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Studienfinanzierung Stipendien - Nur etwas für Überflieger?

Bist Du gut in der Schule, engagierst Du Dich sozial oder gesellschaftspolitisch? Brauchst Du Geld? Dann wäre vielleicht ein Stipendium das richtige für Dich. Doch wie bekommt man so eine Förderung? Wir treffen zwei Stipendiat*innen und erfahren, worauf es bei der Bewerbung für das Deutschlandstipendium und dem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes ankommt und welche konkrete Hilfen es gibt.

Von: Sonja Vodicka

Stand: 30.10.2020 16:26 Uhr

Fast alle großen politischen Parteien sowie Kirchen und Gewerkschaften unterhalten Stiftungen, die Stipendien oder Beihilfen zum Studium gewähren. Daneben gibt es auch von der Wirtschaft oder anderen privaten Organisationen getragene Stipendien, die zum Teil durch öffentliche Mittel aufgestockt werden. Etwa fünf Prozent aller Studierenden werden in Deutschland durch ein Stipendium gefördert. Insgesamt fördern in Deutschland mehr als 1750 Stiftungen 28200 Studierende auf verschiedene Weise. Neben einer finanziellen Hilfe werden die Studierenden teilweise auch ideell unterstützt, indem für sie etwa Seminare, Konferenzen oder Workshops angeboten werden

Campus Magazin trifft Stipendiaten der beiden größten unabhängigen deutschen Stiftungen: die Studienstiftung des deutschen Volkes e.V. und das Deutschlandstipendium. Worauf kommt es bei der Bewerbung an und welche Unterstützung gibt es konkret?

Bevor Du Dich für ein Stipendium bei der Studienstiftung des deutschen Volkes bewirbst, solltest Du dies herausfinden:

Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes

Bist Du der/die ideale Stipendiat/in? Ja! wenn du...

Den Musterstipendiaten oder die Musterstipendiatin gibt es nicht. Die Studienstiftung ist offen für ganz unterschiedliche Werdegänge. Keine Rolle bei der Auswahl spielen politische Überzeugung, Weltanschauung und Religion.

Was die über 14.000 Stipendiat*innen eint, ist die Freude an intellektuellen Herausforderungen sowie die Ausdauer und Neugier, intellektuell oder praktisch neue Welten zu erfahren und sich auch mit fachfremden Themen eingehend zu beschäftigen. Die Studienstiftung fördert Menschen, die Interesse am intensiven Austausch mit anderen Gesellschaften und Kulturen mitbringen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Nachwuchstraining im Verein ist zum Beispiel eine solche Art von Verantwortungsübernahme, aber auch die Pflegeleistung in der Familie. Wichtig ist, dass Bewerber schon einmal gezeigt haben, dass sie ihr Talent nicht nur für das eigene Fortkommen einsetzen, sondern auch in den Dienst anderer stellen.

Neben den inhaltlichen gibt es auch formale Kriterien für die Stipendienvergabe: Es werden Studierende mit deutscher Staatsangehörigkeit gefördert sowie auch ausländische Studierende, die bestimmte BAföG-Voraussetzungen erfüllen oder Studierende aus der EU, die dauerhaft in Deutschland studieren und hier einen Abschluss anstreben. Hier nochmal im Überblick die Voraussetzungen für ein Stipendium.

Du kannst Dich für ein Stipendium der Studienstiftung bewerben oder dafür vorgeschlagen werden, wenn Du

außerdem an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule (Universität, Fachhochschule, Kunst- und Musikhochschule) in Deutschland studieren oder

einen Teil oder das gesamte Studium an einer Hochschule in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union (EU) oder in der Schweiz absolvierst.

Daneben gibt es natürlich ein paar formale Kriterien für ein Stipendium.

Wie kommst Du an das Stipendium ran?

