Bayern 2

Zeit für Bayern

Eine junge Türkin schenkt einem Polizeibeamten am 21.6.2002 an der Münchner Leopoldstraße eine Rose. Mit 5000 weiß-roten Rosen haben sich die türkischen Fußballfans bei ihren Münchner Mitbürgern bedankt.  | Bild: picture-alliance/dpa

Sonntag, 15.01.2012
12:05 bis 13:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Das Türkenmariandl und der Django
Vor 50 Jahren kamen die ersten türkischen Gastarbeiter
Von Maximiliane Saalfrank und Thies Marsen

Vor 50 Jahren rollte der erste Zug mit Arbeitskräften aus der Türkei in den Münchner Hauptbahnhof ein. Mit der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens zwischen der Bundesrepublik und der Türkei hatte am 31.Oktober 1961 die offizielle, geregelte Arbeitsmigration zehntausender Frauen und Männer aus der Türkei begonnen.
Kaum einer nahm damals im Herbst '61 wohl davon Notiz, dass bereits 300 Jahre zuvor der bayerische Kurfürst Max Emanuel an die Tausend türkische Kriegsgefangene, darunter auch schwangere Frauen und Kinder, nach München transportieren hatte lassen. Eingesetzt wurden die Türken zur Sklavenarbeit in Manufakturen, beim Kanalbau in Nymphenburg und Schleißheim, vor allem aber bei Rodungen. Adel und Militär machten das menschenverachtende Spiel dem kurfürstlichen Hofe nach und beschäftigten in ihren Haushalten sogenannte "Beutetürken". Menschen türkischer Herkunft lebten überall in Bayern: im Kloster Attel am Inn, auf Schloss Neunhof bei Nürnberg, im schwäbischen Memmingen genauso wie im oberbayerischen Pähl, wo heute gelegentlich noch die Geschichte vom Türkenmariandl" erzählt wird.
Das Mariandl hieß eigentlich "Fadama" oder "Fatima", war verwitwet und von fünf Pähler Bürgern, die mit ihrem Kurfürsten in Ungarn gekämpft hatten, gefangen genommen und als "Kriegsbeute" mitgeschleppt worden. Am 26. August 1688 taufte sie der Pähler Pfarrer Mosmayr auf den Namen "Maria Anna", nach ihrer Patin, der Freifrau von Bernsdorff. Ob der gebürtige Deggendorfer, der bayerisch-türkische Kabarettist Django Asül, die Geschichten von Mariandl, vom Münchner Achmet Stainmair oder dem Erdinger Simon Fözinger kennt? Übrigens, wer "Morath", "Ofner" oder "Christmann" heißt, sollte ganz besonders genau hineinhören, in die bayerisch-türkischen Lebensbilder, eingefangen aus vier Jahrhunderten, in einem Feature von Maximiliane Saalfrank und Thies Marsen.

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"Zeit für Bayern" bietet die Gelegenheit, alle Regionen Bayerns näher kennen zu lernen und neu zu erfahren. "Zeit für Bayern" ist bayerisches Leben und bayerisches Lebensgefühl abseits aller Klischees. Das "Bayern genießen-Magazin" mit Beiträgen aus den sieben bayerischen Regierungsbezirken gibt es in der Regel jeweils am ersten Samstag des Monats.

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