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Schafsdarm aus dem Iran Für die Wurst wird's eng

In Franken sind die Metzger in heller Aufregung: Der Preis für Naturdarm hat sich verdoppelt, das bleibt auch für die Bratwurst nicht ohne Folgen. Warum muss der begehrte Schafsdarm auch aus dem Iran kommen?

Von: Wolfram Schrag

Stand: 27.02.2012 | Archiv

Bratwürste | Bild: picture-alliance/dpa

Manchmal sind es die paar Zentimeter, die über Glück oder Pech entscheiden. Glücklich kann sich Sebastian Vettel schätzen. Der rast meist mit seinem Formel-1-Auto ein paar Zentimeter vor seinen Konkurrenten über die Ziellinie. Das hat ihn auf das Siegertreppchen geführt und zuletzt sogar zum silbernen Lorbeerblatt verholfen. Nun wird er sich kaum auf demselben ausruhen.

Der immergrüne Lorbeer, also nicht der silberne, ist hingegen ein wichtiges Küchenkraut. Zum Beispiel, wenn man Würste herstellt. Lorbeer ist auch in Nürnberger Bratwürsten. Und die sind im Moment ins Zentrum einer weltpolitischen Krise geraten. Genauer gesagt, geht es um den Naturdarm. Die Nürnberger füllen ihre Wurstmasse in feine, dünne Schafsdärme. Und diese Därme kommen, welch Ironie der Globalisierung, aus Australien, Neuseeland, China oder, man beachte, dem Iran.

Dieser Importeur macht die Nürnberger Metzger aber nun angreifbar und zum Spielball der Weltpolitik. Das mögliche Atomwaffenprogramm des Iran sorgt nämlich dafür, dass nicht nur die Benzinpreise neue Höchststände erreichen und den Autofahrern an der Zapfsäule Tränen in die Augen treiben.

Tränen wird es bald auch an der Wursttheke geben. Die Nürnberger Metzgerinnung ist in heller Aufregung: Das geht auf keine Wursthaut. Der Iran liefert Naturdärme nach Deutschland und der Preis dieses Schafsaitlings hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

Nürnberger Metzger kochen, und zwar vor Wut. Der schöne Saitling wird rar. Allerdings haben sie die Preissteigerungen noch nicht an die hungrigen Käufer weitergegeben. Man weiß ja nie, ob die Würstchen dann nicht wie Blei in den Theken liegen bleiben.

Doch wo man auch hinschaut: Überall steckt die Wurst in der Schafpelle: Wiener, Frankfurter, Debreziner oder eben Saitenwürste. Denn das Schaf ist besser als jedes Atomprogramm. Ein Tier ist von Natur aus bereits hoch angereichert mit immerhin 22 Metern zartestem und dünnstem Saitling.

Eine weitere hoch politische Komponente dieser Darmgeschäfts wird dabei noch gar nicht beachtet: Der Schafsaitling aus dem Iran wird nämlich hierzulande mit Schweinefleisch angereichert. Dies ist dann eine höchst brisante Mischung, die jedes Atomprogramm in den Schatten stellt.

Und nun kommen wir noch einmal zurück zu den paar Zentimetern, die über Glück oder Pech entscheiden. Wie der Zentralverband Naturdarm bestätigt, sind Metzger in Thüringen fein raus: Ihre dickeren Würste sind nicht von Schafsaitling umgeben. Sie brauchen eine stärkere Pelle. Und diese liefern Schweine: 18 Meter sogenannter enger Darm pro Tier, bestens geeignet zur Herstellung von Brat- oder Bockwürsten.

Auch die Bayern sind fein raus: Weißwürste stecken ebenfalls in Schweinsdärmen. Die feine Nürnberger Bratwurst gerät ins Abseits.


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