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Zwischenbilanz zur digitalen Lehre Schnelle Umstellung von off- auf online

Die kurzfristige Umstellung auf digitale Lehre im Sommersemester hat laut einer Studie von McKinsey und des Stifterverbands im Verhältnis gut funktioniert. Nur das studentische Leben bleibt auf der Strecke.

Stand: 29.10.2020

Titelbild der Studie vom Stifterverband und McKinsey "Hochchulen, Corona und jetzt?" | Bild: iStock/LeoPatrizi

Bei 89 Prozent der Lehrveranstaltungen fand innerhalb von 30 Tagen alles online statt. 54 Prozent konnten sogar innerhalb von nur 14 Tagen ihre Lehre von off- auf online umorganisieren. Zum Vergleich, vor Ausbruch der Pandemie fanden gerade mal 12 Prozent der Lehrveranstaltungen in einem digitalen Format statt, bis zum Sommersemesterende 2020 waren es bereits 91 Prozent. Laut der Studie von von McKinsey und des Stifterverbands bewertet die überwiegende Mehrheit der Studierenden wie auch der Dozent*innen die Online-Vorlesungen und -Seminare als gelungen.

Laborarbeit in Kleinstgruppen oft als schlecht bewertet

Dagegen weniger positiv werden die neu eingeführten Formate für Kleinstgruppen bewertet. die meisten Studierenden und Lehrenden waren mit der Umstellung von Übungen und vor allem von Laborarbeiten unzufrieden - vor allem in Fächern mit großem Praxisanteil wie in der Humanmedizin, den Naturwissenschaften, der Kunst und Musik sowie den Sportwissenschaften.

Studentische Lernerfahrung eher nicht zufriedenstellend

In Bereichen des studentischen Lebens, die nicht direkt mit der Lehre zu tun haben, fällt der Befund weniger positiv aus: Im Wintersemester 2019/20 waren 85 Prozent der Studierenden mit ihrer Lernerfahrung (eher) zufrieden, im Sommersemester 2020 waren es nur noch 51 Prozent. Beklagt werden mangelnde Kontakte zu anderen Studierenden, Motivations- und Konzentrationsprobleme, die erhöhte Arbeitslast während der Corona-Krise, Zukunftsängste, abgesagte Praktika und ausgefallene oder abgebrochene Auslandssemester und im Besonderen der sehr seltene studentische Kontakt macht den Studierenden das Leben schwer.

Detailliert Infos aus der Studie sind hier zum Download bereit:

Studie zu Corona-Krisenmodus Format: PDF Größe: 2,13 MB

Es bleibt ein andauerndes Gefühl der Unsicherheit. Das geht aber nicht nur den Studierenden so, sondern selbst Lehrenden. Susanne Westhoff, Juniorprofessorin für Physik an der Universität Heidelberg, schreibt über ihre einschlägigen Erfahrungen mit der Lehre im Digitalsemester in einem Gastbeitrag für ZEIT Campus.

"Nach mehreren Wochen weiß ich immer noch nicht, wie viel die Studierenden aus meiner Vorlesung eigentlich mitnehmen..Ich merke, dass sich die Rolle verändert hat, die ich in diesem Lehr- und Lernprozess einnehme...Zwei Gedanken lassen mich seitdem nicht los: Wie stark hängt der Lernerfolg mit der Lehrmethode zusammen? Und wie kann ich meine Rolle als Wissensvermittlerin im neuen Format optimieren? In gewöhnlichen Zeiten suche ich im Hörsaal beim Sprechen ständig den Kontakt zu den Studierenden. Aus ihren Gesichtern lese ich, ob sie mir folgen können, wie sie meine Antworten auf ihre Fragen aufnehmen, ob sie interessiert oder abgelenkt sind. Jetzt in der digitalen Universität spreche ich in eine Blackbox."

Jun.-Prof. Dr. Susanne Westhoff, Juniorprofessorin für Physik an der Universität Heidelberg

Was sie im aktuellen Wintersemster anders machen will, kann man hier nachlesen.


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