Bayern 2 - Nahaufnahme


5

Hilfe für Helfer Wenn der Einsatz Rettungskräfte krank macht

Bad Reichenhall, Jettingen-Scheppach, Bad Aibling – diese bayerischen Orte stehen für drei dramatische Unglücke, die sich seit 2006 im Freistaat ereignet haben. Ob beim Einsturz der Eishalle, bei dem tragischen Verkehrsunfall mit einem Trauerzug in Schwaben oder dem noch nicht lange zurückliegenden Zugunglück in Oberbayern: Immer waren haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte vor Ort, um zu helfen.

Von: Doris Bimmer

Stand: 06.07.2016

Ausgebrannter Reisebus und Einsatzkräfte bei Irschenberg | Bild: picture-alliance/dpa

Kaum jemand fragt nach, wie die Helfer verarbeiten, was sie an den Unglücksorten erleben. Allein im vergangenen Jahr mussten die Retter 1,8 Millionen Mal ausrücken. Viele Einsätze sind belastend, manche sogar traumatisch.

Nach dem schweren Zugunglück in Bad Aibling

BR-Reporterin Doris Bimmer hat mit vielen Betroffenen gesprochen und mit denen, die traumatisierte Helfer auffangen, deren seelische Belastungen ernst nehmen. Da ist beispielsweise das Rosenheimer PSNV-Team: Rouven Siegler, Christian Glas und weiterer Kollegen kümmern sich um Rettungskräfte und leisten erste Hilfe auf ihre Art, mit psycho-sozialer Notfall-Versorgung:

"Unser Job ist es in erster Linie zuzuhören, zum Reden zu animieren. Also den Retter zu motivieren, dass er sich das Erlebte von der Seele spricht."

Christian Glas, PSNV-Team

Diakon Andreas Müller-Cyran

Mit der psycho-sozialen Betreuung von Einsatzkräften beschäftigt sich seit über 20 Jahren auch der Leiter des Krisenpastorals der Erzdiözese München-Freising, Dr. Andreas Müller-Cyran. Für jede Form physischer Verletzungen gebe es ein sehr gutes Netz etablierter Strukturen, sagt er: "Wenn aber die Seele verletzt wird, bleiben wir mit diesen Verfahren oft auf der Strecke." Hinzu kommt, so Müller-Cyran, eine speziell deutsche Wahrnehmung: nämlich dass viele Betroffene glauben, sie trügen selbst Schuld an ihren seelischen Problemen und müssten somit auch selbst damit fertig werden.

Immer wieder haben Helfer nach psychisch belastenden Einsätzen auch Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Erwerbs- und Berufsunfähigkeiten durch dafür vorgesehene Versicherungen.


5