BR Fernsehen - Unter unserem Himmel


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Unter unserem Himmel Die Nationalparkidee – vom Bayerischen Wald nach Siebenbürgen

Der aus einer bayerischen Forstfamilie stammende Christoph Promberger und seine Frau Barbara kämpfen mit ungewöhnlichen Methoden für den Erhalt einer bedrohten Wildnis in den rumänischen Karpaten. Ihr Ziel: Der größte Nationalpark Europas, ein geschütztes Waldgebiet, in dem sich Bär, Wolf, Luchs und Wisent auf freier Wildbahn bewegen. Ihr Vorbild: Der Nationalpark Bayerischer Wald, an dessen Rand Christoph Promberger aufgewachsen ist.

Stand: 16.09.2020 | Archiv

Ein Film von Martin Weinhart

Christoph Promberger kennt die Steigerung der Lebensqualität, die der Nationalpark Bayerischer Wald für die gesamte Region gebracht hat, aus eigener Erfahrung. Für ihn war und ist der Nationalpark ein wichtiger Lernort. Für sein Projektgebiet in Rumänien dient er als Blaupause.

Am Fuße der Fagaras Berge haben sich er und seine Frau Barbara niedergelassen und bringen eines der ambitioniertesten europäischen Naturschutzprojekte voran: die Gründung eines Nationalparks in den Südkarpaten, der sich über 250.000 Hektar erstrecken soll, zehn Mal so groß wie der Nationalpark Bayerischer Wald. Mit der Unterstützung von Philantropen, die einen Teil ihres Geldes für Naturschutzprojekte zur Verfügung stellen, kaufen sie über ihre Naturschutzstiftung Wälder auf, um sie vor illegalem Holzeinschlag und Wilderei zu schützen. So konnten sie bereits 25.000 ha Wald erwerben und effektiv schützen, wo nötig, Kahlschläge wieder aufforsten. Sie stehen im Austausch mit der Europäischen Kommission, die im Rahmen des „Green Deal“ auf dieses Projekt aufmerksam geworden ist.

Das vom bayerischen Nationalparkpionier Hans Bibelriether formulierte Naturschutzziel „Natur Natur sein lassen“ dient den Prombergers als Leitbild. Mit dem Verzicht auf lenkende Eingriffe soll die natürliche Entwicklung im Ökosystem Wald ungestört ablaufen können.

Dabei stellt das Wildtiermanagement eine besondere Herausforderung dar. In Rumänien  leben die meisten Braunbären Europas, geschätzt 5.000 bis 6.000. Touristen freut das, sie können die Tiere bei geführten Wanderungen erleben. Für Einheimische sind die Bären jedoch eine Belastung. Immer wieder kommen sie auf Futtersuche in Dörfer und abgelegene Gehöfte. Dann ist die schnelle Eingreiftruppe der Stiftung gefragt: Zunächst versuchen die Ranger, die Bären mit der Errichtung von Elektrozäunen fernzuhalten. Wenn das nicht hilft, kommt eine Bärenfalle zum Einsatz, um die Tiere weit entfernt wieder auszusetzen. Die Viehhirten auf den Almen und Bergweiden sind Bärattacken gewohnt, sie erwehren sich ihrer nur mit Hilfe ihrer Hunde.

In einem Wirtschaftsraum, in dem Wachstum, Beschleunigung und Verwertbarkeit maßgeblich sind, wirkt die Nationalparkidee geradezu gegenläufig: Nichts machen, geschehen lassen und geduldig abwarten, was sich von selbst entwickelt. Ist es das, was sich nach Entschleunigung sehnende Menschen in die geschützten Wildnisgebiete zieht? 

„Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.” Und weil sie uns nichts verkaufen will, könnte man dem Nietzsche-Zitat heute anfügen.


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