BR Fernsehen - Gespräche gegen das Vergessen

Im Münchner Volkstheater

Gespräche gegen das Vergessen 2022 Im Münchner Volkstheater

Stand: 18.07.2022

Von links: Andreas Bönte im Gespräch mit Fanny Ben-Ami und Claus Günther. | Bild: BR/Gabriela Neeb

Am 7. Juli ist es endlich wieder so weit: Nach zweijähriger coronabedingter Pause laden der Bayerische Rundfunk und das Münchner Volkstheater zur Diskussionsreihe ʺGespräche gegen das Vergessenʺ ein. Thema des Abends ist die Jugend im NS-Regime.

Zu Gast bei Andreas Bönte im Münchner Volkstheater sind die Zeitzeugin Fanny Ben-Ami aus Tel Aviv, der Zeitzeuge Claus Günther aus Hamburg, die Direktorin der Arolsen Archives, Dr. Floriane Azoulay, sowie der Psychiater und Theologe Dr. Manfred Lütz. Der US-amerikanische Künstler und Musiker Daniel Kahn wird den Gesprächsabend musikalisch begleiten.

Wie erlebten junge Menschen die NS-Zeit? Welche Folgen hatte die Diktatur für sie? Und welche Erkenntnisse können Jugendliche heute aus der Vergangenheit in die Zukunft tragen? Einen Einblick in Leben, Alltag und Herausforderungen von jungen Menschen während des NS-Regimes geben die Zeitzeugin Fanny Ben-Ami, Jahrgang 1930, und der Zeitzeuge Claus Günther, Jahrgang 1931, erzählen aus unterschiedlichen Perspektiven über ihre Kindheit und Jugend.

Fanny Ben-Ami erinnert sich an das Jahr 1943, als sie als 13-Jährige eine Gruppe jüdischer Kinder bei der Flucht vor der Deportation durch Frankreich anführte – eine filmreife Abenteuergeschichte über Mut, die Liebe zum Leben und den unerschütterlichen Drang nach Freiheit. Ganz anders verlief die Jugend von Claus Günther: Als Kind erlebte er während der Novemberpogrome 1938 in Hamburg mit, wie sein Vater in SA-Uniform die Fackel trug, um sich an der Zerstörung einer Synagoge zu beteiligen. Die Vorbilder des Jungen hießen Hitler, Göring und Goebbels. Seine Schulbücher waren bebildert mit Helden in Naziuniformen. Seine Überzeugung war es, einer überlegenen ʺarischen Herrenrasseʺ anzugehören – denn das erzählten die vermeintlichen Wissenschaftler jener Zeit.

Claus Günther war damals ein Kind. Er kannte nichts Anderes. Aber nach Kriegsende erfuhr er, welche zerstörerische Wirkung die Nazi-Ideologie hatte. Längst hat er sein Leben dem Kampf für Demokratie und gegen Ausgrenzung gewidmet – übrigens auch als einer der ältesten Poetry-Slammer Deutschlands. Fanny Ben-Ami lebt als Künstlerin in Tel Aviv.

Dr. Floriane Azoulay

Beide Gäste haben einen gemeinsamen Wunsch für die Zukunft: Sie appellieren an die Jugend, Menschenrechte und Freiheit zu wahren. Wie dies gelingen kann, zeigen die Projekte der Arolsen Archives – vorgestellt von der Direktorin Dr. Floriane Azoulay.

Dr. Manfred Lütz

Welche Auswirkungen das während des NS-Regimes Erlebte für die Psyche der Menschen hatte und was das große Nachkriegsschweigen verursachte, dazu wird der Psychiater und Theologe Dr. Manfred Lütz Stellung nehmen.

Dem Abend im Münchner Volkstheater geht auch dieses Jahr wieder der ʺTag der Quellenʺ voraus. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte München – Berlin (IfZ) werden persönliche Berichte und Texte aus dem Holocaust von Schülerinnen und Schülern gelesen und inszeniert. Diese Texte werden dem Publikum den ganzen Tag über präsentiert.