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Kommunalwahl Bayern Gehörlose mischen mit

Am 15. März 2020 fanden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Überraschend ist, dass sich auch sechs gehörlose Kandidaten zur Wahl gestellt haben. Wir wollten mehr über sie erfahren und haben sie im Wahlkampf getroffen. Warum interessieren sie sich für Politik und wofür kämpfen sie?

Von: Thomas Zander (Beitrag) / Steffi Wolf (Online-Text)

Stand: 28.03.2020

Thomas Hanke ist 33 Jahre alt. Im letzten Jahr hat er sich als Kandidat für den Stadtrat in Landshut aufstellen lassen. Seit einem Jahr ist er auch aktives Parteimitglied bei der "Landshuter Mitte". Thomas Hanke geht es insbesondere um das Thema Inklusion. Er möchte den Leuten, die sonst viele Nachteile haben, Mut machen.

In der SPD gibt es drei gehörlose Kandidatinnen und Kandidaten, eine davon: Katrin Kermer in Pfaffenhofen.

"Ich habe vier gehörlose Kinder. Vor fünf Jahren sind zwei von ihnen in die Krippe gekommen. Wir haben Kontakt zu den Erziehern aufgenommen und gemerkt, dass sie gar nichts über Gehörlose und ihre Kultur und das alles wussten. Also haben wir viel aufgeklärt, das gehört quasi zu unserem Alltag. Dann, vor ungefähr einem halben Jahr, habe ich mich entschieden in die SPD einzutreten um diese Aufklärungsarbeit weiter voranzubringen. Das läuft bisher sehr gut, aber es ist noch viel zu tun."

Katrin Kermer

Norbert Pfeuffer ist mit 73 Jahren der älteste der gehörlosen Kandidaten, er ist aktiver Gründer und wohnt in Würzburg.

"Ich habe einen Antrag gestellt auf visuelle Signalanlagen für gehörlose Menschen im Straßenverkehr. In der Wohnung sind wir mit Signalen für die Klingel und andere Alarme ausgestattet, aber im Straßenverkehr fehlt das noch komplett. Darauf habe ich erst aufmerksam gemacht und meine Partei war bereit, diesen Antrag zu unterstützen. Leider ist daraufhin bisher noch fast gar nichts geschehen. Ich muss auch ehrlich sagen, an vielen Stellen sitzen noch echte Inklusionsverweigerer. Aber ich werde weiterkämpfen."

Norbert Pfeuffer, Bündnis 90/Die Grünen

Julia Probst aus Weißenhorn kandidiert ebenfalls für Bündnis 90/Die Grünen:

"Ich setze mich in meiner Partei für eine 5-Prozent Quote von Menschen mit Behinderung in der Politik ein; ganz egal ob im Bundestag, im Landtag oder der Kommunalpolitik, das ist absolut notwendig."

Julia Probst, Bündnis 90/Die Grünen

Heike Heubach ist SPD-Kandidatin in Stadtbergen und setzt sich für die Verbesserung der Fahrradwege ein. "Außerdem liegt mir für Stadtbergen das Bürgerwohl sehr am Herzen, ein solidarisches Miteinander von Jung und Alt. Im Moment sehe ich da eine Trennung, die es zu überwinden gilt."

Alexander Exner aus Ingolstadt will die Teilhabe für jeden an Veranstaltungen und Aktionen jeder Art. "Veranstaltungen sollten von vornherein barrierefrei geplant werden und offen für jeden sein. Das ist mein Ziel und darum bin ich SPD Mitglied geworden."


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