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Kollege Roboter Digitale Jobwelt

Wenn du dir deinen Job selbst aussuchen willst, solltest du Informatik studieren. Oder zumindest ein verwandtes Fach. Denn nie war der Mangel an IT-Experten größer. Im Bereich Datenanalyse liegen die Einstiegsgehälter sogar im sechsstelligen Bereich.

Von: Fabian Mader

Stand: 09.01.2019

Nicole Bendig arbeitet in der Personalabteilung einer IT-Beratungsfirma. Eigentlich ein angenehmer Job, allerdings ist er in der letzten Zeit recht frustrierend. Denn Bewerbungen kommen immer seltener bei ihr an.

Stattdessen muss sich ihre Firma bei potentiellen Mitarbeitern - Absolventen mit IT-Kenntnissen — eher selbst bewerben. Die Personalerin spricht daher von sich aus IT-Studenten auf sozialen Netzwerken an - oder versucht es mit „Guerilla Marketing.“

"Im Sommer haben wir beispielsweise Wassereis genommen, haben es eingefroren, unser Branding drauf gemacht und sind an die Unis gegangen und haben es dort verteilt. Eine bessere Werbung gibt es nicht."

Nicole Bendig, Personalabteilung nterra

IT-Experten sind gesucht wie lange nicht

Bis zu 700.000 Tech-Experten müssen Unternehmen bis 2023 in Deutschland neu einstellen - das hat eine Studie von McKinsey & Company und dem Stifterverband ergeben. Besonders begehrt sind Absolventen, die in der Analyse großer Datensätze Erfahrungen haben.

"Studierende die Datenanalyse-Kompetenz mitbringen, können sich aussuchen, wo sie arbeiten wollen. Derzeit werden Einstiegsgehälter von über 100.000 Euro angeboten."

Mathias Winde, Stifterverband

Für Personaler wie Nicole Bendig bedeutet das, dass sie nicht mehr einfach auf Bewerbungen warten kann.

"Die wissen, dass sie begehrt sind am Markt. Und je begehrter man ist, desto gemütlicher wird man. Man machte überzeugt werden. Warum soll ich bei dir arbeiten, und nicht bei dem IT-Dienstleister nebenan?"

Nicole Bendig, Personalabteilung nterra

Informatiker können sich den Job aussuchen

Was für Personaler wie Nicole Bendig eine riesige Herausforderung ist, bedeutet für Studenten eine ebenso große Chance. Wer in diesem Bereich im Studium Erfahrungen sammelt, erhöht seine Jobaussichten beträchtlich. Das Problem: Nicht jeder hat Talent dafür oder Freude daran, auf dem Computer Codes zu schreiben. Diesen Studierenden empfiehlt Mathias Winde vom Stifterverband Studiengänge, in denen es nur zum Teil ums Programmieren geht.

"Es gibt inzwischen viele Studiengänge an den Schnittstellen der Fächer. Beispielsweise Bioinformatik, Medieninformatik oder Wirtschaftsinformatik."

Mathias Winde, Stifterverband

Den Jackpot haben Absolventen die an Schnittstellen arbeiten können.

Nils Brast beispielsweise studiert Physik, also eine Naturwissenschaft. Im Master an der Uni Mainz hat er allerdings Informatik dazu genommen. Er belegt vor allem Vorlesungen zu Deep Learning, das heißt Künstliche Intelligenz. Auf einer Jobmesse in Mainz erlebt er an verschiedenen Ständen nun immer dasselbe. Die Firmen sind interessiert an ihm, laden ihm zum Vorstellungsgespräch ein, überbieten sich mit netten benefits wie Firmenwagen oder Dienstlaptop.

"Es klang so, als hätte mich jeder genommen. Das ist schon eine gute Perspektive. Ich mach mir wenige Sorgen um die Zukunft, also dass ich bei McDonalds Burger belegen muss oder so, um Geld zu verdienen."

Nils Brast, Physikstudent


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