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Zwölfuhrläuten Würzburg in Unterfranken

Wer als Ortsfremder durch die Geschäftsstraßen vom Dom zum Unteren Markt strebt, um die Marienkapelle zu besuchen, ist überrascht, statt einer Kapelle so eines prächtigen Gotteshauses ansichtig zu werden, eines rotweißen, spätgotischen, dreischiffigen Baus mit hohen Lanzettfenstern und Strebepfeilern sowie einem siebzig Meter aufragenden Turm.

Von: Georg Impler

Stand: 14.05.2015 | Archiv

Seine Spitze bekrönt seit dreihundert Jahren eine vergoldete, vom Wind drehbare, aus fünf Zentner Kupferblech geschmiedete Maria-Immaculata-Figur von beinahe fünfeinhalb Metern Höhe und doppelter Schauseite.

Spätgotisches Kunstwerk

Wenn das Gotteshaus heute auch kirchenrechtlich als Nebenkirche der Dompfarrei rangiert, ist ihm die alte Bezeichnung Kapelle geblieben, weil es ursprünglich nicht mit pfarrkirchlichen Rechten ausgestattet war.
Das Bauwerk, für das hier 1377 am Platz einer zerstörten Synagoge der Grundstein gelegt worden war und das Ende des 15. Jahrhunderts mit den berühmten Skulpturen und Tympana Tilman Riemenschneiders zur Vollendung gelangte, gilt als Höhepunkt spätgotischer Architektur in Unterfranken.

Tägliches Glockenspiel

Damit wird auch plausibel, warum das im Krieg schwer zerstörte Gotteshaus nun zur Vollendung des Wiederaufbaus und der bis 2003 laufenden Generalsanierung ein so festliches Geläut erhalten hat. Die sechs Glocken wurden 2013 von Rudolf Perner - angelehnt an die Tonhöhen der Domglocken - in der Stimmung von fis‘ bis dis‘‘gegossen und einzeln mit Schlaghämmern ausgestattet. So können sie neben dem feierlichen Läuten zu den Gottesdiensten auch das fränkische Marienlied "O himmlische Frau Königin" intonieren- als Glockenspiel, täglich um zwölf und achtzehn Uhr.
Dieser Glockensatz war übrigens einer der letzten der traditionsreichen Passauer Gießerei Perner.


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