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Vor 40 Jahren Historischer Störfall im Atomkraftwerk Gundremmingen

1977 war es, der 13. Januar: In Block A des Gundremminger Atomkraftwerks kommt es zu einem Störfall, der den Reaktor flutet. Es ist der schwerste Zwischenfall in der Geschichte der Bundesrepublik – Kernkraftgegner kritisieren bis heute die Aufarbeitung der Ereignisse.

Von: Joseph Weidl

Stand: 13.01.2017 | Archiv

Der 13.Januar 1977 ist ein feuchter und sehr kalter Tag in Gundremmingen. Der Atommeiler dort ist damals der größte zivile Atommeiler der Welt. Nässe und Frost lassen eine Hochspannungsleitung brechen. Es gibt einen Kurzschluss, die Folge ist die Schnellabschaltung des Reaktors. Eigentlich sollte die Anlage auf so etwas ausgelegt sein.

Doch an diesem Tag funktioniert eben nicht alles, wie es soll, erklärt der heutige technische Leiter des Kraftwerks, Michael Trobitz: Die Steuerstäbe werden eingefahren und das Reaktorgebäude mit Kühlwasser vollgepumpt. Doch dann schalten sich die Pumpen nicht ab.

Fehler im System

Der Druck im Reaktor steigt, Sicherheitsventile öffnen sich und radioaktiver Dampf tritt aus, kondensiert - es entsteht Wasser. Der wird durch die Hitze zu Wasser, das das Reaktorgebäude überflutet. Menschen sind zu diesem Zeitpunkt keine im Gebäude. Doch wenige Tage später ist Diplomingenieur Walter Reim der erste Mitarbeiter, der den Schaden begutachtet – ausgestattet bloß mit einem Atemschutzgerät:

"Es hat darauf geschlossen, dass Dampf ausgetreten ist und so war’s dann auch. Es war also ein Sicherheitsventil abgerissen, eines von mehreren Sicherheitsventilen und danach sind wir halt reingegangen um zu schauen, was die Ursache für diesen Druckanstieg im Gebäude war."

Zeitzeuge Walter Reim

Die Betreiber wollen den Störfall möglichst nicht an die große Glocke hängen. In einem Radio-Interview damals sagt der technische Leiter, Reinhardt Ettemeyer, dass alle Sicherheitsmaßnahmen funktioniert hätten und die Bevölkerung draußen nicht in Gefahr gewesen sei.

Kritik an der Informationspolitik

Demo vor dem AKW Gundremmingen

Und trotzdem – der Umgang der Betreiber und der Politik mit dem Unfall damals wird vor allem von Kernkraftgegnern bis heute scharf kritisiert. Der Vorwurf lautet, dass die Menschen vor Ort nicht gewarnt worden seien. Die Betreiber weisen diese Kritik vehement zurück: Laut Kraftwerk wurde das Wasser zuerst von Radioaktivität gereinigt und erst dann kontrolliert nach draußen geleitet. Zum Jahrestag sind jedenfalls an die 30 Atomkraftgegner vor das AKW gezogen, um eine sofortige Abschaltung der Anlage zu fordern.

Finanzieller Ruin

So oder so: Der Unfall 1977 war der wirtschaftliche Totalschaden für den Block A in Gundremmingen, er sollte nie wieder in Betrieb gehen. Noch heute steht dessen schwarze Kuppel aber auf dem Kraftwerksgelände, direkt im Schatten von Block B und C. Diese beiden Meiler waren zum Zeitpunkt des Unfalls noch nicht gebaut, aber in Planung.

Dass trotz Unfall noch zwei weitere Anlagen gebaut wurden, kritisieren die Kernkraftgegner. Zum Jahrestag des Atomstörfalls demonstrieren sie wieder vor dem Kraftwerk. Dessen Tage sind gezählt: Schon Ende 2017 soll Block B abgeschaltet werden, bis 2021 geht Block C vom Netz.


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Dirk Baldini, Dienstag, 17.Januar 2017, 10:58 Uhr

3. Tritium

Von dem abgegebenen Tritium im Wassser, ein Betastrahler mit einer Halbwertzeit von 12,3 Jahren (Gefahr mal = ca 75 Jahre) spricht dort niemand!!

rudi, Montag, 16.Januar 2017, 09:12 Uhr

2. Uran-Brennstäbe werden eingefahren?

Hallo Herr Joseph Weidl,

Ihre technische Beschreibung ist stark fehlerhaft. Können Sie den Sachverhalt tatsächlich realistisch einschätzen oder wollen sie nur das übliche Klischee füttern und durch Panik höhere Auflagen erzielen? Habe Sie dem Ingenieur von damals eigentlich vorher ihre Beschreibung gezeigt?
Auf jeden Fall können "Uran-Brennstäbe" nicht eingefahren werden. Bei einer Reaktorschnellabschaltung fährt man zudem die Steuerstäbe ein, um die Kettenreaktion zu stoppen. Es wurde auch nicht der Reaktor geflutet, sondern das Reaktorgebäude. Dieses ist genau für diesen Störfall ausgelegt.

Sachsendreier, Samstag, 14.Januar 2017, 11:13 Uhr

1. Es gibt keine absolute Sicherheit.

Die Frage ist doch, ob man daraus gelernt hat? Reichen denn die Maßnahmen aus, die jetzt üblich sind, um derartige und andere Vorfälle ausschließen zu können? Und, was auch wichtig ist, was tun die Anliegerstaaten, in denen sich Atomkraftwerke befinden? Reichen deren Vorschriften zur Absicherung aus? Da habe ich sehr viele Bedenken... Es nutzt absolut nichts, wenn wir mehr und mehr auf Kernkraft verzichten, aber um uns herum fortwährend die Gefahr besteht, dass es zu Störfällen nach Art Tschernobyl kommen kann.