Bayern 2

BAYERN 2-SOMMERRADIO Bayerisches Feuilleton Bayerische Kraftplätze: Der Wertstoffhof

Samstag, 08.08.2020
08:05 bis 09:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Sommerradio-Reihe
Bayerische Kraftplätze: Der Wertstoffhof
Von Ulrich Zwack

Wiederholung am Sonntag, 20.05 Uhr, Bayern 2
Als Podcast verfügbar

Kraftplätze sind nach esoterischer Weltanschauung Orte, an denen sich Lebensenergie manifestiert. Unser kapitalistisches Wertesystem bezieht seine Lebensenergie bekanntlich vor allem aus materiellem Besitz. Indes existiert zu jeder Welt auch eine Gegenwelt. Anders als man zunächst vielleicht annehmen möchte, heißt die Gegenwelt von Besitz keineswegs Armut oder Mangel, sondern - Abfall. Und die Koordinaten ihrer Kraftplätze werden durch die Mülltonne bestimmt, den Recycling-Container, die Mülldeponie, die Müllverbrennungsanlage - und nicht zuletzt den Wertstoffhof. Dorthin bringt frau oder man alles Sperrige, was sie oder er nicht mehr für erstrebenswerten Besitz hält. Bis auf Sprengstoffe und radioaktiv Strahlendes gibt es fast nichts, was man nicht auf dem Wertstoffhof abgeben könnte.
Das meiste davon wandert in große Container oder in chemikaliensichere Kunststoffbehälter und wird dann fachgerecht recycelt, vernichtet, verbrannt, neutralisiert oder anderweitig entsorgt.
Vieles, was der eine wegwirft, kann der andere allerdings noch gut gebrauchen. Darum fischen die Wertstoffhof-Mitarbeiter die besten Stücke gezielt aus dem Wohlstandsmüll und führen sie kommunalen Secondhand-Kaufhäusern zu, die noch gut erhaltene Möbel, Computer, Fernseher, Fahrräder, Sportartikel, Musikinstrumente, Werk- und Spielzeuge etc. zu moderaten Preisen verkaufen. Und das Beste vom Besten aus der Abfall-Schattenwelt des Kapitalismus wird z.B. in München an jedem Samstag-Vormittag öffentlich versteigert.
Ulrich Zwack hat sich an einigen Kraftplätzen der müllträchtigen Subkultur der Konsumgesellschaft umgesehen und mit ihren Bewohnern gesprochen.

Bayerisches Feuilleton - Sommeredition: Beiträge zur Philosophie des Alltäglichen und zur Metaphysik des Banalen.

BR 2018

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