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Prof. Dr. Gabriele Brandstetter Virtuose Bewegung – fragile Körper: Wie berührt Tanz?

Ist das das Tanzen eine Beziehungsform, die in der von Hirnforschern und Soziologen beschriebenen "berührungslosen Gesellschaft" wichtiger denn je ist?

Stand: 23.07.2019

Tanz berührt. Beim Betrachten von virtuosen Bewegungen sind wir fasziniert von der Dynamik und Flexibilität der Tänzer. Der Ausdruck der Körper und der Kontakt zwischen den TänzerInnen bewegt uns als Zuschauer in unterschiedlicher Weise. Wie werden durch Berührung Emotionen übertragen? Und wie synchronisieren TänzerInnen ihre Bewegungen sei es im Ballett oder im Tango, in der Disco oder in der Contact-Improvisation? Tanz ist ein Archiv der Emotionen. Doch wie können solche im Archiv schlummernden Ausdrucksgebärden so wiederbelebt werden, dass sie uns auch heute noch berühren? So, dass Tanz unter die Haut geht! Und wenn das gelingt, wäre das Tanzen dann eine Beziehungsform, die in der von Hirnforschern und Soziologen beschriebenen „berührungslosen Gesellschaft“ wichtiger denn je ist?

Gabriele Brandstetter ist Professorin für Theater- und Tanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Seit 2008 Mitdirektorin des Internationalen Kollegs „Verflechtungen von Theater-Kulturen“. Forschungsschwerpunkte sind Geschichte und Ästhetik von Tanz, Theater und Literatur vom 18. Jh. bis zur Gegenwart, Virtuosität in Kunst und Kultur, die Beziehung von Körper, Bild und Bewegung. Als Forscherin im Excellenzcluster der Freien Universität Berlin „Languages of Emotion“ untersuchte sie den Zusammenhang zwischen Berührung und Berührtsein, Emotion und Bewegung im Tanz. In ihren jüngeren Publikationen beschäftigt sie sich mit politischen und ästhetischen Untersuchungen zum Thema fragile Körper und „aging body in dance“ sowie mit Fragen von Grenzüberschreitungen, Migration und Decolonizing Dance. Für ihre Verdienste um die Tanzwissenschaft wurde sie 2004 mit dem Leibniz-Preis der DFG und 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Wichtigste Publikationen sind u.a.: Tanz-Lektüren: Körperbilder und Raumfiguren der Avantgarde, 1995 / 2013 (2. erw. Auflage) und Moving (Across) Borders. Performing Translation, Intervention, Participation, 2017.


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