Die Empfehlung der Schule nach dem Abi ist ein Weg, an ein Stipendium der Studienstiftung zu kommen. Studierende im 1. und 2. Semester können auch selbst aktiv werden und sich direkt bewerben. Und später können Hochschullehrende oder die Prüfungsämter vielversprechende Kandidat*innen für ein Stipendium vorschlagen – ebenso wie eine Vielzahl von für die Bildungsgerechtigkeit engagierten Partnern, beispielsweise die START-Stiftung, NRW-Talentzentrum usw.

Eine Übersicht der Kooperationspartner findest Du direkt bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Wieviel Geld bekommst du und woher kommt das Geld?

Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten unabhängig von der familiären Einkommenssituation monatlich 300 Euro „Studienkostenpauschale“, die für das Studium eine größere finanzielle Sicherheit und Gestaltungsspielräume schafft. Zusätzlich können Geförderte abhängig von der finanziellen Situation der Familie, ein Lebenshaltungsstipendium von monatlich bis zu 752 Euro beziehen. Stipendiat*innen mit Kind werden durch einen Familienzuschlag und Kinderbetreuungspauschale zusätzlich gefördert. Vorteil des Stipendiums: Es muss nicht zurückgezahlt werden.

Die Studienstiftung wird im Wesentlichen aus öffentlichen Mitteln finanziert. Im Jahr 2019 stand ihr ein Gesamtbudget von 121 Millionen Euro zur Verfügung. Als Deutschlands größtes Begabtenförderungswerk unterstützt die Studienstiftung damit über 12.900 Studierende und 1.300 Promovierende mit einem Stipendium, ihre Talente zu entfalten und sich gesellschaftlich zu engagieren. Wichtigster Geldgeber der Studienstiftung ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (87 % des Gesamtbudgets).

Was musst Du dafür leisten?

Im Studienstiftungs- Bildungsprogramm und auch den Beratungsangeboten (z.B. regelmäßige Sprechstunden am Hochschulort) gilt prinzipiell eine Kultur der Freiwilligkeit. Echte „Pflicht“ ist der sogenannte Studienbericht, der am Anfang jedes Semesters, im fortgeschrittenen Studium nur noch einmal im Jahr, geschrieben wird. Der Bericht bietet den Stipendiat*innen selbst eine gute Gelegenheit, den Blick zurück und nach vorn zu werfen: Was lief im letzten Semester gut? Welche Lehrveranstaltungen haben besonders beeindruckt? Wie plane ich mein weiteres Studium? Was hat mich außerhalb des Lehrplans umgetrieben? Wofür will ich mich (weiterhin) einsetzen? Die Berichte helfen aber nicht nur bei der persönlichen Reflexion, sondern auch den Vertrauensdozent*innen am Hochschulort sowie den betreuenden Kolleg*innen der Geschäftsstelle mit den Geförderten ins Gespräch zu kommen.

Wie punktest Du beim Auswahlverfahren?

Ein Patentrezept für eine erfolgreiche Bewerbung gibt es nicht, wohl aber den Tipp, sich nicht zu verbiegen und ehrlich zu sein. Die Chancen für eine Stipendienzusage liegen immer dann gut, wenn die Studierenden in ihrem Fach top sind, ihre Begabung auch als Verantwortung begreifen und sich über ihre Belange hinaus für andere einsetzen. Die Studienstiftung beurteilt Leistung und gesellschaftliches Engagement vor dem individuellen biographischen Hintergrund. Und es zählt, dass sich die Kandidaten engagieren – egal ob im Fußballverein, in der Familie oder bei Amnesty International.

Vor den Gesprächen, die beim Auswahlwochenende stattfinden (zwei Einzelgespräche) muss man keine Angst haben: Die Kandidat*innen durchlaufen hier kein „Wer wird Millionär“-Quiz. Das Gespräch orientiert sich am Lebenslauf. Bringt der Bewerber/ die Bewerberin die notwendigen Leistungen mit, aber auch die Leistungsbereitschaft? Wofür setzt sich jemand ein? Was treibt die Person außerhalb des Studiums an und um? Hier gibt es natürlich nur individuelle Antworten, kein „Richtig“ und kein „Falsch“.

