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Vollmond oder Sichel? Der Mond & seine Reise im November

Er ist immer der Gleiche, doch Nacht für Nacht sieht er etwas anders aus: unser Mond. Er wandert quer durch die Sternbilder übers Firmament - mal als Sichel, mal als Vollmond. Der aktuelle Mondkalender für November 2020 mit den Mondphasen und den schönsten Begegnungen.

Von: Heike Westram

Stand: 30.10.2020

Der November beginnt mit einem fast noch vollen Mond, der die ganze Nacht zu sehen ist und durch die Winter-Sternbilder wandert. Der abnehmende Halbmond zieht durch die Frühlings-Sternbilder, danach ist der Mond eher morgens zu sehen, wo die dünne Mondsichel kurz vor der Monatsmitte den beiden hellen Morgensternen Venus und Merkur begegnet. Der junge Mond abends zieht am Planetenduo Jupiter und Saturn vorüber und wandert anschließend durch die letzten Sommer-Sternbilder, die noch zu sehen sind. Er begegnet dem hellen Mars und zieht dann durch die Herbstbilder wieder den Sternbildern des Winters entgegen, wo er zum Monatsende als Vollmond zu sehen ist.

Mondphasen im November

DatumUhrzeitMondphase
08.11.2014.46 Uhrabnehmender Halbmond
15.11.2006.07 UhrNeumond
22.11.2005.45 Uhrzunehmender Halbmond
30.11.2010.29 UhrVollmond

Mond beim Siebengestirn im Stier

Der Mond ist fast noch voll, wenn er am 1. November abends um kurz nach halb sechs Uhr seine Reise über den Sternenhimmel beginnt. Eine gute halbe Stunde nach Sonnenuntergang geht seine fast runde Scheibe im Osten auf. Sobald es richtig finster ist, können Sie eine Handbreit links über dem Mond das hübsche Siebengestirn erblicken: Sieben helle Sterne, die in einen zarten Schleier gehüllt scheinen. In Wirklichkeit verbirgt sich hier ein Offener Sternhaufen aus Tausenden von Sternen: die Plejaden. Schon mit einem Fernglas können Sie erkennen, dass hier viel mehr als nur sieben Sterne funkeln.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Links unter dem Siebengestirn erscheint ein markantes, liegendes V: der Kopf des Stiers mit dem hellen Auge Aldebaran. Am 2. November steht der Mond genau zwischen dem Sternhaufen und dem hellsten Stern des Sternbilds. Nur gut zwei Fingerbreit ist unser Begleiter von Aldebaran entfernt und rückt im Lauf der Nacht noch etwas näher.

Mond mitten im Wintersechseck

Am 3. November hat sich der langsam abnehmende Mond schon wieder eine Handbreit weit vom Stierauge entfernt und fast die Spitzen der Stierhörner erreicht. Er steht mitten im Wintersechseck und ist dort umringt von den hellsten Sternbildern, die unser Nordhimmel zu bieten hat: Stier, Fuhrmann, Zwillige, Großer und Kleiner Hund und Orion.

Drei Nächte dauert es, bis der Mond das Wintersechseck ganz durchwandert hat und in der Nacht auf den 7. November mit den beiden hellen Zwillings-Sternen Kastor und Pollux eine Linie bildet.

Abnehmender Halbmond in den Frühlingsbildern

Der abnehmende Halbmond steht in der Nacht auf den 8. November mitten im kleinen Krebs und überstrahlt das zarte Sternbild größtenteils. Er geht inzwischen erst nach elf Uhr abends auf und bleibt bis zum frühen Nachmittag sichtbar. Jede Nacht erscheint er über eine Stunde später im Osten. Vermutlich wird er Ihnen statt abends jetzt eher in den frühen Morgenstunden auffallen, zumal die Nacht im November spät endet.

In den Frühlings-Sternbildern

Ein kleiner Trost: Der Mond denkt schon wieder ans Frühjahr, denn in der Nacht auf den 9. November führt er das große Frühlingssternbild Löwe über den Himmel und steht nur knapp drei Fingerbreit über dessen hellstem Stern Regulus, in der Nacht darauf eine Handbreit links unter ihm. Tief im Osten lockt den immer dünner werdenden Mond dann schon ein gewaltiges Licht, dass er kurz darauf erreicht.

