Bayern 2 - Notizbuch


9

Essstörungen Magersucht und Bulimie bei Jugendlichen

Magersucht ist für Außenstehende oft schwer zu erkennen, denn die jungen Frauen versuchen, die Krankheit zu verheimlichen. Oft sind auch Vater oder Mutter enorm figurbewusst oder haben selbst eine Essstörung. Bei Bulimie ist es noch schwieriger, denn viele Erkrankte führen über Jahre oder sogar Jahrzehnte eine Art Doppelleben.

Stand: 05.05.2012 | Archiv

Symbolbild Jugendliche mit Essstörungen | Bild: picture-alliance/dpa

Oft überhaupt nicht erkannt werden Essstörungen bei Männern; zum einen, weil auch Ärzte nicht damit rechnen, und zum anderen, weil Männer sich nur äußerst ungern eine psychische Erkrankung eingestehen.

Essstörungen nehmen in Deutschland zu. Doch nicht nur das. Laut einer Studie der Universität Halle werden die Betroffenen immer jünger: Mehr als sechs Prozent der 15 bis 16 Jahre alten Testpersonen zeigten bulimische Verhaltens- und Denkmuster. Jeder siebte sei Magersucht gefährdet - darunter auch immer mehr Jungen. In einem Experiment stellte man fest, dass Jugendliche, die fünf Monate lang regelmäßig Modezeitschriften konsumierten, mit ihrem Körper unzufrieden wurden.

Der Kern der Esstörungen

Diäten sind bei jungen Mädchen ziemlich beliebt. Viele fühlen sich zu dick, ganz egal, wie viel oder wenig sie wiegen. Und leider entwickelt ein Teil von ihnen Essstörungen wie Magersucht und Bulimie. Aber: Der Schönheits- und Schlankheitswahn ist nicht der Kern der Essstörungen. "Magersüchtige oder bulimische Jugendliche schaffen sich mit ihrer Essstörung ein autonomes Reservat, in dem sie nach eigenen Gesetzen leben können", meint die Psychotherapeutin und Ärztin Dr. Monika Gerlinghoff, die seit Jahren mit Betroffenen arbeitet.

Ansprechen oder nicht?

Hat man den Verdacht, dass das eigene Kind, eine Freundin oder Bekannte bulimisch oder magersüchtig ist, dann sollte man dies auf keinen Fall ignorieren. Häufig sehnen sich Kranke danach, dass jemand ihren Zustand wahrnimmt. Andererseits reagieren viele auf direkte Fragen wie, 'Sag mal, hast du Magersucht?', extrem ablehnend und aggressiv. Die Psychotherapeutin und Ärztin Dr. Monika Gerlinghoff rät deshalb: "Besser ist es, die eigene Sorge auszudrücken: 'Kann ich dir helfen? Oder: Ich mache mir Sorgen, dass du vielleicht magersüchtig bist.' Den Anstoß zum Nachdenken kann auch ein Buch geben, das man der Betroffenen zusteckt – erfahrungsgemäß sind Essgestörte sehr an Informationsmaterial interessiert."

Krankheit ernst nehmen

Betroffene vertuschen eine Essstörung auch vor Ärzten. Und manche Ärzte, bedauert die Psychotherapeutin und Ärztin Dr. Monika Gerlinghoff, gingen selbst bei einem begründeten Verdacht sehr leichtfertig damit um: "Sie speisen die Patientin ab mit Sätzen wie: 'Iss halt mehr! Schaff' dir einen Freund an! Oder: Das gibt sich wieder, wer ist heute nicht essgestört?'
Aber wenn jemand wirklich erkrankt ist, dann geht der Verlauf immer weiter. Man muss deshalb diese Krankheiten sehr, sehr ernst nehmen." Nicht zuletzt, weil Betroffene an einer Essstörung – an einer Magersucht genauso wie bei einer Bulimie – sogar versterben können.

Therapie so schnell wie möglich

Magersüchtiges Mädchen auf einem Plakat der Aktion "WaageMut"

Hat der Arzt eine Magersucht oder Bulimie festgestellt, so sollte man schnellstmöglich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. In leichteren Fällen reicht eine ambulante Behandlung. Wenn aber die Krankheit schon lange besteht und weit fortgeschritten ist, kommt man um eine intensive stationäre oder teilstationäre Behandlung nicht herum.


9