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Wirtschaftskrimi vor Gericht Mittenwald kämpft um Karwendelbahn

Vor dem Landgericht München II ist heute ein weiteres Kapitel im Streit um die Mittenwalder Karwendelbahn über die Bühne gegangen. Mittenwald wirft dem Investor der Bahn vor, auf den Stillstand der Bergbahn hinzuarbeiten, um das Unternehmen zu zerschlagen. Von Elmar Voltz

Von: Elmar Voltz

Stand: 23.06.2016

Gondel der Karwendelbahn | Bild: picture-alliance/dpa

Streitparteien sind die Marktgemeinde und Wolfgang Reich von der Reich-Unternehmensgruppe, die die Mehrheit am Aktienpaket der Bergbahn besitzt.

Druckmittel gegen Gemeinde

Gerhard Schöner (l.), Aufsichtsrat-Mitglied der Karwendelbahn AG und Rechtsanwalt Kai König (r.)

Der Stillstand der Bergbahn diene, nach Ansicht des 1. Bürgermeisters von Mittenwald Adolf Hornsteiner, als Druckmittel gegen die Gemeinde. Denn die Reich-Gruppe möchte ihr Aktienpaket teuer an den Markt Mittenwald verkaufen.

Weil Unternehmersohn und Ex-Bergbahn-Vorstand Wolfgang Reich rechtskräftig wegen Aktiendelikten vorbestraft ist, musste ein neuer Vorstand bestellt werden. Aniko Köpf kommt aus dem Lager des Mehrheitseigners. Doch gesehen haben sie bislang nur die, die sei eingesetzt haben.

"Ich kenne Frau Köpf nicht, habe sie noch nie gesehen, ich weiß nicht, ob sie qualifiziert ist, Vorstand einer Bergbahn zu sein."

Aufsichtsrat Gerhard Schöner

Neuer Vorstand gibt Vollmachten an Ex-Vorstand

Mit ihrer Vorstandschaft erging gleichzeitig eine Vollmacht an Wolfgang Reich, der sie in allen wichtigen Belangen und Angelegenheiten vertreten darf. So auch heute vor Gericht. Die unbekannte Frau ist Anlass für die Verhandlung – gekommen ist ihr Bevollmächtigter.

Ob Frau Köpf ein geeigneter Vorstand ist und ob es rechstens war, dass sie den Ex-Vorstand bevollmächtigt hat, wollte Aufsichtsrat Schöner heute gerichtlich klären lassen. Ein Urteil wird es dazu aber erst Mitte August geben. In Gespräche vor der eigentlichen Verhandlung forderte der Vorsitzende Richter Gerhard Specht beide Seiten nachdrücklich auf, sich zu einigen:

"Einigen sie sich, sonst wird in ihrem Laden in Zukunft nur wenig laufen, was nicht zuvor hier über diesen Richtertisch gegangen ist."

Gerhard Specht

Wichtigster Knackpunkt ist der Kaufpreis für das Aktienpaket. Gäbe es hier eine Einigung, könnte die Reich-Gruppe sofort aus der AG aussteigen. Die Gemeinde Mittenwald wäre wieder Mehrheitseigner ihrer für den Ort und die ganze Region so wichtigen Bergbahn.

"Es geht ums Prinzip"

Doch die Vorstellungen der Parteien liegen um über eine Million Euro auseinander. Zu viel Geld für die Gemeinde. Und dann meldet sich Unternehmer Reich zu Wort und lässt alle Anwesenden mit einem trotzigen Statement aufhorchen:

"Wenn es nach mir geht, wird die Marktgemeinde Mittenwald die Aktien nicht mehr bekommen. Die hatten ihre Chance, jetzt geht’s ums Prinzip."

Wolfgang Reich

Er habe schon viele Menschen vor Gericht erlebt, die eigentlich Geld wollten, aber immer betont hätten, es gehe ihnen ums Prinzip - erwidert der Vorsitzende.

Einen kleinen Lichtblick gab es aber doch noch. Beide Seiten könnten sich vorstellen, dass in Zukunft ein unabhängiger Vorstand die Geschicke der Bergbahn leitet anstelle der umstrittenen Aniko Köpf. Über mögliche geeignete Kandidaten wollen beide Seiten demnächst beraten.

Karte: Die Karwendelbahn

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Karte: Die Karwendelbahn


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