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Generation Hartz IV Kinder kämpfen für ihre Zukunft

Hartz IV, Deutschlands umstrittenste Sozialreform wird 15 Jahre alt. Damit werden nun viele Kinder erwachsen, deren Eltern schon bei ihrer Geburt Arbeitslosengeld-II-Empfänger waren. Was bedeutet es, als Kind "arm" zu sein? Was denken die Kinder selbst über das System? Und wie können sie einen Weg in ein Leben ohne Arbeitslosengeld II finden?

Published at: 9-1-2021

Hartz IV (Symbolbild) | Bild: picture-alliance/dpa

15 Jahre nach der Hartz IV-Reform nimmt die Kinderarmut hierzulande trotz Wirtschaftswachstum und sinkender Arbeitslosigkeit zu, so steht es in einer jüngst veröffentlichten Bertelsmann-Studie. In Teilen Deutschlands wächst fast ein Drittel der Kinder und Jugendliche mit Hartz IV auf. Die Hartz IV-Sätze wurden zwar kürzlich angehoben. Doch die Sechs- bis 13-Jährigen gehen leer aus – hier ist keine Steigerung in Sicht. Kritiker und Kritikerinnen beklagen, dass der Regelsatz vor allem für die Bedürfnisse von Kindern nicht ausreiche.

Drei Monate lang begleiten die Autorinnen Leonie Ahmadi und Simona Dürnberg Kinder und Jugendliche, deren Leben vom Aufwachsen mit Hartz IV geprägt ist. Sie erleben Kinder voller Sorgen, aber auch voller Hoffnung auf eine unbeschwerte Zukunft:
Auf der Insel Föhr können Kinder aus Hamburg-Billstedt dank Spenden einmal im Jahr Urlaub machen und sich von ihrem Alltag zu Hause erholen. Eine von ihnen: Tyra. Sie ist 10 Jahre alt und weiß schon jetzt, dass sie nach den Ferien auf der neuen Schule „besonders schlau sein muss“, denn nur so könne der Weg aus Hartz IV gelingen.

Damit ein Kind in Deutschland später das durchschnittliche Einkommen erreicht und damit der Armut entflieht, bedarf es hierzulande statistisch gesehen sechs Generationen - so eine OECD-Studie. Deutschland steht damit schlechter da als der Durchschnitt der OECD-Länder, der bei viereinhalb Generationen liegt. Ist das Aufwachsen mit Hartz IV also ein Manifestieren von Armut? Und würden die politischen Verantwortlichen von damals heute wieder so handeln? Wie war 2005 der politische Weg in die Sozialreformen, welche positiven Effekte für Menschen und die Wirtschaft gab es? Die Autorinnen sprechen mit Franz Müntefering – der ehemalige Vizekanzler gilt als einer der Architekten von Hartz IV. Welchen Blick auf Kinder hatten die Politiker damals und heute?


Emily aus Rostock hat die Schule schon hinter sich - und steht kurz vor dem Beginn ihrer Ausbildung. Mit ihren 16 Jahren kennt sie „kein Leben ohne Hartz IV“. Eigentlich ist sie dankbar, denn ohne Hartz IV hätten ihre Mutter und sie nichts gehabt. Doch Emily stört es, dass Hartz IV-Empfänger und Empfängerinnen in der öffentlichen Wahrnehmung oft als faul angesehen werden. Sie weiß: Hartz IV kann jeden treffen - und trotzdem möchte sie nach ihrer Ausbildung unbedingt ohne das Geld vom Staat leben, fernab von schmerzhaften Vorurteilen.
So geht es auch Sarah-Lee. Die 19-Jährige hält Hartz IV sogar für menschenunwürdig, vor allem für Kinder und Jugendliche. Mit viel Kraft und etwas Glück hat sie sich den Weg aus Hartz IV erkämpft und engagiert sich heute bei der Grünen Jugend gegen die umstrittene Sozialreform. Denn Kinder, die mit Hartz IV aufwachsen, haben niemals die gleichen Chancen wie andere Kinder – so ihre These.

15 Jahre danach: Eine Dokumentation über die Ziele und Auswirklungen der Hartz IV-Reformen.


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