Mondsichel beim Morgenstern Venus und Merkur

Mondsichel beim Morgenstern Venus und Merkur

Am Morgen des 11. November strahlt gut zwei Handbreit unter der Mondsichel der helle Morgenstern: die Venus. Sechs Uhr morgens ist eine gute Zeit, nach ihr zu gucken, dann ist unsere Nachbarin schon anderthalb Handbreit über den Horizont geklettert. Und zu der Uhrzeit ist ein Stück unter ihr noch ein helles Licht zu sehen: Der seltene Merkur begleitet die Venus einige Tage lang! Die Gelegenheit sollten Sie nutzen, denn der innerste Planet im Sonnensystem ist nur selten sichtbar. Und der Mond führt Sie: Am 12. November ist die Mondsichel auf eine Handbreit an die Venus herangerückt, am Morgen darauf steht er genau zwischen Venus und Merkur, zwei Fingerbreit unter der Venus, vier Fingerbreit über Merkur.

Morgens am 14. November ist die hauchzarte Mondsichel letztmals vor Neumond zu sehen und fast schwieriger zu entdecken als die beiden Planeten, die jetzt in einer Linie über ihr erstrahlen und den Verlauf der Planetenebene (Ekliptik) markieren. Erst gegen sechs Uhr geht der Mond an diesem Morgen auf, knapp anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang.

Danach zieht unser Begleiter zwischen Erde und Sonne hindurch und bleibt in deren Licht verborgen: Am 15. November ist Neumond.

Junge Mondsichel am Abend

Schon am Tag darauf könnte der junge Mond wieder zu sehen sein, abends tief im Westen. Sie haben aber nur einen kurzen Moment Zeit, die Mondsichel zu entdecken, nach dem Sonnenuntergang um halb fünf Uhr: Schon eine Stunde später geht auch der Mond unter. Doch ab jetzt bleibt er allabendlich etwa eine Stunde länger am Firmament. Er entfernt sich aus Sicht der Erde immer weiter von der Sonne und steht bei deren Untergang Tag für Tag etwas höher und etwas weiter östlich. Und dort warten schon zwei helle Lichter auf den Mond.

Mondsichel beim Planetenduo Jupiter und Saturn

Mond bei Jupiter und Saturn

Am 17. November rückt die Mondsichel langsam den beiden hellen Planeten Jupiter und Saturn entgegen, die am frühen Abend im Südwesten zu sehen sind: Zweieinhalb Handbreit trennen den Mond noch von Jupiter, am 18. November nur noch eine Handbreit. Am 19. November ist die Mondsichel an Jupiter schon vorbei gezogen und steht fast genau unter Saturn, gut zwei Fingerbreit unter dem Planeten, der allerdings mit dem Mondlicht etwas zu kämpfen hat. Denn die Mondsichel hat schon ein bisschen zugenommen und wird dadurch auch immer heller. Am folgenden Abend ist sie schon wieder anderthalb Handbreit von den Planeten entfernt und steht mitten im Sternbild Steinbock, dessen blasse Sterne vom Mondlicht überstrahlt werden.

Die kommenden Nächte zieht der Mond, bald zum Halbmond angewachsen, vom Steinbock durch den ebenso unscheinbaren Wassermann den Fischen entgegen. Und dort hat er wieder ein strahlendes Rendezvous.

Mond bei Mars

Mond bei Mars

Abends am 24. November können Sie anderthalb Handbreit links über dem zunehmenden Mond den hellen Mars sehen. Unser Nachbar-Planet ist nach Jupiters Untergang das hellste Objekt am Firmament, denn erst im Oktober war Mars in Opposition und der Erde damit besonders nah. Am 25. November ist der Mond genau unter Mars zu sehen, nur drei Fingerbreit weit weg. Am folgenden Abend trennt ihn schon wieder eine Handbreit von dem hellen Planeten.

Vollmond am Monatsende

Vollmond

Unter dem kleinen Widder hindurch zieht der Mond in den letzten Novembernächten weiter ostwärts und erreicht erneut die Plejaden, bei denen er zu Monatsbeginn schon zu sehen war. Am 28. November ist der Mond noch über eine Handbreit von dem schönen Siebengestirn entfernt, die Nacht darauf hat er nur noch gut drei Fingerbreit Abstand. Vier Fingerbreit unter ihm erstrahlt erneut Aldebaran, das helle Auge des Sternbilds Stier, in dessen Nähe unser Begleiter auch am 30. November noch zu sehen ist - als Vollmond, der so hoch über den Himmel zieht wie die Sonne im Sommer.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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