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Zwingende Indikationen Wann operiert werden muss

Wenn die Schmerzen nicht aufhören und unerträglich werden, dann liegt eine Operation am Rücken nahe. Es gibt ganz klare und zwingende Indikationen, die der Arzt immer beachtet.

Stand: 05.07.2019

OP-Team bei einer Rückenoperation | Bild: picture-alliance/dpa

Zwingende Gründe für eine Operation an der Wirbelsäule

  • Dauerhaft nicht beherrschbare Schmerzen trotz Ausschöpfung aller konservativen Methoden von Physiotherapie über Akupunktur bis Schmerztherapie
  • Ausgeprägte neurologische Ausfälle (z.B. Blasen- oder Enddarm-Lähmung oder Lähmung an Armen oder Beinen), die zu bleibenden funktionellen Ausfällen führen

In allen anderen Fällen muss nicht zwingend operiert werden. Und das bedeutet, dass man auch den Faktor 'Zeit' ins Spiel bringen muss. Erst wenn ein bestimmtes konservatives Therapieverfahren versagt hat, dann sollte ein operativer Eingriff erfolgen. Klassisches Beispiel dafür ist die Kyphoplastie: Bei dieser Operationsmethode wird der Wirbelkörper mit Knochenzement stabilisiert. Das kommt dann infrage, wenn es z.B. durch Osteoporose zu Einbrüchen gekommen ist oder wenn sich dort ein Blutschwamm gebildet hat.

"Allerdings würde ich auch hier erst einige Wochen konservative Therapie in Kombination mit Schmerztherapie abwarten. Wenn das nicht wirksam ist, dann erst ist die Indikation gegeben."

Prof. Meyer

Indikation bei Wirbelkanalverengung: Operation bei Spinalkanalstenose

Ein Beispiel für sinnvolle Operationen an der Wirbelsäule bis ins hohe Alter ist die Spinalkanalstenose. Bei diesem Krankheitsbild, das vor allem ältere Menschen betrifft, wird der Spinalkanal durch Knochen- und Bänderwucherungen immer enger, bis die darin liegenden Nerven gedrückt werden. Nach und nach entstehen dadurch Muskelschwäche und Beinschmerzen, die den Patienten in seiner Bewegungsfähigkeit einschränken.

"Teilweise können diese Patienten nur noch wenige Meter laufen, bevor die Beine schwach werden. Solche Spinalkanalstenosen, die den Patienten in seiner Bewegung stark einschränken und seine Lebensqualität massiv einschränken, sind Indikationen für eine Operation; wenn es die körperliche Gesundheit des Patienten zulässt. Das ist aber heute auch bei vielen 70- bis 90-jährigen noch der Fall."

Prof. Meyer

Tipp: Operation nur vom Spezialisten

Operation ist nicht gleich Operation. Deshalb kann es selbst dann zu Problemen kommen, wenn ein Patient völlig unbestritten operiert werden muss. Die zunehmende Spezialisierung in der Medizin lässt es fast ausgeschlossen erscheinen, dass ein Arzt alle Operationstechniken gleichermaßen beherrscht. Für den Patienten ist aber wichtig, dass die für seinen Fall beste Methode angewandt wird.

"In der Wirbelsäulenchirurgie versuchen wir seit einiger Zeit, die Expertise durch eine strukturierte Ausbildung zu erhöhen und so Fachärzte für Orthopäde, Unfallchirurgie bzw. Neurochirurgie zu ausgewiesenen Wirbelsäulenchirurgen auszubilden bzw. schon spezialisierte Kollegen durch den Nachweis ihrer Fertigkeiten zu zertifizieren. Dasselbe gilt für die Kliniken selbst. So wurde an unserem Klinikum 2016 deutschlandweit das erste Level I Wirbelsäulenzentrum der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft zertifiziert." Prof. Meyer

Bereit für die Operation - die psychologische Komponente

Die Angst fährt mit in den Operationssaal - gerade bei Eingriffen an der Wirbelsäule. Ein Forscherteam der Universität Hamburg hat herausgefunden, dass eine Rückenoperation umso besser gelingt, je intensiver sich die Patienten auch psychisch auf den Eingriff und die Zeit danach einstellen. Die Therapeuten spielten mit ihren Patienten vor der Operation das Szenario durch, das sie nach dem Eingriff erwartet, informierten sie über mögliche Schmerzen und erarbeiteten Ziele für die Rückkehr in den Alltag. Diesen Rückenpatienten ging es nach der Operation signifikant besser als denen, die nicht an der Intervention teilgenommen hatten.

"Diese Ergebnisse spiegeln sich auch in unserem Alltag wieder."

Prof. Meyer


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