichst nachhaltige Solarmodule kaufen möchte, kann versuchen, welche aus europäischer Produktion zu bekommen. Glas-Glas-Module sind laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme umweltfreundlicher als Glas-Folien-Module, weil sie ohne Aluminiumrahmen auskommen.

Brauche ich eine Solaranlage mit Speicher?

Mit einem Batteriespeicher kann man den selbst erzeugten Solarstrom für ein paar Stunden zwischenspeichern, so dass im Idealfall auch abends, nach Sonnenuntergang, noch Fernseher und Kühlschrank mit dem eigenen Strom versorgt werden können. Der Eigenverbrauch lässt sich mit einem gut dimensionierten Batteriespeicher auf bis zu 50 Prozent steigern. Allerdings geht man bei Finanztest davon aus, dass man bereits nach etwa 13 Jahren ein Ersatzgerät braucht. Die Anschaffungskosten erhöhen sich also zunächst, dafür muss aber weniger Strom zugekauft werden.

Für die Energiewende bringen Batteriespeicher wenig, sagt das Umweltbundesamt. Schließlich benötigen sie Ressourcen bei der Herstellung und wenn man keinen hat, wird der Sonnenstrom einfach ins Netz gespeist und verdrängt damit zum Beispiel Kohlestrom. Wichtig, wenn man sich für einen Speicher interessiert: Nicht zu groß kaufen. Wenn die Speicher-Batterie nie richtig leer wird, leidet die Akku-Kapazität.

"Man prüft genau, wie viel Strom man im Durchschnitt in der Nacht braucht. Das ist kein Hexenwerk und das sollte man dann tun, wenn man eine Photovoltaik-Anlage hat, weil Batterien kann man auch jederzeit nachrüsten, das ist technisch überhaupt kein Problem"

Andreas Masch, Energieberater der VZ Bayern.

Die Größe des Batteriespeichers entspräche etwa der Hälfte des durchschnittlichen Nachtstromverbrauchs. Das wäre optimal. Der Eigenverbrauch lässt sich auch zusätzlich erhöhen, wenn man die großen Stromverbraucher wie Waschmaschine, Trockner etc. tagsüber laufen lässt. Auch ein Elektroauto sollte am besten geladen werden, solange es noch hell ist. Laut Berechnungen des ADAC verbraucht ein E-Auto auf 100 Kilometer nur 2,- Euro, insofern es ausschließlich mit selbst produziertem Solarstrom geladen wird.

Solaranlage und Steuer - was muss ich beachten?

Leider ist es nicht damit getan, sich Solarmodule aufs Dach schrauben zu lassen. Steuerlich gesehen ist der Besitzer einer Photovoltaik-Anlage Stromproduzent und damit umsatzsteuerpflichtig. Eben auch mit allen Pflichten, wie Umsatzsteuer-Voranmeldungen beim Finanzamt usw. Der Vorteil ist, man kann bei allen Rechnungen, die im Zusammenhang mit der Solaranlage entstehen, 19 Prozent Umsatzsteuer wieder abziehen. Das gilt auch schon beim Kauf der Anlage und macht unter Umständen mehrere tausend Euro aus.

Wer es steuerlich möglichst einfach haben will, kann auch folgendes tun: "Bei relativ kleinen Anlagen bis zu einer Leistung von 10 KW hat man die Möglichkeit, Einkünfte bzw. Einnahmen nicht mehr bei der Einkommenssteuer anzugeben", sagt Jörg Sahr von Finanztest. "Das liegt praktisch außerhalb der Steuern und ist schon mal eine wesentliche Vereinfachung." Als so genannter Kleinunternehmer kann man sich auch von der Umsatzsteuer befreien lassen. "Wir raten aber eher dazu, zumindest in den ersten Jahren auf die Steuerfreiheit für Kleinunternehmer zu verzichten, weil man in diesem Fall - und nur in diesem Fall - die Möglichkeit hat, sich die beim Kauf der Anlage gezahlte Mehrwertsteuer wieder erstatten zu lassen", erklärt Jörg Sahr.

Solaranlage und Mehrfamilienhaus - geht das?

Häuser mit mehreren Wohneinheiten durch Solarstrom zu versorgen, ist in Deutschland teilweise sehr kompliziert. Dabei wären eben jene Gebäude mit entsprechend großen Dachflächen besonders geeignet für Photovoltaik. Ein weiterer Vorteil: In Mehrfamilienhäusern wird in der Regel tagsüber mehr Strom verbraucht, weil dort mehr Betrieb ist als in einem Einfamilienhaus.

Je nach Eigentumsverhältnissen gibt es verschiedene Modelle. Meistens läuft es darauf hinaus, dass eine Person der Eigentümergemeinschaft für alle anderen zum "Energieversorger" wird. Der steuerliche und technische Aufwand ist aber recht hoch. Vermieter können sich vom Staat eine Förderung holen - Stichwort "Mieterstrom". Bisher scheuen aber viele den Aufwand und das Investitionsrisiko. Mieter müssen den Solarstrom nämlich nicht abnehmen.

Lohnt sich eine Solaranlage auf meinem Balkon?

Auch Mieter können ihren eigenen Solarstrom herstellen. Mit Mini-PV Anlagen, auch Stecker-Solargeräte oder "Guerilla-PV" genannt. Das sind kompakte Solarmodule, die man auf den Balkon, die Fassade oder das Garagendach schrauben kann. Auch diese Mini-Anlagen brauchen einen Wechselrichter, aber dann geht's per Stecker direkt in die Steckdose, und von da fließt der selbst erzeugte Solarstrom zum Beispiel zur Kaffeemaschine. Der Stromzähler zählt in der Zeit langsamer, weil man weniger Strom vom Energieversorger benötigt.

Wie groß kann eine Solaranlage auf dem Balkon sein?

300 Watt ist die Standardgröße für ein Modul. Bis zu 600 Watt sind erlaubt. Man bekommt zwar grundsätzlich keine Einspeisevergütung, dafür ändert sich aber auch steuerlich nichts. Die Preise variieren, man kann aber von gut 500 Euro pro Modul ausgehen. Genau wie bei den großen Anlagen rechnen sich Stecker-Solargeräte durchaus. Faustregel: Um so mehr man verbraucht und je teurer der Strompreis ist, desto eher amortisiert sich eine solche Anlage. Die Anschaffungskosten hat man dann in ein paar Jahren wieder drin.

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin bietet einen Online-Rechner an. Hier kann jeder für seine Wohnung durchspielen, ab wann sich der Strom vom Balkon lohnt: Stecker-Solar-Simulator.
Faustregel: Um so mehr man von seinem Solarstrom verbraucht und je höhrer der Strompreis ist, desto eher amortisiert sich eine solche Anlage.

Solarstrom vom Balkon - das muss ich beachten:

  • Habe ich das ganze Jahr genug Sonne auf meinem Balkon?
  • Erlaubnis vom Mieter beziehungsweise der Eigentümer-Versammlung einholen
  • Elektriker fragen: Ist mein Stromkreis für die Einspeisung von Solarstrom geeignet?
  • Nach der Installation: Anmeldung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Eventuell wird der Energieversorger einen neuen Zähler einbauen, der nicht rückwärtslaufen kann.

Tipp! Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass manchmal WIndräder still stehen, obwohl der Wind weht? Hier die Erklärung: Warum stehen manche Windräder still?

Link-Tipps zu Photovoltaik

Tipps der Verbraucherzentralen zu Stecker-Solargeräten

Stecker-Solar-Rechner der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin

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