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Wirtshaustipp Landgasthof Zeidlmaier in Rohrbach a. d. Ilm

Wirtshausexperte Wolfgang Schneider hat sich kürzlich in die Holledau aufgemacht. Allerdings nicht zum Hopfenzupfen, sondern zum Hochgenuss in Sachen Kulinarik. Der dürfte im Landgasthof Zeidlmaier garantiert sein, schließlich hat der Küchenchef Christian Kroiß einst bei dem Zwei-Sterne-Koch Hans Haas im Münchner Tantris gearbeitet.

Stand: 19.11.2018 | Archiv

Landgasthof Zeidlmaier in Rohrbach a. d. Ilm  | Bild: Wir in Bayern

Das Besondere an diesem Wirtshaus

"Die Geschichte dieses Landgasthofs ist eng mit der Geschichte des Hopfenanbaus in der Holledau verbunden. Tausende von Hopfenzupfern aus den armen Regionen Bayerns haben sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in diesem Wirtshaus getroffen und wurden von hier aus von den Bauern zur Arbeit in die Hopfengärten gebracht. Erbaut wurde 'Der Zeidlmaier' im Jahr 1860 als Bahnhofsgaststätte und begann zu florieren, als dann schließlich 1867 die Bahnverbindung München - Nürnberg über Ingolstadt eröffnet wurde. Genau 100 Jahre später hat die Familie Zeidlmaier/Kroiß das Anwesen mit der Adresse Bahnhofstraße 55 gekauft. Wenn auch der gewaltige Alkoholausstoß der 1920er und -30er Jahre wohl nie mehr erreicht werden wird, eines ist sicher: Das kulinarische Niveau war noch nie so hoch wie unter dem 35-jährigen Küchenchef Christian Kroiß. Vor zehn Jahren hat er das Wirtshaus von seinem Onkel Karl Zeidlmaier übernommen. Unterstützt wird er dabei von einem motivierten Team und von seinen Eltern Hermine und Hans Kroiß. Die rustikale Wirtsstube mit ihrer Holzbalkendecke, dem heimeligen Kachelofen und der umlaufenden Eckbank hat sich im Wesentlichen in über 150 Jahren kaum verändert, was auch für die kleinen, heimeligen Weinstuben gilt. Selbstverständlich gibt es hier auch einen großen Saal, in dem Familienfeiern stattfinden sowie namhafte Kabarettisten aus der Kleinkunstszene auftreten."

Küchenart

"Wo er jetzt Chef ist, war er früher Lehrbub, denn Christian Kroiß hat bei seinem Onkel Koch gelernt und anschließend sieben Jahre in der gehobenen Gastronomie gearbeitet. Unter anderem zwei Jahre beim Zwei-Sterne-Mann Hans Haas im berühmten Münchner Tantris. Entsprechend kommen seine gut-bürgerlichen und bayerischen Gerichte auch daher: Immer etwas raffinierter und immer etwas überraschend in der Zubereitungsart. Bei dieser handgemachten Küche ist Frische und Produktqualität Trumpf. Wo immer es geht, wird regional eingekauft, so stammen beispielsweise alle Fische und das gesamte Gemüse aus dem nahen Reichertshausen. Die bestimmende Rolle spielen allerdings Wildgerichte in den verschiedensten Variationen. Momentan stehen etwa 20 davon auf der Speisekarte. Das Fleisch stammt aus eigener Jagd oder von Jägern aus der Region."

Wolfgang Schneiders Vorspeise

"Eine Rehleber ist für mich eine Delikatesse, auch wenn sie sich - wie in diesem Falle - in einem Knödel wiederfindet. Perfekt in Konsistenz und Geschmack. Wohl kaum zu toppen ist die Wildessenz, in der der Knödel serviert wird. Hierzu werden (wegen der Röstaromen) Wildknochen angebraten. Dazu kommen Sellerie, gelbe Rüben und Zwiebeln, des Weiteren (wegen der Farbe) Tomatenmark. Abgelöscht wird zunächst mit Rotwein, der vollkommen reduziert wird, bevor der Koch mit Wildbrühe aufgießt. Als Gewürze dienen Piment, Wacholder, Koriander und Lorbeer. Etwa eineinhalb Stunden köchelt dieser Sud vor sich hin, bevor er akribisch passiert wird. So werden mit einem Passiertuch die letzten Schwebeteilchen aus der Brühe entfernt. Die Brühe kommt über Nacht in den Kühlschrank, wird dann am nächsten Tag vom letzten Fett befreit und auf ein Drittel reduziert. Ein Schuss Madeira gibt ihr den süßlich-wilden Geschmack. Die Sterne-Küche lässt grüßen. Fantastisch!"

Wolfgang Schneiders Hauptspeise

"Ein heimischer Metzger hat die Bratwürste vom Rothirsch geliefert, das Kartoffel-Meerrettichpüree (mit dabei: Nussbutter, Sahne, Preiselbeeren) mit seiner angenehmen Schärfe kommt vom Koch. Die Wurst wird zur farbigen Edelwurst, wenn sie mit Portweinjus (dunkelbraun), Rosenkohl (grün) und Preiselbeeren (rot) auf den Tisch kommt. Ein vermeintlich einfaches Essen wird so zu einem edlen Gericht."

Preise

Die Suppe kostet 4,80 Euro, die Bratwürste vom Rothirsch 14,50 Euro. Weitere Hauptgerichte liegen zwischen 13,50 Euro (Pflanzerl vom Rothirsch) bis 28,50 Euro (Rehrücken). Die Halbe wird für 3,70 Euro ausgeschenkt.

Adresse

Landgasthof Zeidlmaier
Bahnhofstraße 55
85296 Rohrbach a. d. Ilm
Tel: 08442-8428
info@zeidlmaier.de
www.zeidlmaier.de


Öffnungszeiten

Mittwoch bis Samstag: 17.00 bis 24.00 Uhr
Sonntag: 11.30 bis 24.00 Uhr
Montag und Dienstag: Ruhetag

Das Wirtshaus ist nicht barrierefrei.

Anreise
Der Landgasthof Zeidlmaier ist über die A9 sowohl von München (ca. 60 km) als auch über Nürnberg (gut 110 km) leicht erreichbar.

Freizeittipp

"Wir sind in der Holledau, mitten im größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt (2400 Quadratkilometer). Daher bietet sich ein Spaziergang durch die Hopfengärten an, gerade im Herbst strahlt da die Landschaft eine ganz eigene Ästhetik aus. Mit der Wirtsfamilie samt ihrer drei Hunde bin ich Richtung Lohwinden spaziert. Dort sollten Sie unbedingt die Wallfahrtskirche Mariae Geburt anschauen, geweiht 1721. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, welch kulturhistorische Kleinode sich in kleinen bayerischen Orten verstecken."


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