Bayern 2 - Notizbuch


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Buchbesprechung Den letzten Abschied selbst gestalten

Ein Todesfall bedeutet für die direkten Angehörigen immer einen tiefen Schock. Aber auch für entfernte Verwandte, Freunde, Bekannte, Kollegen und Nachbarn ist eine Todesnachricht bedrückend und wirft viele Fragen auf. Mit ihrem Buch wappnet Magdalena Köster Hinterbliebene gegen Willkür, Gedankenlosigkeit und Schema-F-Betrieb in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Behörden. Sie gibt Trauernden Informationen an die Hand für den Fall, dass sie nicht alles einfach dem Bestatter überlassen wollen.

Von: Claudia Decker

Stand: 22.02.2013

Buchcover "Den letzten Abschied selbst gestalten" von Magdalena Köster | Bild: Ch.Links Verlag, colourbox.com, Montage: BR

Magdalena Köster schreibt im Vorwort ihres Buches: "Wir sind es gewohnt, nach den eigenen Vorstellungen zu leben und die wichtigen Dinge des Lebens selbst zu gestalten. Doch nach dem Tod eines nahestehenden Menschen herrscht oft große Ratlosigkeit." Ganz besonders in der Frage, welche Möglichkeiten man als Angehöriger hat, den letzten Abschied individuell, nach eigenen Bedürfnissen und Ideen zu gestalten, sind die meisten oft ratlos.

Traditionen und vergessenes Brauchtum

Buchhinweis

Den letzten Abschied selbst gestalten.
Alternative Bestattungsformen
von Magdalena Köster
192 Seiten
Ch. Links Verlag, 2012

Wer weiß schon, dass man einen Verstorbenen 36 Stunden zu Hause aufbahren kann, auf Antrag sogar 96 Stunden lang? Und wer bedenkt schon, dass man die alte Sitte des selbstgenähten Totenhemdes wieder aufnehmen könnte? Dass eine spezielle Designerin lange, locker fallende Hemden aus Wolle, Leinen oder Seide schneidert? Oder wer weiß, dass von dem aufgebahrten Verstorbenen eine Totenmaske, ein Handabguss oder Fingerabdrücke angefertigt werden können? Und wem ist es bekannt, dass man den Verstorbenen einbalsamieren lassen kann, um leichter von ihm Abschied nehmen zu können? Und nicht zuletzt: Wer weiß schon, dass meist kleine Bestatter für Wünsche der Angehörigen offen sind, sich sogar freuen, wenn sie die Trauerfeier mitgestalten wollen?

Selbst mitzuwirken statt alles passiv geschehen zu lassen, ist kein Selbstzweck, wie Magdalena Köster weiß.

"In den Tagen nach dem Tod eines geliebten Menschen kann es sehr hilfreich sein, noch einmal etwas Sinnvolles und ganz Persönliches für ihn zu tun."

Magdalena Köster

In einer Checkliste mit Adressen und Links führt Magdalena Köster alles auf, was sich selbst organisieren lässt. So kann auch der Leichenschmaus viele Facetten haben. Am Ende bräuchte man gar keinen Bestatter, bloß dessen Totenwagen ist für die Überführung des Sarges gesetzlich vorgeschrieben. Wissen muss man's halt und Anregungen bekommen...

Wie in diesem Rundum-Ratgeber für den letzten Weg eines geliebten Menschen. Er ist eine beruhigende Lektüre, ein praktischer Leitfaden gegen den normierten, entfremdeten Tod.


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