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Schöne Äpfel um jeden Preis Obstbauern am Bodensee

Eigentlich wollte Julia Seidl einen "schönen" Film machen - über eine Apfelsaison am Bodensee. Aber schön sind nur die Äpfel. Rund fünf Prozent der konventionellen Obstbauern müssen jedes Jahr aufgeben. Schuld ist nicht nur die Globalisierung.

Stand: 09.12.2014 | Archiv

Ein Film von Julia Seidl

In einen frischen gesunden Apfel beißen die Deutschen lieber als in jedes andere Obst. Woher er kommt, interessiert sie meistens nicht. Hauptsache billig - und schön. So findet man im Supermarkt vorwiegend Äpfel der Handelsklasse 1 und nur dafür zahlen die Händler deutschen Bauern einen akzeptablen Preis, der aber kaum über 40 Cent pro Kilo liegt. Denn die Konkurrenz ist groß: schöne billige Äpfel kommen aus aller Welt.

Die Globalisierung macht den rund 1400 Obstbauern am Bodensee zu schaffen. Niedrige Preise kann man nur durch Masse wettmachen; große Mengen makelloser Äpfel bekommt man aber nur durch regelmäßiges Spritzen. Was nicht nur ungesund ist, sondern auch teuer. Aus aller Welt kommen auch neue Schädlinge und Krankheiten. Besonders gefürchtet ist das "Feuerbrand"-Bakterium, das sich rasant ausbreitet, wenn man es nicht sofort bekämpft. Dann müssen ganze Obstplantagen gerodet werden. Dem Klimawandel schreibt man die immer heftigeren Hagelschläge zu, gegen die sich viele mit Netzen schützen. Aber nicht jeder Bauer kann sich das leisten.

Kein Wunder, wenn jedes Jahr rund fünf Prozent der konventionellen Obstbauern aufgeben. So mancher beneidet die Bio-Kollegen, deren Kunden höhere Preise akzeptieren. Gegen Feuerbrand und die weltweite Konkurrenz sind sie aber genauso machtlos. 

Eigentlich wollte Julia Seidl einen "schönen" Film machen – über eine Apfelsaison am Bodensee. Aber schön sind nur die Äpfel, die Realität der Obstbauern ist nicht gerade romantisch.


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