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Jahrzehnte nach Mord Ex-Geheimdienstler in München vor Gericht

Der 1983 an dem jugoslawischen Dissidenten Stjepan Djurekovic begangene Mord wurde im Herbst 2014 in München aufgerollt. Die beiden Angeklagten, Josip Perkovic und Zdravko Mustac, hatten die Tat laut Anklage minutiös geplant. Der Vorsitzende Richter folgte nun dem Antrag der Bundesanwaltschaft.

Published at: 3-8-2016 | Archiv

Josip Perkovic 2012 in Zagreb | Bild: picture-alliance/dpa

Djurekovic, Exil-Oppositioneller gegen das damalige jugoslawische Regime, wurde am 28. Juli 1983 auf bestialische Art und Weise ermordet. Mit dem Prozess konnte nach Jahrzehnten die Aufarbeitung der wohl längsten unaufgelärten Verbrechensserie in der Bundesrepublik beginnen. Die beiden Ex-Geheimdienstler Perkovic und Mustac wurden von der Bundesanwaltschaft wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Beide wurden nach langem Tauziehen mit Kroatien 2014 nach Deutschland ausgeliefert. Djurekovics Witwe tritt als Nebenklägerin auf. Insgesamt 50 Verhandlungstage bis 2015 waren angesetzt. Es sind mehr geworden. Über 130 Journalisten aus aller Welt hatten sich damals angekündigt. Perkovic bestritt eine Verwicklung mit dem Mord. Der Prozess fand unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt, da die Gefahr bestand, dass noch offene Rechnungen aus dem Kalten Krieg beglichen werden würden.

Vorwurf: Mordauftrag an Killerkommando

Mustac im März 2014 in der kroatischen Hauptstadt Zagreb

Der heute 74-jährige Mustac war von 1982 bis Oktober 1985 Leiter des ehemaligen jugoslawischen Geheimdienstes SDS und Vorgesetzter des hauptamtlichen SDS-Mitarbeiters Perkovic. Dieser stand der SDS-Abteilung "Bekämpfung der feindlichen Emigration" vor. Der Anklageschrift zufolge beauftragte Mustac vermutlich im Frühjahr 1982 Perkovic, den Mord an Djurekovic zu organisieren. Der heute 71-jährige Perkovic hatte wiederum in Krunoslav P. einen Helfer und Kontaktmann in Deutschland, den er in das Vorhaben einweihte. P. soll sich darauf das Vertrauen von Djurekovic erschlichen haben. Das Attentat sollte in einer Garage in Wolfratshausen stattfinden, die Djurekovic als Druckerei nutzte. P. soll sich einen Nachschlüssel zu der Garage beschafft haben, der von Perkovic oder über Dritte an die späteren Killer weitergegeben worden sein soll. Mit Hilfe des Schlüssels konnten sie Djurekovic am 28. Juli 1983 in der Garage auflauern und töten.

Mittäter bereits 2008 verurteilt

Der ehemalige jugoslawische Agent Krunoslav P. sitzt bereits eine Freiheitsstrafe ab.

P. wurde bereits im Juli 2008 vom Oberlandesgericht München zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er soll von 1975 bis zum Ende des sozialistischen Jugoslawiens für den Geheimdienst gearbeitet haben.

"Liquidierungen von Regimegegnern im Ausland, die den Geltungsanspruch von Staat oder Partei in Jugoslawien in Frage stellten, wurden von einigen politischen Entscheidungsträgern jedenfalls noch zu Beginn der 1980er-Jahre als legitimes Mittel zum eigenen Machterhalt angesehen. Bis zum Tod von Tito traf allein dieser entsprechende Verfügungen."

Aus dem Urteil des Oberlandesgericht München zur Verurteilung von Krunoslav P. 2008

Ex-Agenten als Zeugen

Für das OLG war der Prozess auch deshalb eine große Herausforderung, da ehemalige Agenten als Zeugen geladen waren. So ruhte die Hoffnung der Anklage unter anderem auf den verurteilten Krunoslav P. - denn als lebenslang Verurteilter hat er wenig zu verlieren.

Der Richter

Der Prozess gegen Mustac und Perkovic wurde von Manfred Dauster geleitet , Vorsitzender Richter des Staatsschutzsenats am OLG München. Der 61-jährige promovierte Jurist hatte mit dem Fall Djurekovic schon einmal zu tun. Bei der Verurteilung von Krunoslav P. 2008 durch das OLG München war Dauster Beisitzer.


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