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Über das eiserne Bayern Es muss nicht immer Krupp-Stahl sein …

Wer an Stahlwerke und Eisenhütten denkt, dem fallen wohl eher die großen Schmelzwerke der Krupp AG in Essen ein. Aber wer denkt angesichts idyllischer bayerischer Landschaften schon an gehärtetes Metall? Doch in Bayern gibt's jahrhundertealte Stahlindustrietraditionen.

Von: Andreas Höfig

Stand: 10.10.2018 | Archiv

Die Geschichte der Stahlproduktion in Bayern ist ein dauerndes Auf und Ab: Im 15. Jahrhundert blühte etwa die Oberpfalz als europäisches Eisenzentrum auf, dann folgte eine Krise auf die andere - und nach dem Konkurs der Maxhütte ist davon lediglich das "Rohrwerk Maxhütte" übrig geblieben. Es gehört heute zur "Max Aicher Unternehmensgruppe".

Jahrhundertelang wurde auch an der Grenze zu Österreich, in Hammerau bei Freilassing, "Heavy Metal" produziert: In der Annahütte,  einem der ältesten Stahhlwerke der Welt.

"Der Hammer an der Au ist der Verarbeitungsbetrieb für das Eisen, das im Achthal gewonnen wird: 1537 ist das Werk gegründet worden. Erste Berichte stammen aus dem Jahr 1550, vermutlich dürften 1540 die ersten Hammer hier gestanden sein: Das heißt, von Wasserkraft angetriebene große Hämmer, die dann das glühende Eisen verarbeiten."

Der Geschichtslehrer Thomas Döring hat seine Doktorarbeit über das Werk geschrieben

Aber auch die Annahütte hatte mit Krisen zu kämpfen. Nach einem Konkurs in den 70er Jahren kaufte es der Unternehmer Max Aicher und hat es erfolgreich saniert. Heute wird hier weltweit gefragter Stahl produziert. Stahl aus Bayern findet sich im "One World Center" in New York, bei der Verankerung der Palmeninsel in Dubai sowie im Automobil-, im Brücken- und Tunnelbau.

Ein weiteres Zentrum der bayerischen Stahlproduktion sind die Lechstahlwerke in Meitingen im Herzen Schwabens. Auch sie gehören zur "Max Aicher Unternehmensgruppe". Wer heute über Stahl in Bayern spricht, kommt an dem Unternehmer Max Aicher nicht vorbei. Obwohl mit über 80 Jahren längst im Rentenalter, ist er nach wie vor voller Tatendrang. Seine Pläne beschäftigen regelmäßig den Gemeinderat in Meitingen, sagt Bürgermeister Dr. Michael Higl... Dabei geht es immer wieder um die Themen Lärm, Staub, Umweltbelastung - und die Rodung eines Waldstücks, um die Lechstahlwerke zu vergrößern...

"Es gibt 2 Bürgerinitiativen, die durchaus kritisch dem Ganzen gegenüberstehen, die sich mit einer hohen Fachkompetenz in verschiedene Themen eingearbeitet haben, die da auch versuchen, den Finger in die Wunde zu legen wenn etwas nicht passt. Mit den zwei Bürgerinitiativen haben wir hier ganz gute Vertreter."

Der Meitinger Bürgermeister Dr. Michael Higl

Bayerischer Stahl wird heute ausschließlich aus Schrott hergestellt. Gesammelt wird er in Nürnberg, bei der MAR - der "Max Aicher Recycling". Max Aicher - ein bayerischer Bau- und Stahlbaron. Ohne ihn geht gar nichts. Für ein Interview stand Max Aicher leider nicht zur Verfügung - dringende Geschäfte in Ungarn hielten ihn davon ab!

"Was wir noch alles planen, das kann ich so nicht beantworten. Es sind immer wieder neue Ideen die mein Vater hat. Wir haben eine Familienstiftung. Uns war es eben wichtig, dass das Lebenswerk meines Vaters erhalten wird. Dass da nicht irgendwann jemand sagt, wir wollen das zerschlagen oder teilen."

Angela Aicher, die Tochter des Unternehmenschefs. Mitglied des Stiftungsrats und zuständig für die Unternehmenskommunikation.

Angela Aicher, die Tochter des Firmenchefs, betonte im Interview mit dem BR die Verantwortung des Betriebs für seine 4000 Mitarbeiter. Ein klares Bekenntnis zum Stahl-Standort Bayern also, der sich allerdings auf einem unberechenbaren Weltmarkt behaupten muss. Glück auf!


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