ARCHIV - 02.06.2023, Bayern, Nürnberg: Das Publikum steht beim Auftritt der Band Tenacious D an der Utopia Stage. Etwa 60 000 Besucherinnen und Besucher werden beim Open-Air-Festival Rock im Park erwartet. (zu dpa: ««Senioren im Park» - mehr Ältere auf großen Festivals») Foto: Daniel Vogl/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Rock im Park

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Festivals bei Extremwetter: Abgesagt und abgesoffen?

Für Festivalveranstalter sind Schlechtwetter-Zeiten keine gute Geschäftsgrundlage. Die Besucher bleiben fern, ein Festivalfeeling kommt nicht auf. Aber Extremwetterereignisse wie derzeit lassen Veranstalter und Künstler auch kreativ werden.

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Sie seien mit einem blauen Auge davongekommen, so bilanziert Stefan Oschmann, Veranstalter des Africa Festivals Würzburg, das vergangene Festivalwochenende. Etwas Sonne am Fronleichnams-Tag und am Sonntag, aber Dauerregen am Freitag und Samstag - Oschmann freut sich besonders über die vielen treuen Fans, die gekommen seien, ganz egal wie das Wetter war. Am Ende wurden 25.000 Besucher bei der 35. Auflage des Africa-Festivals gezählt, im vergangenen Jahr waren es doppelt so viele. Ob es finanziell reicht, kann Oschmann noch nicht sagen. Aber er blickt sorgenvoll in die Zukunft. "Das Wetter wird sich verändern und das Extremwetter wird zunehmen." Keine gute Basis für Open-Air-Veranstalter, die gutes Wetter brauchen, um gute Geschäfte zu machen.

Absage in Regensburg - Veranstaltungort unter Wasser

Alles andere als gute Geschäfte machte das Jahninselfest in Regensburg. Als am Freitagvormittag die beiden Bühnen und fast alle Stände bereits aufgebaut waren, kam die Absage. Der Veranstaltungsort mitten in der Donau stand komplett unter Wasser. Das Ersatzkonzert fand schließlich in der alten Mälzerei statt, doch statt der jeweils für Freitag und Samstag erwarteten 1.000 Besucher kamen nur 200, berichtet Organisatorin Jasmin Niebauer dem BR. Der finanzielle Schaden ist auch hier noch nicht absehbar, aber unterkriegen lassen will sich Niebauer nicht, im nächsten Jahr soll es weitergehen.

Schloss Kaltenberg profitiert von Lage auf einer Anhöhe

Kurz vor Beginn des legendären Musikfestivals PULS Open Air auf Schloss Kaltenberg im Landkreis Landsberg am Lech am Donnerstag gibt sich der zuständige Veranstalter Heinrich von Bayern gelassen. Die Wetterberichte kündigen ab Donnerstag Temperaturen über 20 Grad und Sonne an, allerdings auch Wolken, Regen und Gewitter. Ein Festival wie in Wacken, das seinen Kultstatus auch dem Schlamm verdankt, in dem die Metalfans versinken, dürfte es in Kaltenberg nicht geben. Schloss Kaltenberg profitiere von seiner Lage auf einer Anhöhe, wo es keine Wasseranstauungen gebe, heißt es. Zudem lägen die Park- und Campingbereiche auf verdichteten Böden. Beim Festival "Rock im Park" in Nürnberg, dem wohl größten in Bayern, ist man ebenfalls zuversichtlich: Laut Veranstalter-Agentur gäbe es derzeit "keine Einschränkungen bei Aufbau und Durchführung des Festivals aufgrund der Wetterlage".

PULS Open Air: Wettermonitoring rund um die Uhr

Um das PULS Open Air vom 6. bis 8. Juni sicherzumachen, ist eine eigene Veranstaltungsleitung für den reibungslosen Ablauf zuständig. So wurde im Vorfeld ein Sicherheitskonzept erstellt, das mit Genehmigungs- und Sicherheitsbehörden abgestimmt ist. Die Veranstaltungsleitung ist in einem 24-Stunden-Betrieb vor Ort in Kaltenberg. Vor und während PULS Open Air, so Andreas Kirschek von der Veranstaltungssicherheit des Bayerischen Rundfunks, wird zum Beispiel mittels Spezialsoftware kontinuierlich beobachtet, wie sich das Wetter entwickelt. Der BR ist mit seinem Content-Netzwerk PULS Namensgeber des Open Airs.

Wetterbedingte Änderungen gab und gibt es auch bei Festivals in München. Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft hat das Kulturprogramm Stadion der Träume seine Tribünen geöffnet. Viele der Veranstaltungen auf dem Gelände des alten Gasteigs in München finden eigentlich unter freiem Himmel statt. Seit Freitag allerdings nicht mehr. Sprecherin Susanne Lutz spricht von Glück, dass alle Open-Air-Veranstaltungen nach innen verlegt werden konnten, das Festival ist wegen des großen Raumangebots im Gasteig flexibel. "Wir können auf Sicht fahren und kurzfristig entscheiden", so Lutz.

"Alle sind krisenerprobt"

Umplanen und flexibel sein, heißt es auch bei der Münchener Biennale für neues Musiktheater. Zahlreiche Veranstaltungen, die an der Isar oder auf Plätzen in der Stadt hätten stattfinden sollen, wurden in die Räumlichkeiten des HP8, des Gasteig-Ausweichquartiers in München-Sendling verlegt. "Wir kriegen das hin", sagt Pressesprecherin Kathrin Hauser-Schmolck. Alle Künstlerensembles, die an dem Uraufführungsfestival, das noch bis zum 10. Juni dauert, teilnehmen, seien krisenerprobt. Entscheidend sei eine gute Betreuung durch die Festivalleitung. Die Besucherzahlen würden jedenfalls stimmen.

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