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Analyse eines Paar-Therapeuten Was die Einrichtung über die Romantik im Schlafzimmer verrät

An der Ausstattung eines Schlafzimmers lässt sich ablesen, wie romantisch es darin zugeht. Wir haben einen Paartherapeuten gebeten, vier unterschiedliche Schlafzimmer zu analysieren.

Von: Tanja Gronde

Stand: 30.04.2019 | Archiv

Uwe Linke ist Raumpsychologe, Paar-Therapeut und ein Mensch, der einen Blick dafür hat, worauf es ankommt. Das Schlafzimmer müsse ein wahrer Alleskönner sein, so Linke. Es sei der Raum für Intimität und Sexualität, aber auch der Raum, in dem wir zur Ruhe kommen.

Das Schlafzimmer – das Stiefkind unter den Räumen

Bei einem Umzug wird das Schlafzimmer als letztes fertig und es ist gerne das Stiefkind unter den Räumen.  

"Da stehen dann riesige Kleiderschränke, da stapelt sich manchmal die Bügelwäsche. Wenn Besuch kommt, ist es auch oft das Zimmer, wo man die Sachen schnell reinpfeffert, wenn man die Wohnung blitzschnell aufräumen möchte. Das kennt jeder."

Uwe Linke, Paar-Therapeut

Fachmann rät: keine Doppelnutzung

Auch ein Liebestöter: Ein Schreibtisch im Schlafzimmer. Überhaupt sei Doppelnutzung zu vermeiden, meint der Fachmann.

"Das Schlafen hat etwas Romantisches, man gibt sich den Träumen hin, man stirbt den kleinen Tod. Das ist das totale Gegenteil von Arbeit, angespannt sein, etwas Sinnvolles machen. Insofern würde ich es, wenn man es machen muss, räumlich abtrennen mit einem Vorhang oder Paravent, um es optisch auseinander zu halten."

Uwe Linke, Paar-Therapeut

Suche nach den Ursachen für fehlende Leidenschaft

Eigentlich berät Uwe Linke Unternehmen und Hoteliers, wie sie ihre Läden, Restaurant und Bars einrichten, dann stimmt er Raum und Bedürfnisse der Kunden aufeinander ab. Wenn er als Paar-Therapeut die Ursachen für fehlende Leidenschaft sucht, dann geht er auch mal in die Schlafzimmer der Paare und liest die Räume, wie er sagt. Das macht er auch für uns, anhand von Fotos.

Schlafzimmer Nummer eins: Klein, keine Bilder, keine Vorhänge

Schlafzimmer Nummer eins ist sehr klein: neun Quadratmeter, Stadtwohnung mit Einbauschrank an einer Seite, Fenster an der anderen und dazwischen ein Bett – Holzgestell. Viel Liebe zu Naturmaterialien: Lehmputz, geöltes Parkett, kleiner Runder Spiegel, Deckenleuchte, keine Bilder, keine Vorhänge.

"Das ist kein Ort der Wahnsinnsromantik, weil er so schmucklos ist, weil er farbfrei ist. Was mir auch auffällt: Das Bett sieht an sich ganz gemütlich aus. Aber durch das Fehlen von Vorhängen ist trotz dieses Ausblicks in die Natur der Raum ein wenig nackt. Also schon sehr reduziert auf die beiden riesigen Möbel, wie ein typisch deutsches Schlafzimmer bewusst reduziert ist auf die Funktion des Schlafens. Das ist kein lauter Mensch, das scheint ein sehr ruhiger Mensch zu sein, der keinen Firlefanz, keine große Ausschmückung braucht. Die Naturmaterialien machen etwas aus. Dadurch wird dieser Raum ein Ort des Rückzugs."

Uwe Linke, Paar-Therapeut

Tipp: kleine Räume dunkel streichen

Die Beschreibung trifft es ganz gut, finde ich. Uwe Linke rät übrigens dazu, gerade kleine Räume dunkel zu streichen oder dunkle Vorhänge zu wagen, das macht einen kuscheligen Charakter.

Schlafzimmer Nummer zwei: Kolonialstil mit viel Stoff

So wie in Beispiel Nummer zwei: ein Schlafzimmer im Kolonialstil mit viel Stoff an den Wänden.

