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Prof. Dr. Hans Schöler Gehirne aus Hautzellen – wie soll das denn gehen?

Mit Organoiden aus Hautzellen Prozesse im Gehirn erforschen, das hat sich Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster, zum Ziel gesetzt. Es ist noch gar nicht lange her, dass wir annahmen, die Entwicklung eines Lebewesens verlaufe wie eine Einbahnstraße. Dem ist aber nicht so.

Von: Andrea Roth

Stand: 20.01.2021

Egal ob Haut oder Muskel, Nervenzelle oder Blut - keine spezialisierte Zelle des Körpers, so dachte man, kann zurück, und schon gar nicht bis an den Ausgangspunkt ihrer Entwicklung. Doch inzwischen haben Wissenschaftler Verfahren entwickelt, die eben dies ermöglichen.

Besonders interessant ist, dass sich aus spezialisierten Körperzellen Stammzellen von Organen oder sogar Generalisten bilden lassen, die sogenannten pluripotenten Stammzellen. Die faszinierende Fähigkeit von pluripotenten Stammzellen ist es nämlich, dass sie jeden der mehr als 200 Zelltypen des Körpers bilden können. Ihre Wandlungsfähigkeit geht sogar so weit, dass sich aus pluripotenten Zellen organähnliche Strukturen, Organoide genannt, oder sogar lebensfähige Organismen bilden lassen. An Organoiden untersucht man u.a. grundlegende Abläufe im menschlichen Gehirn und die Entstehung von Krankheiten wie Parkinson.

Prof. Dr. Hans Schöler promovierte 1985 am Zentrum für Molekularbiologie in Heidelberg und hatte in der Folge verschiedene Gruppenleiterpositionen inne - bei Boehringer Mannheim (heute Roche), am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen und am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL). Danach wurde er Professor an der University of Pennsylvania, U.S.A. Im Jahr 2004 kehrte er nach Deutschland zurück, um die Stelle eines Direktors am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster anzutreten, wo er seine Arbeiten zur Pluripotenz und Reprogrammierung sowie zur Genregulation in der Keimbahn von Säugetieren fortsetzt. Schöler ist zudem Professor an der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Im Jahr 2009 wurde er als außerordentlicher Professor an die Medizinische Hochschule Hannover berufen, und 2012 wurde ihm der Titel „Distinguished Professor“ vom Ulsan National Institute of Science and Technology (UNIST) in Ulsan, Südkorea, verliehen. Das „Hans Schöler Stem Cell Research Center (HSSCRC)“ am UNIST ist nach ihm benannt. Im Jahr 2014 verlieh ihm auch die Konkuk-Universität in Südkorea den Ehrentitel „Distinguished Professor“. Hans Schöler hat mehrere hochrangige Preise erhalten, darunter den Robert-Koch-Preis, den Kazemi-Preis und die Max-Delbrück-Medaille. Er ist gewähltes Mitglied der Deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften, der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften sowie auswärtiges Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Schöler ist Mitglied des Vorstands der Internationalen Gesellschaft für Stammzellforschung (ISSCR) und wird für die Amtszeit 2021-2022 Präsident des Deutschen Stammzellnetzwerkes (GSCN) sein.


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