Bayern 2 - Notizbuch


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Untersuchung in Kinderheimen Expertenrat stellt gravierende Mängel fest

Die bayerische Sozialministerin Emilia Müller hat die Ergebnisse der Untersuchung in bayerischen Kinderheimen bekannt gegeben. Sie kündigt nun Richtlinien an, um die Misstände anzugehen. Doch damit ist das Problem nicht gelöst.

Von: Julia Schweinberger

Stand: 04.08.2016

Emilia Müller, Sozialministerin Bayern | Bild: picture-alliance/dpa

 "Wir haben sieben gravierende Mängel festgestellt", sagte Emilia Müller vorab in einem Exklusivinterview dem Bayerischen Rundfunk. Am Donnerstagvormittag hat sie die Ergebnisse der Untersuchung des Expertenrats vorgestellt.

Diese Rat, zusammengesetzt aus Heimaufsicht und Sozialpädagogen, hat die Recherche des BR vom April zu diesem Thema bestätigt. Insgesamt sieben Misstände stellte er fest. Darunter folgendes Beispiel: In zwei Heimen hat man Kinder in Räume gesperrt, die nicht lückenlos einsehbar sind. In vielen Einrichtungen soll es zur sogenannten Heimpraxis gehören, dass man aggressive Kinder, die sich nicht beruhigen lassen, in einen Raum sperrt.

104 Heime wurden untersucht

Allerdings, so der Expertenrat, müsse der Raum zum Schutze der Kinder voll einsehbar sein. Außerdem müsse dort auch eine Toilette vorhanden sein. Das war in mindestens einem Heim nicht der Fall.

Insgesamt wurden 104 bayerische Heime überprüft. Darunter Einrichtungen für taubstumme, blinde, körper- und geistig behinderte Kinder. In diesen 104 Heimen werden insgesamt rund 4000 Kinder betreut. 

Sozialministerin Emilia Müller betonte am Donnerstag zwar, dass Vorfälle dieser Art, die Ausnahme wären. Nur zwei Prozent der 4000 betreuten Kinder würden eingesperrt werden. Fraglich ist aber dennoch, warum viele Heime diese Wegsperr-Praxis überhaupt anwenden. Außerdem ist unklar, ob es in der Vergangenheit nicht noch weitere, bislang unentdeckte Missstände gab. Denn der Expertenrat hat ältere Fälle in seiner Untersuchung nicht berücksichtigt.

Müller will strengere Regeln in Einrichtungen


Um solche Vorfälle künftig zu verhindern, hat Müller nun Richtlinien herausgegeben, an die sich die Heime halten müssen. "Freiheitsbeschränkende Maßnahmen dürfen nur Ultima Ratio sein", sagte sie. Als Konsequenz möchte sie nun beispielweise in jedem Heim einen Elternbeirat einführen, um die Rechte der Eltern zu stärken. Sollten sich die Heime nicht an diese Regeln halten, werde ihnen die Betriebserlaubnis entzogen.

Auslöser für für die Untersuchung durch den Expertenrats war eine Recherche des Bayerischen Rundfunks im April. BR-Journalisten hatten aufgedeckt, dass in einigen Heimen geistig behinderte Kinder regelmäßig eingesperrt worden sind.


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