"Jemand hat versucht, diesen Raum weich und gemütlich zu machen und hat dafür sehr viele Textilien verwendet. Ein Raum, der sehr viel romantischer ist als die meisten typischen deutschen Schlafzimmer heute. Das macht die Wahl dieser Stoffe aus. Wobei es sicherlich ein Raum der 60er oder 70er Jahre ist, also eine ganz normale Wohnumgebung für deutsche Verhältnisse."

Uwe Linke, Paar-Therapeut

Schlafzimmer Nummer drei: Ein Bett, ein Sekretär, eine Gitarre

Beispiel Nummer drei: Neben dem Bett steht ein Biedermeier-Sekretär. Dabei sollte man doch Arbeitszimmer und Bett trennen. Doch dafür lehnt eine Gitarre an der Wand.

"Das scheint jemand zu sein, der sich in diesem Dachgeschoss sehr auf Dinge fokussieren kann. Ich schließe das aus seiner Hinwendung zur Musik. Das hat etwas ganz Sinnliches, Musiker haben immer etwas sehr Sinnliches. Zum anderen: Wer in so einem Chaos an diesem Schreibtisch noch arbeiten kann, wer sich dort konzentrieren kann, der schafft es auch, sich ein bisschen von der Welt abzukehren und den Fokus auf das zu lenken, was er eben jetzt gerade tut. Was auch eine große Rolle spielt, sind die dunklen Farben. Das dunkle Kopfteil, die dunkle Bettwäsche. Auch eine Idee der Romantik: dieses Dunkle, in sich Zurückgezogene."

Uwe Linke, Paar-Therapeut

Schlafzimmer Nummer vier: weißer Landhausstil

In unserem vierten Schlafzimmer stehen zwei Schränke, eine Kommode und ein Bett. Es ist ein großes Bett im weißen Landhausstil.

"Weiß ist eine Farbe, bei der es um das Thema Unschuld geht. Dieses weiße, relativ kastige Bett soll also, obwohl es ein richtig großes, massives Gestell ist, etwas Leichtes bekommen durch diese weiße Farbe. Die Idee dieser Bettgestaltung ist etwas Eingerahmtes. Das sind Menschen, die relativ klar strukturiert sind, die recht pragmatisch an Dinge herangehen, ein bisschen konservativ sind, denen gute alte Werte wichtig sind. Aber von kuscheliger Höhle, von einem Ort der Romantik mit Sonnenaufgang oder einem Raum für Intimität kann man jetzt nicht gerade sprechen."

Uwe Linke, Paar-Therapeut

Reaktion der Bewohner

Was wohl die Bewohner dazu sagen werden? Dana und Torsten hören sich Linkes Analyse an.

Torsten: Das trifft es ganz gut, muss ich sagen.

Dana: Natürlich habe hauptsächlich ich das Zimmer eingerichtet. Mein Mann war beim Bettenkauf dabei. Ich liebe schon einen Raum, wenigstens einen in dieser Wohnung, wo eine Struktur vorherrscht, wo es klare Linien gibt. Und wo es so eine Reinheit gibt. Ich bin, glaube ich, schon jemand, der klar strukturiert ist.

Torsten: Wir führen ein klar geregeltes und strukturiertes Leben, das kann man schon so sagen.

Dana: Ein langweiliges.

"Grundsätzlich vermute ich, dass die Leute nichts Anderes brauchen. Die haben einen Ausblick ins Grüne, was man so erkennen kann und haben auch ein paar Pflanzen im Schlafzimmer. Insofern glaube ich, dass sie mit ihrer Situation grundsätzlich zufrieden sind."

Uwe Linke, Paar-Therapeut

Dana: Da stimmen wir voll zu.

Torsten: Ja, voll.

Dana: Wir sind zufrieden.

Torsten: Wir sind sehr zufrieden mit unserem Leben, ja. Ausgeglichenheit, Zufriedenheit, das ist in manchen Situationen mehr wert als Sex. Auch romantischer, wilder Sex. Entspannt sein, nach Hause kommen, daheim sein, die Familie dort haben, das gibt ein gutes Gefühl. Natürlich ist Zärtlichkeit wichtig, das darf man nicht vergessen.

Dana: Wir sind zärtlich.

Torsten: Natürlich. Verheiratet sein, sich neu strukturieren, gerade was unser Kind betrifft, das ist für uns auch eine Form von Romantik.

Romantik ist eben auch, dass Leben und Lebensraum zusammenpassen und stimmig sind.  


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