Bayern 2 - radioTexte


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Einladung zum Schreiben "Leben, schreiben, atmen" mit Doris Dörrie

"Schreiben heißt, die Welt einatmen", sagt Doris Dörrie, die wohl erfolgreichste Regisseurin Deutschlands, deren Filme und Bücher von Publikum und Kritik gleichermaßen geliebt werden. Ihr Know-how gibt sie gern weiter: Ihr zuletzt erschienenes Buch ist eine "Einladung zum Schreiben". Doris Dörrie liest aus "Leben, schreiben, atmen" in den radioTexten.

Von: Kirsten Böttcher

Stand: 10.06.2020 | Archiv

66. Internationale Filmfestspiele Berlin, 2016, Photocall für "Grüße aus Fukushima" - auf dem roten Teppich: Doris Dörrie (Regisseurin). Foto: Michael Kappeler/dpa | Bild: picture-alliance/dpa

"Ich schreibe, um diese unglaubliche Gelegenheit, am Leben zu sein, ganz genau wahrzunehmen und zu feiern. Ich schreibe, um einen Sinn zu finden, obwohl es am Ende wahrscheinlich keinen gibt."

(Doris Dörrie)

Mal Blödsinn schreiben

Schreiben als Weg zur Lebensintensivierung, als Methode, innezuhalten, nachzuspüren, sich zu erinnern. Sich selbst und die Welt besser kennenzulernen. Das Leben zu feiern. Die erfolgreiche Buchautorin und Regisseurin, die seit über zwanzig Jahren auch „creative writing“ unterrichtet (eine Bezeichnung, die sie ziemlich fragwürdig findet, weil jede Art des Schreibens - Einkaufslisten inklusive - kreativ sein kann), hat diesen Weg für sich gefunden. Sie schreibt täglich, gern gleich morgens, in der einen Hand den Stift, in der anderen den Becher Kaffee.

"Der noch leicht somnambule Zustand hilft, Blödsinn zu schreiben, überhaupt zu schreiben."

(Doris Dörrie)

Dieses Glück des täglichen Schreibens möchte Doris Dörrie mit ihren Leser*innen teilen: Ihr zuletzt erschienenes Buch ist als "Einladung zum Schreiben" gedacht, eine Mischung aus persönlichen Erinnerungen und Motivationshilfen. Generell gilt: Einfach losschreiben - am besten über das eigene Leben. Und auf Angst, Selbstzweifel und Rechtschreibregeln pfeifen.

"Spirare - atmen. Schreiben heißt, die Welt einatmen. Nicht nur die kühle Bergluft am Morgen, auch den Smog, den Rauch, die Abgase. Das Schöne wie das Hässliche."

(Doris Dörrie)

Doris Dörries 65. Geburtstag

"Leben, schreiben, atmen", im Herbst 2019 erschienen, ist ein intimes, direktes Buch geworden. Doris Dörrie, die am 26. Mai, ihren 65. Geburtstag feierte, spricht offen und geradeheraus über persönliche Schwächen und Stärken, Verluste und Glücksmomente, was für ihr Schreiben funktioniert und was nicht. Gleich zu Beginn ihres Buches fragt das Multitalent warmherzig: "Möchten Sie lieber gesiezt oder geduzt werden?", und dann ist man schon drin in Doris Dörries ganz normalen, und doch wieder eigenen Welt zwischen Kindheitserinnerungen und gegenwärtiger Lebenskraft, zwischen Ästhetik und Alltagskram.

Filmstill aus "Kirschblüten und Dämonen" (2019)

Schwerelos taucht man ab in ihre Erinnerungsschilderungen, die von einer fernsehlosen und bücherreichen Kindheit berichten, von ihrer Studienzeit in Kalifornien, von ihrer Verliebtheit in ihren Mann Helge Weindler, der 1996 nach schwerer Krankheit verstarb, während der Dreharbeiten zur Komödie "Bin ich schön?". Und sie erzählt, was sie in den 80er Jahren nach Japan zog, dem traditionsreichen Land der aufgehenden Sonne, das in einigen ihrer schönsten Filme mehr ist als nur Drehort ("Kirschblüten-Hanami" 2008, "Kirschblüten und Dämonen" 2019). "Leben, schreiben, atmen": Mit diesem Buch wird nicht nur das enge Band zwischen Filmen, Schreiben und Sein von Doris Dörrie spürbar. Es ist auch das Porträt einer stets mutig und neugierig bleibenden, inspirierenden Künstlerin: eine Frau, die Mut macht, weiterzuschreiben, weiterzuatmen, egal, was das Leben bringt.

Doris Dörrie in aller Kürze

Als Arzttochter am 26. Mai 1955 in Hannover geboren, studierte sie später Theater und Schauspiel in Kalifornien und in New York, entschloss sich dann aber, lieber Regie zu führen - und war damals in der Branche eine Frau unter vielen Männern. Parallel zu ihrer Filmarbeit (zuletzt der Spielfilm "Kirschblüten und Dämonen") veröffentlicht sie Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher. Sie unterrichtet an der Filmhochschule München "creative writing" und gibt immer wieder Schreibworkshops.

Doris Dörrie (l.-r.) mit Hannelore Elsner und Elmar Wepper, 2008 vor der Premiere ihres Films "Kirschblüten-Hanami" im Münchner Gloria Palast

Doris Dörrie wurde vielfach ausgezeichnet, sowohl für ihre Kinderbücher, für Romane, Erzählungen, Hörbücher und natürlich für ihr filmisches Werk. Zuletzt erhielt sie 2018 den Max-Ophüls-Ehrenpreis für Verdienste um den jungen deutschsprachigen Film und in diesem Jahr die Brüder-Grimm-Poetikprofessur. Unter dem Motto „Alles Echt. Alles Fiktion“ kuratierte sie 2017 das forum:autoren auf dem Literaturfest München. 2019 erhielt sie eine Einladung zur Mitgliedschaft in der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die den Oscar verleiht. Doris Dörrie ist in München und Bernbeuren zuhause.

"Leben, schreiben, atmen - Eine Einladung zum Schreiben"

Lesung von und mit Doris Dörrie

Regisseurin und Drehbuchautorin Doris Dörrie (links) mit Butoh-Tänzer Tadashi Endo

am Dienstag, den 16. Juni in den radioTexten um kurz nach 21 Uhr auf Bayern 2

Moderation und Redaktion: Antonio Pellegrino

Wie alle Werke von Doris Dörrie ist auch "Leben, schreiben, atmen" im Diogenes Verlag als Buch und Hörbuch erschienen.

Unsere Lesungen können Sie immer und überall nachhören: auf dieser Seite im Stream, als Download im Podcast-Center des Bayerischen Rundfunks und überall, wo es Podcasts gibt.


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