Bayern 2

ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod" Nachtmix Der Tod und die Popmusik

Dienstag, 20.11.2012
23:05 bis 00:00 Uhr

BAYERN 2

Darker than blue
Der Tod und die Popmusik
Mit Judith Schnaubelt

"Musik ist die Sprache der Seele." So schlicht und ergreifend hat der deutsche Dichter Peter Hille das musikalische Phänomen einst beschrieben. Weshalb Komponisten, Musiker, Songwriter und Gesangskünstler womöglich weniger Probleme haben, tiefste schmerzliche Gefühle angesichts des Todes zu kommunizieren. Mit ihrem Medium, der Musik. Einer der bewegendsten Nachrufe der aktuellen Popmusik ist sicher Rufus Wainwrights Pianoballade "Memphis Skyline": "Never thought of Hades / Under the Mississippi / But still I've come to sing for him." Wainwright trauert um seinen Kollegen, den großen Singersongwriter Jeff Buckley, der 1997, gerade mal 30 Jahre alt, in den Fluten des Mississippi ertrank. Innige Songs von Jeff Buckley: "The last Goodbye" und das Leonhard Cohen-Cover "Hallelujah". Auch Jeffs Vater, den kalifornischen Folksänger, hat ein tragischer Tod ereilt. Er ist 28-jährig an einer Überdosis Heroin gestorben.1976 war das. Jeff Buckleys berühmtester Song: "Sweet surrender." Ein Song in der die Liebe alles richten soll, der Tod aber schon mitschwingt.
Don McLeans Uptempo-Song "American Pie" klingt zunächst gar nicht nach Nachruf, ist aber einer: Für Buddy Holly, den weltberühmten Rock’n’Roller, der 1959 bei einem Flugzeugabsturz um’s Leben kam. "The day the music died." Danach kommt nichts mehr Vergleichbares für Don McLean: Alle Nachfolger von Buddy: "Hofnarren" und "A generation lost in space", singt Don McLean 1971. Das Ganze auch das Klagelied einer Generation, die sich verloren und verraten fühlte, als sich das Scheitern der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung deutlich abzeichnete; als Martin Luther King und John F. Kennedy längst ermordet waren; als der Krieg in Vietnam noch immer nicht beendet war; als Bürgerkrieg in den amerikanischen Inner Cities auszubrechen drohte. Ein letztes Plädoyer, sich zu besinnen, innezuhalten, das Leben über den Tod zu stellen, hielt damals 1970 Soulsänger Curtis Mayfield in seinem Song "We the people, darker than blue".