Bayern 2 - radioTexte


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Antike Seltsamkeiten Von hängenden Gärten und Gruppenklosetts

Forum Romanum, Akropolis, Babylon - die Ära der Antike scheint im Großen und Ganzen ausgegraben und durchleuchtet. Doch ist es wirklich so? Althistoriker Martin Zimmermann führt uns an die "seltsamsten Orte der Antike", von der Sitzlatrine für Hanfarbeiter bis nach Thule, dem nördlichen Ende der Welt. Antonio Pellegrino hat mit Martin Zimmermann gesprochen. Lesung mit Stefan Wilkening und Jerzy May

Von: Kirsten Böttcher

Stand: 04.07.2019 | Archiv

Das Ende der Menschheit beginnt ab 2050, folgt man dem Worst-Case-Szenario des australischen Thinktanks "Breakthrough" mit dem Titel „Existential Climate-related Security Risk: A Scenario Approach“. Wo also das Ende unserer Hochkultur quasi zum Greifen nahe ist, lassen sich die radioTexte vom Münchner Althistoriker Martin Zimmermann von den Anfängen der Zivilisation berichten, von Städten und schon zu damaligen Zeiten mythenumrankten Kulturschätzen, die heute vergessen sind. Wir bereisen "Die seltsamsten Orte der Antike", so der Buchtitel.

"Jenseits der prominenten Städte und Orte, die (...) für eine recht homogene antike Stadtkultur stehen, gibt es zahllose, aus unserer Sicht sehr eigenartige Plätze. Es können mitunter Plätze sein, welche die antiken Zeitgenossen alles andere als seltsam erlebten, und solche, die nie existierten, aber für sehr real gehalten wurden."

(Martin Zimmermann)

Der Professor für Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München entführt uns in den Hindukusch, nach Indien, Mesopotamien, in die Türkei, nach Nordafrika, durch Europa, ans nördliche Ende der Welt und vor allem in die unbekannten Weiten der menschlichen Vorstellungskraft.

Antike "Places to be"

Abseits der populären Orte Rom, Athen, Alexandria gab es unzählige antike Fleckchen Erde, von denen selbst nur wenige Fachleute einmal gehört, geschweige denn sie einmal besucht haben. Zu ihnen gehören beispielsweise die Überreste des Turms von Babylon, Etemenanki, der als biblischer Mythos die Phantasie der Maler und Literaten inspiriert hat, und Antinoopolis – jene Stadt, die einst Kaiser Hadrian der Erinnerung an seinen jugendlichen Geliebten geweiht hat, der allzu früh ein geheimnisumwittertes Ende fand.

Prof. Martin Zimmermann ist zu Gast in den radioTexten am Dienstag mit seinem Buch "Die seltsamsten Orte der Antike".

Doch wenn wir uns bei diesen Plätzen noch auf halbwegs vertrautem Terrain bewegen, so wird es vollends seltsam, wenn wir die Hunde der Göttin Gula im altorientalischen Isin besuchen oder das Piratennest Olympos im lykischen Gebirge. Regelrecht verstörend sind Orte wie die Gemonische Treppe, die Augustus anlegen ließ, um die Leichen ganz besonderer Feinde schänden zu lassen. Und last but not least kann auch ein Gruppenklosett im antiken Salamis auf Zypern sehr eindrucksvoll vorführen, wie rätselhaft die antike Welt bis heute geblieben ist. Eine literarische Exkursion zu Gärten der Liebe und uralten Bibliotheken des Orients, zu goldenen Pferdeställen im pharaonischen Ägypten und Geisterhäusern in Athen, zu Piratenstädten im Gebirge und zum Mittelpunkt der Welt!

Prof. Dr. Martin Zimmermann

1959 geboren in Güldenstein, ist Herausgeber und lehrt seit 2002 Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hat zahlreiche historische Werke veröffentlicht und ist Herausgeber von drei Bänden in der Reihe „Allgemeinbildung“ für Kinder. Martin Zimmermann ist Vater von drei Söhnen.

Gespensterhäuser, hängende Gärten, goldene Pferdeställe

Reise an "die seltsamsten Orte der Antike"

Schauspieler Stefan Wilkening entführt uns in die fremde Antike.

von und mit Professor Martin Zimmermann am 16. Juli in den radioTexten am Dienstag, kurz nach 21 Uhr auf Bayern2

Lesung mit Stefan Wilkening und Jerzy May

Das Buch "Die seltsamsten Orte der Antike" ist bei C.H.Beck erschienen.

Moderation und Redaktion: Antonio Pellegrino

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