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Feliz natal Weihnachten auf Brasilianisch

Der Heilige Abend in Brasilien - wie wird die Geburt Jesu Christi hier gefeiert? Mit 140 Millionen Katholiken ist es das größte katholische Land der Erde. Lucas aus São Paulo kocht fürs Campus Magazin ein typisch brasilianisches Weihnachtsmenü.

Von: Susanne Bauer-Schramm

Stand: 12.12.2018

Marina, Lucas Schwetser, studiert Jura in Sao Paulo, sie genießt den Weihnachtstrubel bei sommerlichen Temperaturen

Für sein Maschinenbau-Studium an der Technischen Universität München ist Lucas extra in die bayerische Landeshauptstadt gezogen. Er wohnt  im Roncalli Kolleg, einem katholischen Studentenwohnheim. Dass er so gut Deutsch kann, hat er seiner Schullaufbahn zu verdanken. Er ist auf eine deutsch-brasilianische Schule gegangen und hat dort sein Abitur auf Deutsch geschrieben. Seinen Kindheitstraum, in Deutschland ein technisches Studium zu absolvieren, kann er sich so erfüllen. Ein opulentes Weihnachtsmenü auf Brasilianisch zu kochen, ist für Lucas ein Stück Heimat. Wobei er den Heiligen Abend natürlich bei seiner Familie verbringt und selbst bekocht wird… Am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es die Reste der Heiligen Nacht. Da kommen dann auch viele Freunde und man sitzt gemütlich zusammen. Weihnachten in Brasilien ist immer im Sommer und die Brasilianer haben nur einen Feiertag. Am 26. Dezember wird schon wieder gearbeitet.

"In Brasilien ist der Weihnachtsmann überall zu finden: auf den Straßen, in Einkaufszentren, wirklich überall. Und einer aus der Familie verkleidet sich als Weihnachtsmann, als Papai Noel, der plötzlich reinkommt, die Familie überrascht und dann die Geschenke verteilt."

Lucas aus Sao Paulo

Lucas und Marina bei der Bescherung mit ihrem ganz persönlichen Papai Noel

In Brasilien steht die Ceia de Natal (das Weihnachtsessen) im Mittelpunkt aller Vorbereitungen für die Feierlichkeiten. Das brasilianische Abendessen unterscheidet sich von allen anderen Ländern, da es meist erst um Mitternacht serviert wird. Die Mahlzeit kann vor oder nach der Messe des Hahns (Heilige Messe in Brasilien) stattfinden, die am 24. auf den  25. Dezember um Mitternacht beginnt und die Geburt des Sohnes Gottes ankündigt. Die Messe wird so genannt, weil der Hahn lauter geworden ist, um das Kommen Jesu anzukündigen. Historisch und traditionell verkörpert der Hahn Wachsamkeit, Treue und Glauben.

Lucas und Marina freuen sich über ihre Weihnachtsgeschenke

Traditionell versammeln sich nach dem Weihnachtsessen Familie und Freunde in dem Raum, in dem der Austausch von Geschenken und „das Spiel des geheimen Freundes“ stattfinden. In jeder Familie taucht der Papai Noel auf und verteilt persönlich die Geschenke, die schon unter dem Weihnachtsbaum liegen. Der reich geschmückte Baum ist, im Gegensatz zu Europa, aus Kunststoff. Neben ihm steht noch die Weihnachtskrippe im geschmückten Wohnzimmer.

"Je nach Bundesland isst man in Brasilien etwas Unterschiedliches, weil wir Auswanderer aus verschiedenen Ländern haben. Im Süden sind viele aus Deutschland, in San Paolo viele aus Italien und Spanien und im Norden dann eher Afrikaner. Von daher essen wir auch sehr unterschiedlich."

