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"Tell me Mr. Lo“ von Maya Duftschmid Über das Leben eines “Papierclowns”

Lorenzo Torres liebt Papier. Und er liebt die Abwechslung. Maya Duftschmids Erstlingswerk, ihr sogenanntes Film 01 – Projekt an der HFF München lässt uns eintauchen in Torres Weltenkarussell als Mr. Lo.

Von: Campus Cinema

Stand: 25.09.2017

Mit dem Dokumentarfilm "Tell me Mr. Lo“ hat Maya Duftschmid den ersten Platz am Dok.fest München 2017 erhalten. Außerdem hat sie die Silbermedaille in der Kategorie Junger Film beim FISH- Filmfestival Rostock im Stadthafen2017 ergattert.

Maya Duftschmid hat sich zwei Mal an der HFF München beworben. Beim zweiten Anlauf hat es dann geklappt.

„Ich wollte in die Filmbranche, hatte aber vorher nie eine Kamera in der Hand oder hatte gedreht. Deshalb fiel die Wahl auf Drehbuch, weil ich es mag Geschichten zu schreiben und es ein Handwerk ist, das nie schaden kann. Ein Handwerk wie Kamera, bloß ohne Technik. Wir bekommen an der HFF die ganzen Werkzeuge an die Hand, und dann braucht man Praxis. Denn Drehbuch lernt man nur durch Schreiben, Schreiben, Schreiben. Doris Dörrie sagt oft, das ist wie ein Muskel, den man trainieren muss, und das finde ich ein ganz schönes Bild. Je mehr man schreibt, desto besser wird man, ganz einfach.“

Als ersten Film musste sie - wie in der Drehbuchabteilung üblich - einen Dokumentarfilm abliefern. Die Arbeit am Dokumentarfilm - so die Auffassung der Drehbuchprofessoren - schärft die Beobachtungsgabe, die nötig ist, um gute Geschichten schreiben zu können.

"Tell me Mr. Lo"

Ein Portrait gefalteter Träume. Lorenzo Torres hat die schon fast verloren gegangene Kunst des Papierreißens zu neuem Leben erweckt. Perfekt inszeniert, formvollendet wirkt es bei Mr. Lo. In umwerfender Geschwindigkeit formt er immer wieder neue Papierobjekte. Dabei setzt er seiner Phantasie keine Grenzen.   Nach seiner Tanzausbildung war der gebürtige Kalifornier zunächst an zahlreichen Theatern als Tänzer und Choreograph zumeist in den Vereinigten Staaten engagiert, bevor er das Varieté für sich entdeckte. Seit 1995 hat er die Papierwelt für sich entdeckt. Lorenzo Torres bezaubert  als Mr. Lo sein Publikum. Seine Kostüme sind selbstverständlich aus Papier, selbsthergestellt wie auch sein Arbeitsmaterial, angefangen bei der gezauberten Rose bis hin zur filigranen Tischdecke. .

Spannungsreicher Filmaufbau

Der Film ist in der ersten Hälfte als Gesprächsrunde auf der Tonebene gestaltet, als Fragerunde, Maya Duftschmid fragt, Lorenzo Torres antwortet. Beim Bild musste sie sehr präzise arbeiten, da die Filmemacher für ihr 01-Filmprojekt nur drei Rollen 16-Millimeter-Film bekommen, also 30 Minuten Material für die gesamten Dreharbeiten. Im ersten Teil erklärt Maya gar nicht, was Mr. Lo macht, sondern fragt ihn, wie er sich als Künstler in der Welt sieht, und wie er mit Zweifel umgeht bzw. ob er die immer noch hat. Erst im zweiten Teil löst sie bildlich auf, was er eigentlich macht. Genau das macht den Spannungsbogen aus.

„Writers Room“ zur Ideenfindung

An der HFF München haben die Drehbuchstudenten auch einen Writers Room gebildet, nach dem Vorbild der großen US-Serien. In Gemeinschaftsarbeit lassen sich so viel besser wunderbar Stoffe und Drehbücher entwickeln. Gerade die Dialoge kann man sich wie Ping-Pong-Bälle zu werfen, erklärt Maya Duftschmid.

Über Maya Duftschmid

Maya Duftschmid wurde 1994 in München geboren. Sie hat als Produktions- und Regieassistentin an einem Kinospielfilm gearbeitet sowie intensiv bei dessen Stoffentwicklung mitgeholfen. Seit 2015 studiert sie Drehbuch an der HFF München, wo sie ihren ersten dokumentarischen Kurzfilm Tell me Mr. Lo (Buch & Regie) realisierte. Dieser gewann u.a. den young talent award auf dem Dokfest München 2017. Neben zahlreichen Festivalerfolgen lief der Kurzfilm "Close", zu dem sie das Drehbuch beisteuerte, auf dem Short Tiger im Rahmen des Cannes Filmfestivals 2017. Bei dem Kurzfilm "Biermozart" war sie für den Ton verantwortlich. Zurzeit ist sie an mehreren Projekten unterschiedlichen Formats beschäftigt.

Zum Eintauchen in die Welt des Papierclowns Mr. Lo mit all seinen Facetten lasst ihr euch am besten in seinem Internetauftritt beflügeln.

Synopsis von "Tell me Mr. Lo"

Lorenzo Torres liebt Papier und er liebt den Zirkus. Im Privaten ist er ein zurückhaltender Weltmann, von Beruf ein Clown mit vielen Gesichtern und vor allem raschelnden Gewändern. Was ihn das Leben am meisten gelehrt hat? Sich und andere zu überraschen! Mr. Lo nimmt uns mit auf eine Fahrt in seinem Weltenkarussell. Ein Bilderbuch in Schwarz-weiß.

Kurzdokumentarfilm 2016, Länge: 8.14 min

Regie: Maya Duftschmid / Kamera: Felix Riedelsheimer / Protagonist/in: Lorenzo Torres, Serge Njiné / Herstellungsleitung: Anna Katharina Brehm / Producer: Tanja Schmidbauer / Schnitt: Maya Duftschmid, Felix Riedelsheimer / Ton: Tanja Schmidbauer / Mischung: Gerhard Auer / Musik: Maria Maier (Klavierstück von Erik Satie) / sonstige: Michl Bloching (Setrunner)

1. Platz beim Dok.fest München 2017
DOK.education Dokumentarfilmpreis für junge Menschen
Unter dem Motto DAS ANDERE SEHEN veranstaltete DOK.education 2017 einen bayernweiten Wettbewerb für junge FilmemacherInnen zwischen 14 und 24 Jahren.


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