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Quarantäne für alle? Was Ausgangssperren bringen können

Italien, Spanien und Frankreich haben landesweit Ausgangssperren verhängt. In Deutschland hat es nun auch die erste Stadt getroffen – das bayerische Mitterteich. Wäre eine flächendeckende Ausweitung der Quarantäne sinnvoll?

Author: Axinja Weyrauch

Published at: 19-3-2020

Ausgangssperre in Mitterteich | Bild: Bayerischer Rundfunk 2020

 "Wir müssen in Paris bleiben, wir haben nicht die Möglichkeit wegzufahren. Wir müssen schauen, dass wir mit den Kindern ab und zu um den Block gehen können, sonst wird es wirklich kompliziert.", sagt Caroline. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in einer 60 Quadratmeter-Wohnung in Paris. Ihre kleine Wohnung werden sie für insgesamt zwei Wochen kaum verlassen dürfen, denn in Frankreich gilt eine Ausgangssperre wegen des neuartigen Coronavirus.

Französische Polizisten stehen auf der leeren Trocadero-Terrasse vor dem Eiffelturm.

Dieses Szenario könnte auch in Deutschland auf uns zu kommen, zumindest haben die beiden Unionspolitiker und Ministerpräsidenten Markus Söder und Armin Laschet so etwas nicht ausgeschlossen. Der Infektiologe Bernhard Salzberger von der Uniklinik Regensburg ist der Meinung, dass Italien und Frankreich mit der Ausgangssperre die richtige Entscheidung getroffen haben: "Dort ist die Epidemie schon weiter als bei uns, aber auch wir haben weitergehende Maßnahmen gefordert und auch an die Politik gerichtet. Wir müssen konsequenter das Zusammenkommen von Menschen verringern, sonst werden wir in italienische Probleme kommen."

Soziale Kontakte möglichst völlig vermeiden

Mit einer Ausgangssperre soll verhindert werden, dass sich Menschen trotz geschlossener Bars und Sportplätzen privat weiter treffen. Soziale Kontakte sollen möglichst komplett vermieden werden. Damit sich das Corona-Virus möglichst langsam ausbreitet. Nicht nur um sich selbst, sondern auch um Risikopatienten wie Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen zu schützen, sollten selbst Jüngere sich einschränken, betont Lothar Wieler, Leiter des Robert Koch Instituts.

"Wir haben eine riesige Mobilität in der jungen Gruppe, deswegen ist es auch eine sinnvolle Maßnahme, dass man Clubs schließt. Und die Jungen können die Alten auch anstecken, deswegen sollte man sich möglichst von seinen Großeltern fernhalten, wenn es irgendwie geht."

Lothar Wieler, Leiter des Robert Koch Instituts

Ausgangssperren durch Durchsetzung der Maßnahmen

Theoretisch würden die aktuellen Maßnahmen mit geschlossenen Schulen, Bars und Geschäften ausreichen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und einzudämmen, sagt der Epidemiologe Timo Ulrichs von der privaten Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin. Aber nur dann, wenn die Menschen denn nun auch wirklich auf Kontakt zu ihren Freunden verzichten. Eine komplette Ausganssperre hätte dann nur noch einen minimalen Zusatzeffekt, sagt Ulrichs: "Es ist ja so dass bereits jetzt die sozialen Kontakte auf ein Minimum reduziert sind und sich jeder daran hält im täglichen Leben was ja an sich schon ein Ausnahmezustand ist. Dann müsste es auch gut funktionieren und wir müssten diese Effekte auch bald sehen."

Verringerung der Infektionszahlen nach Wochen

Der Flughafen in Seoul ist leer, da auf Grund des Coronavirus keine Flüge geplant sind.

Auch Michael Hölscher, Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der LMU München hält Ausgangssperren nicht für notwendig, wenn jeder nun seinen Teil dazu beiträgt. Ob die Maßnahmen etwas bringen, werden wir aber erst in einigen Wochen sehen – zunächst werden die Fallzahlen weiter steigen, da es dauert, bis die Krankheit ausbricht: "Wo man immer ganz gut den Verlauf der Maßnahmen erkennen kann, ist wenn man nach Südkorea schaut. Die haben ja vor ungefähr vier Wochen die Maßnahmen, die wir jetzt hier haben, eingeleitet und nach etwa drei bis vier Wochen ist der Effekt eingetreten, dass sich die Infektionszahlen dramatisch verringert haben."

Ob die Menschen in Deutschland denn nun wirklich weniger unterwegs sind und weniger Kontakt zu anderen haben, will das Robert Koch Institut über anonymisierte Handydaten herausfinden. Mit den Daten der Telekom können Bewegungen nachvollzogen werden. Wenn diese nun zurückgehen und dann in zwei bis drei Wochen die Neuinfektionen sinken, dann war es gut, dass wir uns alle in unserem sozialen Leben eingeschränkt haben.


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