BR Heimat

Bayerisches Feuilleton Die Bayern im Ersten Weltkrieg

Samstag, 22.09.2018
08:05 bis 09:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BR Heimat

"Tu ein jeder freudig seine Pflicht!"
Die Bayern im Ersten Weltkrieg
Von Michael Zametzer

Wiederholung am Sonntag, 20.05 Uhr, Bayern 2
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Bayern im Krieg - seit 1871 hat es das nicht gegeben. Über vierzig Jahre Frieden der Prinzregentenzeit haben die Erinnerung verklärt. Die alten Reservisten am Stammtisch erzählen bierselig von Sedan und Metz. Freilich: Es gibt die prächtigen Manöver, zusammen mit den Preußen. Und auch in der bayerischen Gesellschaft hat das Militär sein Ansehen, aber ein Kriegervolk sind die Bayern wohl auch 1914 nicht. Trotzdem schreien viele Bayern "Hurra!". Das Deutsche Reich macht mobil, und Bayern marschiert mit. Das Königlich-Bayerische Leibregiment zieht unter dem Beifall der Münchner aus der Residenz - stellvertretend für eine halbe Million Soldaten aus Altbayern, Franken, Schwaben. "Tu jeder freudig seine Pflicht!", ruft König Ludwig III. seinen Bayern zu.

Fern der Städte, auf dem Land, da jubeln sie nicht. Es rufen andere Pflichten. Die Bauern sorgen sich weniger um Deutschlands Ehre als um die Ernte. Wer soll den Hof bestellen, wenn Söhne und Knechte ins Feld ziehen? Anders die Stimmung an den Schulen und Universitäten: Ganze Klassen melden sich geschlossen an die Front. Der Krieg soll nur ja nicht ohne sie losgehen. Die Ernüchterung kommt schnell. Nach wenigen Wochen erstarrt die Front in Frankreich, wo die meisten Bayern kämpfen, im Stellungskrieg. In Briefen, Tagebüchern und Feldpostbriefen erzählen sie noch heute, nach 100 Jahren, von ihren Hoffnungen, Zweifeln und Ängsten - eine "verlorene Generation" junger Bayern.

Und die Künstler, die Schriftsteller, die Geistesgrößen? Viele setzten sich freiwillig die Pickelhaube auf. Franz Marc meldet sich euphorisch zur Artillerie. Lena Christ ist hin und her gerissen zwischen patriotischer Begeisterung und Angst. Für den Augsburger Gymnasiasten Berthold Brecht ist der Krieg unumgänglich. Und selbst der "Simplicissimus" - sonst messerscharfes Satireblatt - respektiert den Burgfrieden.

Der Erste Weltkrieg ist aber vor allem eins: Der Anfang vom Ende der "guten alten Zeit" in Bayern. Am Ende nämlich wird die Monarchie abgeschafft und die Republik ausgerufen. Und nach dem Krieg ist vor dem Krieg …

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

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