BR Fernsehen - Unter unserem Himmel


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Unter unserem Himmel Steinböcke in den Allgäuer Bergen

Im Allgäuer Hauptkamm leben heute wieder mehrere hundert Steinböcke in ihrem Revier oberhalb der Baumgrenze. Ihre Beweglichkeit im steilen Gelände macht die Beobachtung schwierig, denn er ist der Kletterkönig unter den Tieren der Berge und ein raffinierter Lebenskünstler in Schnee und Eis.

Stand: 16.12.2016 | Archiv

Film von Gerhard Baur

Der Steinbock ist das größte, dauerhaft im Hochgebirge lebende Tier. Im Winter steigt er nicht, wie Hirsch oder Gämse, in die schützenden Waldregionen hinab, sondern bleibt in der sturmumtosten Felsregion, in der ein Mensch ohne zusätzlichen Schutz nicht einmal eine Nacht überleben würde.
Steinböcke jedoch haben sich vorzüglich an das raue, arktische Klima unserer Gipfelregionen angepasst.

Gerhard Baur bringt seine Kamera in Position

Über ein Jahr lang beobachteten Gerhard Baur und sein Sohn Fridolin Baur eine Steinbockgruppe, die um die Mindelheimer Hütte in den Allgäuer Bergen lebt. Der Lebensraum für den Steinbock ist hier an den Felswänden ideal. Grüne Karböden mit nahrhaften Kräutern, darüber steile Felswände, an denen im Winter nur wenig Schnee liegen bleibt und trockene Grasreste und Moose zu finden sind.

Anfang Mai werden die jungen Kitze geboren und bis zum nächsten Winter müssen die Jungtiere sicher in den steilen Felsen klettern können, damit sie Unwetter, Steinschlag, Glatteis, Lawinen und Sturm überstehen. Eine harte Zeit, denn ein Drittel der Jungtiere überlebt den ersten Winter nicht. Sehr beeindruckend ist, wie die Geißen konzentriert und streng mit ihren Jungen den kurzen Sommer über in den steilsten Felswänden üben.

Henning Werth, Diplom Biologe und Gebietsbetreuer der Allgäuer Hochalpen ist überzeugt, dass auch die Erfahrung der alten Böcke für die Gruppen ein wichtiger Überlebensfaktor ist.

Vorsichtig nähert sich Fridolin Baur einem Steinbock

Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen gelang es den beiden Filmern Gerhard und Fridolin Baur das Zutrauen der "Artisten der Felswände" und der wesentlich scheueren Geißen zu gewinnen und so entstanden Aufnahmen aus nächster Nähe, die dem  Zuschauer den Tagesrhythmus dieser faszinierenden Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zeigt.

Blick auf die Mindelheimer Hütte

Die Mindelheimer Hütte wurde ausgezeichnet mit dem Umweltgütesiegel des DAV und liegt auf 2058 Meter Höhe am Ende des Rappenalptals unterhalb des Mindelheimer Klettersteiges. Der dienstälteste Hüttenwirt  im Allgäu Jochen Krupinski und seine Mitstreiter Lucia Kitzelmann und Rainer Müller und eine große Zahl an Helfern verwöhnen die Gäste mit leckersten Gerichten aus selbst gefertigten Nudeln, Knödeln und Zutaten aus der heimischen Region.

Wer auf dem  Roten Weg, auch Via Alpina genannt, von Triest nach Monaco wandert, kommt hier vorbei. Viele unterschiedliche Wege führen aus dem Rappenalptal oder dem Kleinen Walsertal hoch zu diesem gastlichen Domizil.  Ein Stopp lohnt sich, denn  rund um die Hütte gibt es weitere wunderschöne Ausflugsziele mit einer seltenen Blumenvielfalt, Gipfelbesteigungen mit herrlichem Rundblick und über 60 Kletterrouten in allen Schwierigkeitsstufen, gut abgesichert von Joe Schafnitzel.

Für den Wanderer ist es auf jeden Fall ein beeindruckendes Erlebnis, wenn er plötzlich hinter einer Kante einen alten Bock mit mächtigem Gehörn stehen sieht, oder beobachten kann, wie Geißen ihre Jungen mit den Gefahren der Berge vertraut machen.

Erstausstrahlung: 9. Dezember 2012 im Bayerischen Fernsehen.


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