Raul aus São Paulo

Drei Gänge gibt es mindestens, oft noch viele mehr: alle werden gleichzeitig auf der festlich gedeckten Tafel serviert. Lucas hat uns eine kleine Auswahl verraten. Sein persönlicher Favorit ist der „Camarão na Moranga“, ein mit Gambas gefüllter Kürbis.

Lucas und Juan beim Vobereiten der Rabanadas, einem sehr reichaltigen Dessert zu Weihnachten

Chester, gefüllt mit exotischen Früchten (Brasilianischer Truthahn), Kabeljau (hauptsächlich an der brasilianischen Küste am Amazonas), in Form von Bolinho de Bacalhau, Farofa aus Cassavamehl in verschiedensten Variationen, gebackener Schinken oder auch Schweinshaxe, Reis mit tropischen Früchten wie Ananas und Maracuja, mit Walnüssen verfeinert, gehört genauso zu den Weihnachtsgerichten wie Salpicão (brasilianischer Gemüsesalat mit Hühnchen). Auf dem reichhaltigen Dessertbuffet findest du Ingwer- und Honigkekse, Französischen Toast (Weißbrot, getaucht in eine Mischung aus Milch und geschlagenen Eiern, in Butter angebraten), Rabanada (frittiertes Weißbrot), Panettone (ursprünglich aus Norditalien) mit süßem Vanillearoma und Trockenfruchtfüllung aus Feigen, Äpfel, Aprikosen, Orangen, Zitronen und Rosinen oder mit Schokoladengeschmack und Pudim de Leite Moça (Milchpudding mit Karamellsoße).

Lucas Weihnachtsmenü sieht so aus:

 Farofa als Vorspeise

Zutaten für die Farofa

  • 3 Tassen Cassava Mehl oder Maismehl
  • 125 Gramm Speck
  • 1-2 Zwiebel 
  • 2-3 Knoblauchzehen
  • 2 geschnittene Bananen
  • 1 Karotte
  • 1 Handvoll schwarze Rosinen
  • 1 Handvoll weiße Rosinen
  • 1 Handvoll gehackte Paranüsse oder Walnüsse
  • Koriander, Rosmarin, Salz, Pfeffer nach Geschmack
  • Olivenöl

Zubereitung der Farofa

Zwiebeln, Knoblauchzehen klein schneiden, Karotte reiben, Bananen schneiden, Speck in Olivenöl anbraten, Zwiebeln, Knoblauchzehen, Karotten, Paranüsse, Walnüsse, Rosinen unterheben, ganz am Schluss die Bananen. Wenn die Bananen zu lange braten, zerfallen sie gerne: das sieht dann nicht mehr schön aus. Die Mischung kurz anbraten, dann das Cassava Mehl oder Maismehl unterheben und durchrühren. Wenn die Masse zu trocken wird, je nach Belieben Olivenöl oder auch Margarine dazu geben. Ganz am Schluss mit Salz und Pfeffer, Rosmarin und Koriander abschmecken. Auf einer Platte anrichten und mit Korianderblättern garnieren.

Camarão na Moranga als Hauptgang

Zutaten für den gefüllten Kürbis

  • 1 großer Kürbis (möglichst ein Muskatkürbis, schöne Form und gut zum Füllen)
  • 8 Knoblauchzehen
  • 1 und 1/2 Zwiebel
  • 1 kg frische oder aufgetaute Garnelen
  • 1 Zitrone
  • Pfeffer, Salz, Koriander nach Geschmack
  • 2 Tomaten
  • 1  Dose Sauerrahm/Schmand 
  • 3 Esslöffel Schmelzkäse
  • 1 Esslöffel Weizenmehl (falls erforderlich)

