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Gesundheit! Nur ein kleiner Unterschied · Die Entdeckung der Gendermedizin

Patientinnen und Sportlerinnen geben sich nicht länger damit zufrieden, bei Behandlung oder Training nur die zweite Geige zu spielen. Da auch Männer von der neuen, geschlechts-sensiblen Behandlung profitieren könnten, ist die Gendermedizin längst raus aus der feministischen Ecke und auf dem Weg in die personalisierte Medizin, von der alle Individuen, männlich, weiblich, und divers profitieren werden. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. | Bild: BR/Bilderfest GmbH/David da Cruz

Dienstag, 5-3-2024
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In der Medizin, aber auch im Sport orientiert man sich bisher weitgehend am Maßstab des männlichen Körpers, das hormonelle Auf und Ab des weiblichen Zyklus gilt eher als Störfaktor. Welche negativen Folgen das haben kann, musste Steffi Platt aus Berlin am eigenen Leib erfahren. Sie war Leistungssportlerin, mit Medaillen ausgezeichnet. Doch schon kurz nach dem Ende ihrer Profi-Karriere erlitt sie einen sogenannten Ermüdungsbruch im Kreuzbein. Durch jahrelanges Training ohne Berücksichtigung der speziellen weiblichen Physis, hatte ihre Knochenstabilität schwer gelitten. Ein Krankheitsbild, das vor allem weibliche Sportlerinnen betrifft und female athlete triad oder RED-S genannt wird. Zyklusunregelmäßigkeiten oder das komplette Ausbleiben der Menstruation sind Warnsignale dafür.

Ähnliche Erfahrungen wie die Sportlerin Steffi Platt machen Frauen auch als Patientinnen. Die Medizin hat sich ebenfalls jahrzehntelang vor allem am "Modell Mann" orientiert. Das fiel lange niemandem auf, bis Forscherinnen wie die Innsbrucker Kardiologin Margarethe Hochleitner sich fragten, warum auf der kardiologischen Intensivstation nur männliche Patienten behandelt wurden, obwohl die Statistik sogar mehr Todesopfer unter den Herzpatientinnen verzeichnete.

Dass Frauen oft andere Symptome zeigen als männliche Patienten, ist inzwischen in den Notfallstationen angekommen. Mittlerweile haben Gendermedizinerinnen und Gendermediziner zahlreiche Hinweise zusammengetragen, die auf Unterschiede bei den verschiedensten Krankheitsbildern hindeuten. Sie erforschen beispielsweise Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen, Infektionskrankheiten. Es gibt kaum eine Disziplin, bei der der Geschlechtsunterschied keine Rolle spielt.
Gendermedizinerinnen untersuchen, weshalb Frauen weniger Gewicht durch Sportprogramme verlieren als Männer. Wie die weiblichen Geschlechtshormone den Fettstoffwechsel beeinflussen, die Insulinausschüttung, die Dosierung von Blutdruckmedikamenten oder die Effektivität von Krebsmedikamenten. Zu allen diesen Fragen gibt es überraschende Antworten und Hinweise - ein enormes Potential für die Personalisierung von medizinischen Therapien.

In der Praxis sind viele dieser Erkenntnisse aber noch lange nicht angekommen, denn geschlechtsspezifische Forschung ist teuer. Die Grundlagenforschung begnügt sich noch heute meist mit der Forschung an männlichen Mäusen, und in der klinischen Praxis fehlen große, teure Studien, die die Hinweise mit wissenschaftlicher Evidenz unterfüttern.
Doch in der Medizin wie im Sport steigt die Aufmerksamkeit für das Thema. Patientinnen und Sportlerinnen geben sich nicht länger damit zufrieden, bei der Behandlung oder im Training nur die 2. Geige zu spielen. Da auch Männer von der neuen, geschlechts-sensiblen Behandlung profitieren könnten, ist die Gendermedizin längst raus aus der feministischen Ecke und auf dem Weg hin zu einer personalisierten Medizin, von der alle Individuen - männlich, weiblich und divers - profitieren werden. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Redaktion: Sabine Denninger

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