Das einzige Element des Auswahlwochenendes, das sich wirklich vorbereiten lässt, ist der Vortrag: Alle Kandidat*innen bereiten einen Kurzvortrag vor, den sie im zweiten Element des Auswahlwochenendes, der sogenannten Gruppenrunde, halten. Das Thema sollte eine gute Diskussion versprechen, da im Anschluss an den Vortrag ein Austausch zum Vortragsthema vorgesehen ist.

Interessante Zahlen zum Stipendium in der Studienstiftung des Deutschen Volkes:

Michael Bornholdt, Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes

Im Jahr 2019 wurden bundesweit 12.953 Studentinnen und Studenten mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert.

Beworben haben sich im Jahr 2019 insgesamt 8.850 Studierende. Eine Förderzusage erhielten 2.630.

Auch das Deutschlandstipendium möchte engagierte und leistungsstarke Studierende unterstützen: Die Universitäten, die teilnehmen, haben das Bewerbungsverfahren selbst in der Hand, so dass dieses stark variieren kann. Das Deutschlandstipendium fördert seit dem Sommersemester 2011 Studierende sowie Studienanfängerinnen und Studienanfänger, deren Werdegang herausragende Leistungen in Studium und Beruf erwarten lässt.

Deutschlandstipendium

Bist Du der/die ideale Stipendiat/in? Ja! wenn du...

  • gesellschaftliche Verantwortung übernimmst.
  • erfolgreich Hindernisse im eigenen Lebens- und Bildungsweg gemeistert hast.
  • durch gute Studienleistungen auf Dich aufmerksam machst.

Wie kommst Du an das Stipendium ran?

Bewerben können sich alle an der LMU immatrikulierten Studierenden.
Das Deutschlandstipendium wird einkommensunabhängig gewährt und richtet sich an Studierende aller Nationalitäten.

Wieviel Geld bekommst du und woher kommt das Geld?

Du erhältst 300 Euro monatlich – die Hälfte vom Bund und die andere Hälfte von privaten Stiftern. Dieses Bündnis aus zivilgesellschaftlichem Engagement und staatlicher Förderung ist das Besondere am Deutschlandstipendium. Der Leistungsbegriff, der dem Stipendium zugrunde liegt, ist bewusst weit gefasst: Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten das einkommensunabhängige Fördergeld von monatlich 300 Euro (zusätzlich zu BAföG-Leistungen) für mindestens zwei Semester und höchstens bis zum Ende der Regelstudienzeit. So können sie sich erfolgreich auf ihre Hochschulausbildung konzentrieren. 

Was musst Du dafür leisten?

Das Deutschlandstipendium wird an der LMU durch Netzwerkveranstaltungen und gemeinsame Projekte mit Leben gefüllt.

Das ideelle Programm, bei dem sich Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie private Förderer gemeinsam engagieren, beruht auf freiwilliger Basis.

Wie punktest Du beim Auswahlverfahren?

Neben guten Studienleistungen werden bei der Vergabe des Deutschlandstipendiums auch gesellschaftliches Engagement und besondere persönliche Leistungen berücksichtigt, zum Beispiel Migrations- oder Fluchthintergrund, die Herkunft aus einem nicht-akademischen Elternhaus, Krankheiten und Beeinträchtigungen, Bedürftigkeit, die Betreuung eigener Kinder und studienbegleitende Erwerbstätigkeiten.

Interessante Zahlen zum Deutschlandstipendium

Isabel Sophie Oberländer, Stipendiatin des Deutschlandstipendiums an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Im Jahr 2019 wurden bundesweit 28.159 Studentinnen und Studenten mit einem Deutschlandstipendium gefördert.

2019 erhielten 453 Studierende ein Deutschlandstipendium an der LMU. Beworben haben sich an der LMU im Jahr 2019 insgesamt 1897 Studierende.


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