Zubereitungstipps für den Kürbis

Vom Kürbis mit spitzem, langem Messer Deckel schräg einschneiden und abheben, Kerne und Fruchtfasern herausnehmen, mit Knoblauchpaste aus Knoblauch und Olivenöl innen ausreiben, im Ofen je nach Größe bis zu einer Stunde schmoren. Am besten nach einer halben Stunde kontrollieren, ob er innen schon weich ist. Während der Kürbis im Ofen liegt, die Füllung zubereiten. Gambas, im Deutschen Garnelen genannt, mit Zitrone marinieren, in Olivenöl mit Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten dünsten, Sauerrahm und Schmelzkäse darunter rühren, zum Eindicken Weizenmehl darunter heben. Das Ganze im Topf ziehen lassen, bis die Gambas durch sind. Das geht schnell. Wenn der Kürbis weich genug ist, mit den zubereiteten Gambas füllen und Fruchtfleisch vorsichtig mit einem Löffel im Kürbis darunter mischen, dann  den Kürbis nochmals für 20 Minuten in die Röhre; diesmal ohne Deckel und gratinieren. Dafür sollte der Kürbis randvoll mit Gambas gefüllt sein. Zur Dekoration kannst du noch für jeden Gast Langusten in Olivenöl braten und ganz am Schluss an den Kürbisrand hängen. Da das Gericht dann so richtig teuer wird, hat Lucas auf die weitere Dekoration verzichtet. In Brasilien sind Fisch und Meeresfrüchte günstiger; so kann man sich, je nach Budget, mehr oder weniger austoben.

Rabanada als Nachspeise

Zutaten für Rabanada

  • 1-2 Baguette, je nach Appetit
  • 250 ml Liter Milch
  • 200 ml gezuckerte Kondensmilch (in Deutschland als Milchmädchen erhältlich)
  • 3 Eier geschlagen
  • Zucker mit Zimtpulver vermischt
  • 2 Liter Frittieröl (Sonnenblumen oder Rapsöl ist gut zum Erhitzen) 

Die Vorbereitung vor dem Frittieren:

Baguette fingerdick zu schneiden, Milch mit der gezuckerten Kondensmilch in einen Topf verrühren, Eier schlagen. Zucker mit Zimtzucker auf einem Teller vermischen. Der Reihe nach wie eine Fertigungsstraße aufstellen.

Baguette als erstes in der Milchmischung kurz anfeuchten, weiter in die geschlagenen Eier, dann ins Frittieröl geben. Aufpassen, dass es nicht zu sehr spritzt.

Fertig frittiertes Brot, es kann auch ein bisschen dunkler sein, in Zimtzucker wälzen, fertig sind die Rabanandas.

São Paulo – die Heimat von Lucas

Weihnachtsmänner gibt es in Sao Paulo überall, sie läuten wie in Deutschland die Adventszeit ein

Die Stadt liegt im Südosten Brasiliens, 80 Kilometer vom Atlantischen Ozean entfernt und erstreckt sich über zahlreiche Hügel. Die Metropolregion Grande São Paulo (hierzu zählen neben São Paulo noch 39 andere Städte, die zusammengewachsen sind) hat 21,5 Millionen Einwohner. Sie ist damit eine der größten Städte der Erde und die zweitbevölkerungsreichste Stadt auf der Südhalbkugel. Die auf 800 Meter gelegene Wirtschaftsmetropole ist durch zahlreiche Einwanderer aus aller Welt geprägt. Die Einwohner der Stadt São Paulo heißen „Paulistanos“. Seit ihrer Gründung 1554, zum Fest der Bekehrung des Apostels Paulus nach dem örtlichen Fluss benannt, hat sich São Paulo erst durch den Kaffeeanbau entwickelt, der um 1850 über das Rio-Paraíba-Tal die Stadt erreichte und dann durch die beginnende Industrialisierung in den 1920er Jahren rasch zu einer Wirtschaftsmetropole wurde. Zum Vergleich: São Paulo hat Rio de Janeiro in der Bevölkerungsdichte schon lange überholt, bis 2035 soll die Einwohnerzahl auf 24,5 Millionen steigen. Erschreckend dabei, dass ein Viertel der „Paulistanos“ in Elendsvierteln am Stadtrand lebt.


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